Milliardenübernahme Schutzdienst kauft Putzdienst

Der britische Sicherheitskonzern G4S übernimmt die dänische Servicefirma ISS. So entsteht ein Dienstleistungsriese mit mehr als einer Million Beschäftigten. Die beteiligten Finanzinvestoren verdienen Milliarden, blasen aber einen geplanten Börsengang ab.
Künftig Jobmillionäre: G4S-Bargelddepot in Schweden

Künftig Jobmillionäre: G4S-Bargelddepot in Schweden

Foto: PONTUS LUNDAHL/ AFP

London - Der dänische Gebäudedienstleister ISS wird für insgesamt 5,2 Milliarden Pfund (5,9 Milliarden Euro) an den britischen Sicherheitskonzern G4S verkauft. Zusammen kommen die Unternehmen auf mehr als 18 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 1,1 Millionen Mitarbeiter.

Der am Montag bekanntgegebene Verkauf zeigt, dass immer mehr Finanzinvestoren in der Krise Alternativen zur Trennung von Beteiligungen über die Börse suchen: Ein zwei Milliarden Euro schwerer Börsengang von ISS war im Frühjahr in letzter Minute wegen des sich verschlechternden Marktumfelds geplatzt. Auch der für den Herbst geplant Börsengang des Spezialchemiekonzerns H.C. Starck , der den Finanzinvestoren Carlyle und Advent gehört, liegt auf Eis.

Für G4S  ist es der größte Zukauf der Firmengeschichte. Die Briten zahlen 1,53 Milliarden Pfund für ISS und übernehmen 3,67 Milliarden Pfund Schulden. ISS gehört seit 2007 dem schwedischen Finanzinvestor EQT und der Private-Equity-Sparte von Goldman Sachs . Sie hatten damals 2,75 Milliarden Euro bezahlt.

Ein Verkauf an den Investor Apax Partners - damals für 6,2 Milliarden Euro - war Anfang des Jahres noch an den Preisvorstellungen gescheitert. Nun müssen sich Goldman und EQT mit weniger zufriedengeben. Sie bleiben mit 11 Prozent an ISS beteiligt. G4S legt für den Zukauf eine zwei Milliarden Pfund schwere Bezugsrechts-Kapitalerhöhung mit einem großen Abschlag zum aktuellen Kurs auf, die die Aktie in London am Montag um fast 20 Prozent drückte.

ISS ist mit mehr als einer halben Million Beschäftigten in 50 Ländern aktiv, darunter auch in Deutschland. Von Düsseldorf aus beschäftigt das Unternehmen hierzulande mehr als 11.000 Menschen, die mit Diensten von der Trocknung von Gebäuden bis zur Schädlingsbekämpfung 2009 einen Umsatz von 325 Millionen Euro erwirtschaften. Im Ausland betreibt ISS auch Schulküchen und stellt Wachdienste. G4S ist auf Sicherheitsdienstleistungen spezialisiert und beschäftigt in mehr als 125 Ländern 635.000 Mitarbeiter.

G4S verspricht sich von der Übernahme Kosteneinsparungen von 100 Millionen Pfund im Jahr bis 2014. Innerhalb von drei Jahren sollen sich der Gewinn je Aktie und die Rendite auf das investierte Kapital damit um mehr als 10 Prozent verbessern, wie Vorstandschef Nick Buckles sagte. "Bei den Kunden gibt es eine echte Nachfrage nach integrierten Dienstleistungen", warb er vor Investoren. "Indem wir diese beiden Firmen zusammenführen, erreichen wir auf längere Sicht geringere Kosten und einen besseren Service." Analysten von JPMorgan Cazenove warnten dagegen, dass sich das Profil von G4S als reiner Sicherheitsdienstleister - vor allem für den Staat und in Entwicklungsländern - verwässern könnte.

ak/rtr
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