Freitag, 21. Februar 2020

Pannen-Jet "Dreamliner" Airbus will aus Boeings Fehlern lernen

Premiere: Boeing fliegt den Dreamliner
AP

Nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen hat Boeing es endlich vollbracht: Der erste Dreamliner wird in Dienst gestellt. Von Tokio aus wird er für All Nippon Airways auf Langstrecken fliegen. Rivale Airbus will die Fehler der Amerikaner beim neuen A350 vermeiden.

New York/Frankfurt - Der neue "Dreamliner" sollte Boeing die Vormachtstellung am Himmel sichern, doch die Entwicklung des hypermodernen Jets verschlang immer mehr Zeit und Milliardensummen. Mit drei Jahren Verspätung wird nun die erste Maschine ausgeliefert. Trotz dick gefüllter Auftragsbücher ist es fraglich, wann Boeing mit seiner neuen 787 Gewinne einfliegt. Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat aus den Fehlern des US-Rivalen gelernt.

Zumindest eins hat Boeing aus dem Experiment mit seinem neuen Langstreckenflieger gelernt: Knausern kann ganz schön teuer werden. "Wir werden niemals wieder so große Arbeitsanteile ausgliedern wie bei der 787", versprach Verkehrsflugzeugchef Jim Albaugh im Juni öffentlich. Denn dieser Versuch kostete Boeing nicht nur Milliarden Dollar, er sorgte auch für so manches böse Wort auf Seiten der Kunden.

Eigentlich wollte Boeing mit dem Dreamliner den europäischen Rivalen Airbus auf lange Zeit überflügeln. Boeing wollte ein Flugzeug für die lange Strecke entwickeln, das nicht nur komfortabler ist, sondern auch noch 20 Prozent weniger Sprit verbraucht als vergleichbare Modelle. Dafür betrat der Konzern technisches Neuland: Er setzte für den Rumpf auf die leichte und gleichzeitig stabile Karbonfaser statt auf das erprobte Aluminium. Als Boeing dann auch noch den Großteil der Arbeiten an Zulieferer auslagerte, begann das Unheil.

Mit der Auslagerung begann das Unheil

Was Kosten einsparen sollte, erwies sich als - wie es "Die Zeit" nannte - wohl teuerster Fehler der zivilen Luftfahrtgeschichte. Die Partner waren mit dem modernen Kunststoff überfordert, lieferten Teile zu spät oder falsch. Zudem klappten die Absprachen bei diesem Megapuzzle mehr schlecht als recht. Als die Boeing-Mitarbeiter 2007 die Kisten öffneten, um aus dem Inhalt den ersten Dreamliner zu bauen, hätten sie nicht schlecht gestaunt, merkt das "Wall Street Journal" an: Statt fertig montierter Rumpfsektionen hätten dort lose Klammern und Kabel gelegen.

Boeing zog die Notbremse, holte viele Arbeiten wieder zurück in den Konzern, schaute den Zulieferern stärker auf die Finger und sicherte sich alternative Teile. Doch die verlorene Zeit konnten die Manager nicht mehr aufholen. Mehr als drei Jahre liegt der Dreamliner hinter dem Plan.

Die erste Maschine geht an die japanische All Nippon Airways. Beide Seiten unterzeichneten am Sonntag die letzten Verträge. "Jetzt, da das Flugzeug fertig zur Auslieferung ist, kann das ganze Team feiern", sagte Dreamliner-Programmchef Scott Fancher.

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