Pharma Pfizers Bewährungsprobe kommt noch

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer hat im dritten Quartal seinen Gewinn mehr als vervierfacht, der Vorstand erhöht die Jahresprognose. Doch die Einbußen durch Generika steigen und der Härtetest steht Pfizer noch bevor.
Viagra, eins von vielen Produkten des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer

Viagra, eins von vielen Produkten des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer

Foto: HO/ AFP

New York - Florierende Geschäfte in den Schwellenländern und eine hohe Nachfrage nach Tiermedizin haben dem US-Pharmariesen Pfizer  zu einem unerwarteten Gewinnschub verholfen. Trotz verschärfter Generikakonkurrenz für viele Medikamente konnte der weltgrößte Arzneimittelhersteller im dritten Quartal seinen Gewinn auf 3,74 Milliarden Dollar mehr als vervierfachen, wie der Viagra-Hersteller am Dienstag mitteilte.

Allerdings wurde der Quartalsgewinn noch durch Millionenlasten im Zusammenhang mit Klagen bei einem Tochterunternehmen gedrückt. Konzernchef Ian Read gab sich dennoch zuversichtlich. "Die Folgen der Exklusivitätsverluste ausgeklammert haben alle unsere Geschäfte Umsatzwachstum erzielt, während sie ihre Kostenstrukturen effektiv gestalteten", erklärte der Manager.

Bei Anlegern konnte Pfizer mit seinem Zwischenbericht allerdings nicht punkten. Nach anfänglichen außerbörslichen Kursgewinnen verlor die Aktie im Sog des allgemeinen Abwärtstrends in New York 1,4 Prozent.

Konzernchef Read hebt Gewinnziel 2011 an

Für das laufende Jahr hob Konzern-Chef Read das Gewinnziel an. 2011 soll jetzt je Aktie ein bereinigtes Ergebnis von 2,24 bis 2,29 Dollar in den Büchern stehen. Bisher hatte das New Yorker Unternehmen 2,16 bis 2,26 Dollar in Aussicht gestellt. Angepeilt wird ein Umsatz von 66,2 bis 67,2 Milliarden Dollar. Zuletzt hatte Pfizer die Untergrenze für den Umsatz noch bei 65,2 Milliarden Dollar angesetzt.

Für das kommende Jahr, in dem für das bisherige Top-Medikament Lipitor in den USA herbe Umsatzeinbußen durch Generika zu erwarten sind, bekräftigte Read die Prognose: Bei einem Umsatzrückgang auf 62,2 bis 64,7 Milliarden Dollar will Pfizer je Aktie 2,25 bis 2,35 Dollar verdienen.

Schwacher Dollar hilft

Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 7 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar und damit überraschend deutlich. Das Plus hätte lediglich ein Prozent mehr erreicht, hätte nicht der schwache Dollar für Unterstützung gesorgt. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 62 Cent - Analysten hatten sechs Cent weniger erwartet.

Rund lief es für Pfizer in den Schwellenländern, in denen die Erlöse um 18 Prozent auf 2,44 Milliarden Dollar zulegten. Aber auch die Geschäfte mit Tiermedizin und Ernährungsprodukten erhöhten mit Zuwächsen von 21 Prozent beziehungsweise 31 Prozent ihre Umsätze kräftig. Beide Sparten stehen bei Pfizer auf der Prüfliste für eine Abspaltung oder einen Verkauf. Im Hauptgeschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneien steigerte Pfizer den Erlös dagegen lediglich um sechs Prozent auf 14,75 Milliarden Dollar. Im Heimatmarkt USA schrumpfte er sogar um vier Prozent.

Härtetest steht Pfizer noch bevor - Generika-Konkurrenz für Top-Medikament

Die Gesamteinbußen durch Patentverluste im Quartal bezifferte Pfizer-Chef Read auf 950 Millionen Dollar. Dabei steht für den Konzern der Härtetest erst noch bevor: Das Top-Medikament Lipitor gegen Cholesterin verliert noch diesen Monat in den USA seinen Patentschutz. In kürzester Zeit dürften dann Nachahmerpräparate auf den Markt drängen und den Umsatz mit dem Blutfettsenker um zwei Drittel einbrechen lassen. Pfizer erzielte mit dem Präparat 2010 rund elf Milliarden Dollar Umsatz, das entspricht immerhin einem Sechstel des gesamten Konzernumsatzes.

Nach früheren Einschätzungen der Marktanalyse-Gesellschaft IMS Health sind allein in diesem Jahr in den USA Medikamente mit einem Umsatzvolumen von 25,4 Milliarden Dollar von Konkurrenz durch Generika bedroht. Nächstes Jahr könnten weitere Arzneien mit einem Umsatz von 26,1 Milliarden Dollar betroffen sein - das sind immerhin knapp 9Prozent des gesamten US-Pharmamarktes. Dazu gehört auch der Blutverdünner Plavix der Konzerne Sanofi aus Frankreich und Bristol-Myers Squibb aus den USA mit einem Jahresumsatz von mehr als neun Milliarden Dollar. Plavix ist nach Lipitor die weltweit zweitumsatzstärkste Arznei.

rei/reuters

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