Streit mit Gewerkschaften Qantas lässt alle Maschinen am Boden

Die australische Airline greift durch: Wegen des andauernden Arbeitskampfs mit Piloten und Ingenieuren hat Qantas den gesamte Flugbetrieb eingestellt. Der Flugstopp verschlingt pro Tag 15 Millionen Euro. Auch bei Air France fallen Flüge aufgrund eines Streiks aus.
Nichts geht mehr: Qantas legt die gesamte Flotte vorläufig still

Nichts geht mehr: Qantas legt die gesamte Flotte vorläufig still

Foto: Paul Kane/ Getty Images

Sydney - Die australische Fluggesellschaft Qantas hat im Kampf mit den Gewerkschaften einen drastischen Beschluss gefasst: Sie stellte am Samstag ohne Vorwarnung und mit sofortiger Wirkung den gesamten Flugbetrieb ein. 108 Flugzeuge strandeten in 22 Ländern, mehr als 1300 Passagiere, die innerhalb von 24 Stunden bei Qantas einchecken wollten, blieben auf der Strecke. Die Airline versprach Hotel- und Flugumbuchungen und Wiedergutmachung.

Die Regierung reagierte mit Unverständnis. Sie rief einen Schlichtungsausschuss an, der die Streitparteien an den Verhandlungstisch zurückbeordern und alle Kampfmaßnahmen aussetzen kann. Er sollte noch am Samstag zusammentreten.

Die Airline habe wegen der Extremforderungen der Gewerkschaften keine andere Wahl gehabt, sagte Qantas-Chef Alan Joyce. Sie nehme in Kauf, dass der Flugstopp jeden Tag einen Schaden von 20 Millionen australischen Dollar verursache - rund 15 Millionen Euro. Der Flugbetrieb werde erst wieder aufgenommen, wenn die Gewerkschaften eine Vereinbarung unterzeichnen.

Die Fluggesellschaft streitet seit Monaten mit Piloten, Ingenieuren und Gepäckträgern um Gehälter, Arbeitsbedingungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Es gab bereits mehrere Warnstreiks. "Sie destabilisieren mit Absicht das Unternehmen", warf Joyce den Streikenden vor. 600 Flüge hätten bereits gestrichen werden müssen. Joyce kam den Gewerkschaften mit dem Flugstopp zuvor. Diese hatten einen 48-stündigen Streik angedroht, der den Flugbetrieb ohnehin unmöglich gemacht hätte.

Die Gewerkschaften reagierten empört auf den Beschluss. "Alan Joyce hält der Nation das Messer an die Kehle", sagte der stellvertretende Präsident der Pilotengewerkschaft, Richard Woodward, der australischen Nachrichtenagentur AAP. "Das hat keiner vorausgesehen, weil niemand dachte, dass Joyce total verrückt ist."

Air France muss Flüge streichen

Qantas-Tochterunternehmen wie der Billigflieger Jetstar waren nicht betroffen. Qantas, 1920 gegründet, eine der ältesten Fluggesellschaften der Welt und bekannt als "Fliegendes Känguru", ist Australiens größte Fluggesellschaft und deckt 65 Prozent des heimischen Marktes ab. Andere Airlines wie Virgin Australia, Jetstar oder Tiger Airways können diese Lücke nicht füllen. Qantas bietet von Sydney über Singapur auch Flüge nach Frankfurt an.

Von Streiks war auch die französische Fluggesellschaft Air France betroffen: Die Airline setzte wegen eines Streiks der Flugbegleiter ein Limit von 100 Passagieren für Mittelstreckenflüge. Reisende müssten Wartezeiten in Kauf nehmen, doch 80 Prozent der Flüge bis zum kommenden Dienstag seien gesichert, gab das Unternehmen bekannt. Hauptsächlich betroffen waren Urlauber am Pariser Flughafen Orly, die in die Kurzferien zu Allerheiligen starten wollten. Hintergrund der Arbeitsniederlegungen sind Sparpläne der Air-France-Führung.

mh/dpa
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