Marseille Kliniken Middelhoff wird Chefaufseher

Thomas Middelhoff, einst Chef des inzwischen insolventen Handelskonzerns Arcandor, wird künftig dem Aufsichtsrat der Marseille Kliniken AG vorsitzen. Wie der Gründer des Altenheimbetreibers, ist Middelhoff derzeit in verschiedene juristische Auseinandersetzungen verwickelt.
Neuer Aufsichtsratsvorsitzender: Thomas Middelhoff

Neuer Aufsichtsratsvorsitzender: Thomas Middelhoff

Foto: REUTERS

Hamburg/Berlin - Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat den Aufsichtsratsvorsitz bei der börsennotierten Marseille Kliniken AG in Berlin übernommen. Er gehört dem Gremium seit 2009 an und übernimmt den Vorsitz von Uwe Bergheim, der weiter im Aufsichtsrat bleibe, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit.

Middelhoff ist nach der Pleite von Arcandor in verschiedene juristische Auseinandersetzungen verwickelt, darunter auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. Er leitet gegenwärtig eine Investmentfirma in London, die er mit Partnern gegründet hat.

Die Marseille Kliniken  AG des schillernden Unternehmers Ulrich Marseille ist ein großer Betreiber von Pflegeeinrichtungen und Senioren-Wohnheimen in Deutschland mit 8000 Betten und 4500 Mitarbeitern. Für die ersten neun Monate des vergangenen Geschäftsjahres, das am 30. Juni endete, weist der Konzern einen Umsatz von knapp 142 Millionen Euro und ein Ergebnis von Null aus.

Ulrich Marseille hatte jüngst sein Amt als Vorstandschef niedergelegt

Der Vorstandsvorsitzende des Altenheimbetreibers Marseille-Kliniken AG, Ulrich Marseille (55), hat nach Informationen des manager magazins bereits im Juli seinen Rücktritt verkündet. Begründet hatte Marseille den Schritt gegenüber dem Aufsichtsrat damit, dass er mehr Zeit benötige, um sich den juristischen Belangen zu widmen, mit denen er konfrontiert sei.

Das Oberlandesgericht Naumburg hatte jüngst seine Revision gegen ein Urteil des Landgerichts Halle verworfen. Marseille war 2010 wegen Bestechung einer Krankenkassengutachterin zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig, Marseille gilt als vorbestraft. Er hat Verfassungsbeschwerde angekündigt.

In einem zweiten Verfahren wartet Marseille noch auf den Ausgang der Revision. Ebenfalls das Landgericht Halle hat ihn wegen Anstiftung eines Prozesszeugen zur uneidlichen Falschaussage in Tateinheit mit versuchter Nötigung zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer Zahlung von 6 Millionen Euro an die Staatskasse verurteilt.

krk/dpa
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