Mittwoch, 29. Januar 2020

Warnsignale Schuldenkrise erreicht Realwirtschaft

Autoproduktion bei Opel: Bei dem Hersteller fallen wegen der Nachfrageschwäche demnächst Schichten aus

Die Euro-Schuldenkrise macht sich allmählich in der Realwirtschaft bemerkbar. Bei Opel etwa fallen wegen nachlassender Nachfrage Schichten aus, Bayer stockt aus Furcht vor einer Kreditklemme die Liquidität massiv auf - und die Tui bereitet sich auf das Comeback der Drachme vor.

Hamburg - Die europäische Staatsschuldenkrise kommt langsam in der Realwirtschaft an. Opel sieht wegen schwächelnder Märkte in Frankreich, Spanien und Italien erste Auswirkungen auf den Absatz. Im Werk im thüringischen Eisenach würden daher bis Anfang kommenden Jahres "einige Schichten" ausfallen, sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe. Auch im größten Opel-Auslandswerk im spanischen Saragossa gebe es bereits Kurzarbeit.

"Der Automobilmarkt hat sich im laufenden Quartal leicht abgekühlt, und das dürfte sich auch 2012 fortsetzen", sagte Stracke. Die Situation sei aber nicht vergleichbar mit einer Rezession.

Kritisch blickt auch der Pharmakonzern Bayer in die Zukunft. Das Unternehmen wappnet sich für eine mögliche Kreditklemme infolge der europäischen Staatsschuldenkrise. "Zurzeit haben wir eine Liquiditätsposition von etwa 3,8 Milliarden Euro", sagte Finanzvorstand Werner Baumann der "Börsen-Zeitung". Das sei gut das Fünffache dessen, was in "Nichtkrisenzeiten" an Kasse gehalten werde.

Versicherer müssen Werte abschreiben

Abgeschmolzen werden soll der Betrag erst im kommenden Jahr, wenn eine zwei Milliarden Euro schwere Anleihe fällig werde. Das solle vermeiden, dass Liquiditätsengpässe an den Finanzmärkten auf das eigene Geschäft durchschlagen. "Wenn man so will, zahlen wir eine Versicherungsprämie, denn die Finanzierungskosten bekommen wir bei der Wiederanlage nicht gedeckt", erläuterte Baumann.

Sorgen hat auch der Reisekonzern Tui, der sich in Griechenland gegen eine mögliche Rückkehr des Landes zur Drachme absichern will. "Das ist auch im Sinn der Urlauber", bestätigte Konzernsprecher Robin Zimmermann am Samstag einen Bericht der "Bild-Zeitung". Dem Blatt liegt ein Brief vor, in dem griechische Hoteliers aufgefordert werden, einen neuen Vertrag vor dem Hintergrund einer möglichen Währungsumstellung zu unterschreiben. "Alle Tui-Töchter müssen generell schauen, dass sie gegen Wechselkursschwankungen abgesichert sind", erklärte Zimmermann.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser erwartet für die Metall- und Elektroindustrie im kommenden Jahr "eine deutliche Abschwächung des Wachstums". Zwar seien "in der Breite" noch keine Anzeichen für eine Rezession zu erkennen, sagte Kannegiesser der Zeitung "Rheinpfalz". "Aber die Risiken für einen solchen Absturz sind gewachsen", fügte er hinzu.

Derzeit laufe das Geschäft bei den meisten Unternehmen gut, mit Blick auf Auslastung und Beschäftigung habe die Branche wieder das Vorkrisenniveau erreicht, sagte Kannegiesser.

Schließlich: Auch die Versicherer wie die Munich Re Börsen-Chart zeigen oder die Allianz Börsen-Chart zeigen, die beide in der kommenden Woche ihre Quartalsergebnisse vorlegen werden, kommen nicht ungeschoren davon. Nach extremen Belastungen durch Naturkatastrophen zu Jahresbeginn mussten die Assekuranzen zwar im dritten Quartal für spürbar weniger Schäden geradestehen.

Die Krise an den globalen Finanzmärkten - von Juli bis September mit dramatisch einbrechenden Aktien und massiven Verwerfungen rund um griechische Staatsanleihen - dürfte ihnen jedoch erneut bittere Abschreibungen bescheren. In den roten Zahlen sind sie - das zeigen die ersten Ergebnisse aus der Branche - zwar nicht. Aber die Richtung wird in den meisten Fällen nicht stimmen.

cr/apd/dpa-afx/rtr

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