Billigtarife für Großkunden Bundesnetzagentur prüft Vorwürfe gegen die Post

Konkurrenten beschuldigen die Post, Briefe von Großkunden zu billig zu transportieren und damit den Wettbewerb zu verzerren - die Post streitet die Vorwürfe ab. Jetzt ermittelt die Bundesnetzagentur.
DHL-Mitarbeiter: Gegen die Post wird wegen Billigtarifen für Großkunden ermittelt

DHL-Mitarbeiter: Gegen die Post wird wegen Billigtarifen für Großkunden ermittelt

Foto: dapd

Bonn - Die Bundesnetzagentur prüft Vorwürfe von Wettbewerbern, die Deutsche Post transportiere Briefsendungen großer Unternehmen zu billig - und behindere dadurch die Konkurrenz.

"Uns liegen Beschwerden vor, wir sind dabei, sie zu prüfen", sagte ein Sprecher der Netzagentur am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Er bestätigte damit einen Bericht der "Wirtschaftswoche". Das Magazin hatte berichtet, dass Großkunden wie ADAC, die Techniker Krankenkasse oder die Postbank  ihre Standardbriefe bei der Post zum Preis von Infopost, also der Reklame, versenden lassen könnten. Die Wettbewerber sähen sich dadurch um Chancen gebracht, ins Geschäft mit der Beförderung von Standardbriefen zu kommen.

Als Infopost deklarierte Sendungen sind deutlich günstiger als Standardbriefe. Sie können schon für 25 Cent je Brief versandt werden. Doch gelten für sie strenge Auflagen. So sind Mindestmengen von bis zu 4000 Sendungen vorgegeben und die Schriftstücke müssen grundsätzlich inhaltsgleich sein.

Postsprecher Dirk Klasen sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Infopost sei ein gängiges Produkt, und wenn die Vorgaben erfüllt seien, also gleicher Inhalt und eine Mindestmenge, könne jeder Kunde dies nutzen.

Die Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen sagte der "Wirtschaftswoche", möglicherweise seien sensible Briefe nicht vor unbefugtem Lesen geschützt, wenn sie als Infopost verschickt würden. Besonders kritisch sei dies bei EC-Karten.

Auch dazu äußerte sich Klasen laut Agentur und sagte, jede Postsendung, auch die Infopost, unterliege dem Postgeheimnis. Ob Infopost möglicherweise leichter unbemerkt zu öffnen sei als ein Standardbrief, hänge vom Einzelfall ab, sei aber nicht Sache der Post: "Der Kunde entscheidet, welches Produkt er wählt."

bos/dpa/dapd
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