Afrika Schwarzer Kontinent im goldenen Licht

Arabischer Frühling, Demokratisierungstendenzen und eine wachsende Mittelschicht - in Afrika mehren sich die Signale der Hoffnung. Eine wichtige Rolle bei der künftigen Entwicklung des Schwarzen Kontinents kommt China zu.
Von Arne Gottschalck
Afrika: In Lagos bemüht man sich um kreative Problemlösungen

Afrika: In Lagos bemüht man sich um kreative Problemlösungen

Foto: Sunday Alamba/ AP

Hamburg - In Lagos will man nach Makka duften. Makka, das ist ein Rasierwasser von PZ Cussons, einem Unternehmen, das sich unter anderem auf Afrika spezialisiert hat und vor allem in Nigeria aktiv ist. "Für nigerianische Männer ist es offenbar ein Muss", sagte M&G-Fondsmanager Graham French vor einiger Zeit gegenüber manager magazin. Kosmetika statt Not und Bürgerkrieg - immer häufiger taucht Afrika in einem neuen Kontext auf.

Drei Gründe gibt es dafür, erläutert Baldwin Berges von Silk Invest, einem Unternehmen, das sich auf Investments unter andere in Afrika spezialisiert hat. Da ist die vernetzende Wirkung der Telekommunikationstechnologie, die zum Beispiel dafür sorgt, dass Afrika Zugang zur Welt hat, sei es über das Internet, sei es über das Handy. Inzwischen können sogar Überweisungen über das Mobiltelefon abgewickelt werden.

Dazu kommt die junge Bevölkerung des Kontinents. "Nehmen Sie die USA als Beispiel, als das Land selbst noch eine aufstrebende Nation war, damals im 19. Jahrhundert", sagt Berges. "Das Land hatte eine sehr junge Bevölkerung und die war zu einem Gutteil für das gewaltige Wachstum verantwortlich. Gesellschaften mit einer großen Bevölkerung, die gleichzeitig offen für die Welt sind, sind oftmals auch erfolgreich, so wie Brasilien oder China. Und das gilt auch für die meisten afrikanischen Nationen." Und das bietet vor allem eine Chance. "Sie liegt darin, dass eine Milliarde Menschen in Afrika graduell in die Mittelklasse aufrücken." Und beginnen, entsprechend zu konsumieren.

"Subsahara-Afrika zeigt insbesondere seit dem Jahr 2000 eine schon fast atemberaubende wirtschaftliche Entwicklung mit konstant hohen Wachstumsraten", sagt Christian Römlein, Präsident des Fördervereins "African Business Academy for Entrepreneurship". "Parallel werden die politischen Systeme stabiler und vertrauenswürdiger." Und er prognostiziert: "Wir werden in den nächsten dreißig bis fünfzig Jahren einen 'goldenen Süden' erleben." Und diese Ewartung schlägt sich auch in den Direktinvestitionen nieder. Die stiegen mit Blick auf die Subsahara-Region von 6 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 40 Milliarden im Jahr 2010, zeigt eine Erhebung der Fondsgesellschaft Charlemagne Capital.

Afrika: Angst vor "Chinafrika"

Auch deutsche Unternehmen sind dabei. Doch es könnten mehr sein. "In gut der Hälfte der 47 Länder südlich der Sahara gibt es nicht mal zwei deutsche Investoren", sagte Heiko Schwiderowski, Referatsleiter Afrika beim DIHK. "Dabei haben die Deutschen ein gutes Standing in Afrika", erklärt Jens Schleuniger, Portfolio Manager des VCH Africa. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich dort weitere Partner neben dem sehr präsenten China wünschen würde". Denn diese Präsenz bewerten Experten wie Römlein skeptisch.

"Die Gefahr, dass ganz Afrika unter chinesische Kontrolle kommt, ist enorm groß. 'Chinafrika', so nennen die asiatischen Kollegen den Kontinent schon. Es sind bereits 2.000 chinesische Firmen in Afrika gegründet worden. Wenn Europa nicht aufpasst und sofort aufwacht, dann sind die künftigen Wachstumsmärkte auf Jahrzehnte an ein Land vergeben, dass sich extrem kolonialistisch und menschenverachtend verhält."

China geht es vor allem um Rohstoffe. Doch während der damit einhergehende Reichtum in der Vergangenheit oftmals in dunklen Kanälen versickerte, scheint sich ein Umdenken anzubahnen. So hat beispielsweise Nigeria einen Staatsfonds eingerichtet, der den Ölreichtum ds Landes bewahren und mehren soll. War der zuerst nur eine bloße Skizze unter dem Namen Excess Crude Account (ECA), frei übersetzt "Überschuss-Öl-Konto", sucht das Land jetzt unter anderem mit einer Annonce im "Economist" nach einem Gruppe erfahrener Manager, die diesen Fonds verwalten sollen, wie die Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala erklärte.

Nur ein Indiz für einen Gesinnungswandel, nicht nur in Nigeria. Kupfer zum Beispiel wird händeringend von China gesucht, weswegen die Ausfuhren des Rohstoffs aus Zambia und der Demokratischen Republik Kongo 2009 um 60 Prozent gestiegen sind. Von der Nachfrage nach Öl profitieren wiederum Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Gabun, Ghana, Nigeria und Uganda, schreibt Charlemagne. Entsprechend wird gespart und nicht mehr geprasst.

2000 wurde nur gut 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gespart, 2010 waren es über 20 Prozent. Und das schafft Luft für Wachstum. "In Europa sammeln unsere Regierungen Geld via Steuern ein. In vielen afrikanischen Gesellschaften erlauben es die Einkünfte aus den Rohstoffen, mit niedrigeren Steuersätzen zu arbeiten. Da macht ein Land nicht nur solventer, sondern befreit auch Kapital für Wachstum und Konsum", so Berges. Vielleicht für Makka, aber auch für andere Güter.

Das exklusive Netzwerk für Führungskräfte: Direkt zur manager-lounge

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.