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Hochfliegende Pläne: Der Ausbau deutscher Flughäfen

Foto: Stefan Rebscher/ dpa

Frankfurter Flughafen Merkel eröffnet neue Landebahn

Der größte deutsche Flughafen kann künftig 50 Prozent mehr Flüge bewältigen. Mit der Landung von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete Betreiber Fraport am Freitag die vierte Rollbahn in Frankfurt. Das kurzfristig verhängte Nachtflugverbot schmälert die Freude der Branche aber.

Frankfurt am Main - Die neue Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens ist offiziell eröffnet. Als erstes Flugzeug landete dort am Freitag eine Regierungsmaschine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Bord. Die Maschine setzte trotz Nebels pünktlich auf.

Zur offiziellen Eröffnung kamen unter anderen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte. Die Landebahn wird erst mit dem Winterflugplan ab 30. Oktober in den Vollbetrieb gehen. Ab dann gilt auch ein vorläufiges Nachtflugverbot auf dem gesamten Flughafen.

Der Bau der Bahn, auf der Flugzeuge lediglich landen dürfen, dauerte zweieinhalb Jahre. Für Fraport ist die Landebahn zusammen mit dem Bau eines neuen Terminals, der in fünf bis sechs Jahren eröffnet werden soll, das wichtigstes Vorhaben in diesem Jahrzehnt. Die Kosten für beide Bauten zusammen liegen bei 4,3 Milliarden Euro.

Der Streit um das Projekt reißt nicht ab. Das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) verhängte Nachtflugverbot verursacht allein bei der Frachtsparte der Lufthansa  Verluste in zweistelliger Millionenhöhe, weil Flüge ganz abgesagt oder nach Köln/Bonn verlagert werden müssen.

Ministerpräsident Bouffier: Kein Ausbau die nächsten 20, 30 Jahre

Die neue Landebahn mit Flugzeugbrücken über die Autobahn soll die Kapazität des Flughafens um 50 Prozent erhöhen. In jahrelangen Vermittlungsgesprächen hatten sich die Beteiligten auf ein Nachtflugverbot als Gegenleistung für die vierte Bahn des größten deutschen Flughafens geeinigt. In ihrer Planfeststellung 2007 hatte die hessische Landesregierung dennoch durchschnittlich 17 Flüge pro Nacht zugelassen. Gegen diese Regelung sind noch Klagen beim Bundesverwaltungsgericht anhängig, weswegen der VGH die Nachtflüge kurzfristig bis zum letztinstanzlichen Urteil ganz gestoppt hat. Das Urteil wird Anfang nächsten Jahres erwartet.

Bouffier hofft mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot auf Rechtsfrieden. "Dann ist das für alle Zeit eine Grundlage, an die sich alle halten können", sagte der Ministerpräsident Radio FFH. "Wenn das Bundesverwaltungsgericht entscheidet und sagt, es gibt gar nichts, dann ist es eben so." Bouffier schloss einen weiteren Ausbau des Flughafens vorerst auf Jahrzehnte aus. "Wir haben jetzt einen Zustand erreicht, von dem ich glaube, dass die nächsten 20, 30 Jahre sich die Frage eines weiteren Ausbaus nicht stellt."

Eine rheinland-pfälzische Klage gegen Fluglärm soll just während der Landung von Merkel auf den Weg gebracht werden. An diesem Freitagnachmittag ist im Mainzer Innenministerium ein letztes Gespräch mit Vertretern betroffener Kommunen über den juristischen Protest gegen die neuen Flugrouten geplant. Bei den vermutlich fünfstelligen Kosten eines Verfahrens wollen unter anderem das Land und der Kreis Mainz-Bingen die fünf klagenden Kommunen Klein-Winternheim, Ober-Olm, Nierstein, Lörzweiler und Nackenheim finanziell unterstützen. An diesem Samstag ist ein Demonstrationszug mit tausenden Teilnehmern von Mainz nach Wiesbaden geplant.

Fluglotsen bezweifeln Kapazitätsgewinn

Der Betreiber Fraport  kritisierte das Nachtflugverbot. Dies sei ein "tiefgreifender Einschnitt" für Airlines, die vor allem nachts ihre Flugbewegungen durchführen, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte der "Frankfurter Neuen Presse" am Freitag. Der Chef des Lufthansa-Aufsichtsrates, Jürgen Weber, warnte in HR-Info, der Preis eines totalen Nachtflugverbotes sei zu hoch für die neue Landebahn. Wenn das Bundesverwaltungsgericht das Verbot bestätige, "muss Lufthansa ein neues Zukunftskonzept ausarbeiten".

Lufthansa Cargo befürchtet einen Schaden zwischen 30 und 50 Millionen Euro. "Das Nachtflugverbot zwingt uns zu einem Flugplan, der ökonomisch und ökologisch teilweise absurd ist", sagte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt in Berlin. Wegen des Verbots verlegt das Unternehmen fünf Nachtflüge pro Woche zum Flughafen Köln/Bonn und streicht einige Verbindungen nach China. Die Lufthansa hatte zuletzt eine Verschiebung der Eröffnung gefordert.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow, warnte: Die Wirtschaft brauche Nachtflüge. In Frankfurt würden 70 Prozent der deutschen Luftfracht verschickt. Bislang gab es in Frankfurt kein Nachtflugverbot und etwa 50 Flugbewegungen pro Nacht.

Sich kreuzende Flugrouten für den Lärmschutz

Das Sicherheitssystem am erweiterten Frankfurter Flughafen ist nach Ansicht von Fluglotsen so kompliziert, dass die angestrebte Zahl von Flugbewegungen nicht erreicht werden kann. "Wir können froh sein, wenn wir mit dem neuen System und den vier Bahnen genauso viel Verkehr schaffen wie bislang mit drei Bahnen", sagte das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Markus Siebers, am Freitag.

Die mit der neuen Landebahn anvisierte Kapazitätserweiterung auf 126 Flugbewegungen pro Stunde sei nach seiner Einschätzung mit dem nun installierten Verfahren nicht zu erreichen, sagte der Fluglotse vom Frankfurter Tower. Grund seien die zahlreichen sich kreuzenden An- und Abflugrouten des Vier-Bahnen-Systems.

Eine höhere Leistungsfähigkeit sei insbesondere mit schnurgeraden An- und Abflugrouten zu erreichen: "Dann könnten wir auch 150 oder 160 Flugbewegungen abwickeln", sagte Siebers. Insbesondere aus Lärmschutzgründen sind hingegen weite Bögen bei den Abflügen vorgesehen. In einem ersten Schritt wird laut Fraport mit der neuen Bahn die Zahl der stündlichen Flugbewegungen von 82 auf 90 erhöht.

ak/dapd/rtr/dpa-afx
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