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Europas Konzernadel: Welche deutschen Unternehmen nur hinterher traben

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Euro 500 Kaum Hochleistungsfirmen in Deutschland

Europas Hochleistungsfirmen kommen aus der Schweiz oder Großbritannien, aber nicht aus Deutschland. Sogar Firmen aus Europas Krisenländern Spanien oder Portugal stehen besser da. Für deutsche Unternehmen ist der Leistungsvergleich von manager magazin ernüchternd. Ein Überblick.

Hamburg - So sieht eine solide Erfolgsbilanz aus: Seit Egon Behle Anfang 2008 zur Nummer eins des Münchener Turbinenbauers MTU  aufrückte, lag die Rendite des Konzerns ausnahmslos im zweistelligen Bereich. Bei etwas mehr als 23 Prozent pendelte sich die Eigenkapitalrendite im Schnitt der vergangenen drei Jahre ein. Und auch das Ergebnis an der Börse kann sich sehen lassen: Kursgewinne und Dividenden bescherten den MTU-Aktionären seit Sommer 2008 einen Vermögenszuwachs von exakt 42,4 Prozent. Mit solchen Zahlen lässt Behle Industrieriesen wie Daimler , Siemens  oder Volkswagen Vz.  regelrecht alt aussehen.

Aus deutscher Sicht gehört er damit zu den wenigen positiven Überraschungen im großen Konzernleistungstest des manager magazins. Bilanzprofessor Bernhard Pellens von der Ruhr-Universiät Bochum hat zusammen mit den Kapitalmarktexperten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte die 500 größten europäischen Börsenfirmen einer akribischen Performanceanalyse unterzogen.

Das Ergebnis der Studie, die manager magazin nun zum insgesamt 22. Mal durchführt (und dessen Ergebnisse und wichtige Details Sie ausführlich in der neuen Ausgabe lesen), ist für die hiesige Konzernelite ernüchternd: Europas Hochleistungsunternehmen kommen aus der Schweiz oder Großbritannien aber nicht aus Deutschland. Sogar Firmen aus Europas Krisenländern Spanien (der Aufzughersteller Zardoya Otis, Rang 4) oder Portugal (Portugal Telecom, Rang 1) stehen besser da.

Von den 55 untersuchten deutschen Adressen schafften es gerade Mal drei unter die ersten 50, sechs dagegen rangieren auf den Rängen 450 bis 500. Bei der um die Eigenkapitalkosten korrigierte Eigenkapitalrendite hängen die deutschen Unternehmensgrößen der europäischen Konkurrenz um knapp 3 Prozentpunkte hinterher, bei der Aktienrendite (Kursgewinne plus Dividenden) um 0,5 Prozentpunkte.

Es sind nur wenige Ausnahmen, die der grauen Bilanz der deutschen Firmen ein wenig Glanz verleihen. Der Hightech Maschinenbauer Aixtron  ist eine davon. Vor allem die Hersteller von Flachbildschirmen ließen die Orderbücher der Aachener in den vergangenen Jahren anschwellen. Um 186 Prozent schnellte der Umsatz zwischen Ende 2008 und Anfang 2011 empor, der Gewinn steigerte sich um mehr als den Faktor acht auf über 190 Millionen Euro. Mehr als 21 Prozent betrug die Eigenkapitalrendite im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Rund 50 Prozent verdienten die Aktionäre an Kurssteigerungen und Dividenden durchschnittlich in den drei Jahren bis Ende Juli 2011.

Eine zweite Ausnahmeerscheinung kommt aus der Medienbranche und ist so etwas wie ein Musterbeispiel für einen Turnaround: Der Fernsehsender ProSiebenSat.1 . Bei rund 130 Millionen Euro lag der Verlust als Thomas Ebeling im März 2009 das Kommando in der Sendezentrale in München Unterföhring übernahm. Daraus ist inzwischen ein Gewinn von knapp 430 Millionen Euro geworden. Der Kurs der Aktie explodierte innerhalb von 24 Monaten von 1,30 auf 24,80 Euro.

Beide Beispiele zeigen aber auch, brüchig die Basis dieser Erfolgsgeschichten an den Kapitalmärkten wahrgenommen wird. Die Turbulenzen der Sommermonate ließen die Kursgewinne schmelzen wie den Schnee in der Sonne. Um mehr als 50 Prozent brachen die Notierungen beider Aktien ein. Im Fall von ProSiebenSat.1 können sich die Aktionäre immerhin noch über ein Plus von über 960 Prozent seit März 2009 freuen.

Mittelmaß und Schlusslichter

Die deutsche Konzernelite kam dagegen über das Mittelmaß nicht hinaus. Rund zwei Drittel aller Dax-Unternehmen rangieren zwischen Rang 150 und 450.

Unter den 50 Unternehmen mit der schlechtesten Performance findet sich auch die Deutsche Bank  wieder. Die auf den ersten Blick beeindruckenden Renditekennziffern relativieren sich schnell, wenn die Eigenkapitalkosten in die Rechnung miteinbezogen werden. Magere drei Prozent hat der deutsche Branchenprimus danach risikobereinigt im Schnitt der vergangenen drei Jahre erwirtschaftet. Die Bilanz an der Börse sieht nicht viel besser aus. Selbst wenn man die Dividenden berücksichtigt, mussten die Anteilseigner des Geldkonzerns seit Sommer 2008 jährliche durchschnittliche Verluste von knapp 20 Prozente hinnehmen.

Am schlimmsten erwischte es zwei Unternehmen, die sich in den Boomjahren zu neuer Größe aufschwangen und sich dafür bis an die Grenze des erträglichen verschuldeten. Der Autozulieferer bezahlte den 11,4 Milliarden Euro schweren Zukauf der Siemens-Tochter VDO mit hohen Verlusten. Seit Anfang 2008 lag die Eigenkapitalrendite bei durchschnittlich -11 Prozent pro Jahr.

Den Aktionären des Bauzulieferers HeidelbergCement , der sich im Sommer 2007 den britischen Konkurrenten Hanson  für rund 14 Milliarden Euro einverleibt hatte, erging es nicht viel besser. Knapp 17 Prozent pro Jahr büßten sie durchschnittlich seit Ende Juli 2008 ein.

Schlusslicht aus deutscher Sicht war die Commerzbank  auf Rang 497. Europaweit lieferten nur der französische Technologie Alcatel Lucent  sowie die von der Finanzkrise heftig beschädigte belgische Finanzriese Fortis , der sich inzwischen als Ageas tarnt, sowie die mit Staatshilfe wieder aufgepäppelte Royal Bank of Scotland .

Die Nummer zwei unter Deutschlands Großbanken ist von beiden Phasen der Finanzkrise gleichermaßen betroffen. Den ersten Schlag bekam der von Martin Blessing geführte Konzern ab. Damals entpuppten sich die Assets der kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers  als existenzbedrohliche Verlustbringer. In Phase zwei der Finanzkrise, in der die Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien, Portugal oder Griechenland zum finanziellen Giftmüll mutieren, hängt der bereits 2005 erworbene Staatsfinanzierer Eurohypo  wie Blei an der Bilanz der Commerzbank .

Das Ergebnis schlägt sich vor allem im Kapitalmarktauftritt nieder. Durchschnittlich rund 46 Prozent pro Jahr seit Sommer 2008 büßten die Anteilseigner der Bank ein. Eine solide Erfolgsgeschichte sieht mit Sicherheit anders aus.

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