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Premiere: Boeing fliegt den Dreamliner

Foto: John Froschauer/ AP

Pannen-Jet "Dreamliner" Airbus will aus Boeings Fehlern lernen

Nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen hat Boeing es endlich vollbracht: Der erste Dreamliner wird in Dienst gestellt. Von Tokio aus wird er für All Nippon Airways auf Langstrecken fliegen. Rivale Airbus will die Fehler der Amerikaner beim neuen A350 vermeiden.

New York/Frankfurt - Der neue "Dreamliner" sollte Boeing die Vormachtstellung am Himmel sichern, doch die Entwicklung des hypermodernen Jets verschlang immer mehr Zeit und Milliardensummen. Mit drei Jahren Verspätung wird nun die erste Maschine ausgeliefert. Trotz dick gefüllter Auftragsbücher ist es fraglich, wann Boeing mit seiner neuen 787 Gewinne einfliegt. Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat aus den Fehlern des US-Rivalen gelernt.

Zumindest eins hat Boeing aus dem Experiment mit seinem neuen Langstreckenflieger gelernt: Knausern kann ganz schön teuer werden. "Wir werden niemals wieder so große Arbeitsanteile ausgliedern wie bei der 787", versprach Verkehrsflugzeugchef Jim Albaugh im Juni öffentlich. Denn dieser Versuch kostete Boeing nicht nur Milliarden Dollar, er sorgte auch für so manches böse Wort auf Seiten der Kunden.

Eigentlich wollte Boeing mit dem Dreamliner den europäischen Rivalen Airbus auf lange Zeit überflügeln. Boeing wollte ein Flugzeug für die lange Strecke entwickeln, das nicht nur komfortabler ist, sondern auch noch 20 Prozent weniger Sprit verbraucht als vergleichbare Modelle. Dafür betrat der Konzern technisches Neuland: Er setzte für den Rumpf auf die leichte und gleichzeitig stabile Karbonfaser statt auf das erprobte Aluminium. Als Boeing dann auch noch den Großteil der Arbeiten an Zulieferer auslagerte, begann das Unheil.

Mit der Auslagerung begann das Unheil

Was Kosten einsparen sollte, erwies sich als - wie es "Die Zeit" nannte - wohl teuerster Fehler der zivilen Luftfahrtgeschichte. Die Partner waren mit dem modernen Kunststoff überfordert, lieferten Teile zu spät oder falsch. Zudem klappten die Absprachen bei diesem Megapuzzle mehr schlecht als recht. Als die Boeing-Mitarbeiter 2007 die Kisten öffneten, um aus dem Inhalt den ersten Dreamliner zu bauen, hätten sie nicht schlecht gestaunt, merkt das "Wall Street Journal" an: Statt fertig montierter Rumpfsektionen hätten dort lose Klammern und Kabel gelegen.

Boeing zog die Notbremse, holte viele Arbeiten wieder zurück in den Konzern, schaute den Zulieferern stärker auf die Finger und sicherte sich alternative Teile. Doch die verlorene Zeit konnten die Manager nicht mehr aufholen. Mehr als drei Jahre liegt der Dreamliner hinter dem Plan.

Die erste Maschine geht an die japanische All Nippon Airways. Beide Seiten unterzeichneten am Sonntag die letzten Verträge. "Jetzt, da das Flugzeug fertig zur Auslieferung ist, kann das ganze Team feiern", sagte Dreamliner-Programmchef Scott Fancher.

Airbus setzt beim A350 auf "ungestörte Produktion"

Konkurrent Airbus hat die Pannenserie der Amerikaner gespannt verfolgt - und daraus gelernt. So behält der Hersteller die Zügel bei seinem deutschen Zulieferer Premium Aerotec in der Hand, den er eigentlich verkaufen wollte. Doch in dessen Augsburger Werk entstehen seit einigen Monaten die ersten Karbonfaser-Rumpfteile für den A350, das Dreamliner-Gegenstück der Europäer. Die ungestörte Produktion habe Priorität, erklärte der Chef des Mutterkonzerns EADS , Louis Gallois.

Airbus weiß selbst, was es heißt, hinter dem Zeitplan herzuhinken. Nicht nur, dass der erste Entwurf für den A350 bei den Kunden durchfiel. Der doppelstöckige A380 und der Militärtransporter A400M bereiteten den Europäern ebenso Kopfzerbrechen, weil sich die Technik auch bei diesen modernen Jets nur mühsam in den Griff kriegen ließ.

Im Falle des Dreamliner kam aber erschwerend noch dessen durchschlagender Erfolg hinzu, so widersinnig das klingen mag. Denn Boeing  musste die wartenden Fluggesellschaften entschädigen.

Bis zu den ersten Problemen galt der Dreamliner als Verkaufsschlager

Bis die ersten Probleme auftraten, galt der Flieger mit seinen 210 bis 290 Sitzplätzen als Verkaufsschlager. Die Airlines rissen sich in Zeiten steigender Kerosinpreise um das leichte Modell. Binnen kürzester Zeit trudelten fast 1000 Bestellungen ein. Übrig geblieben sind 821, darunter 15 von Air Berlin . Neue Aufträge kommen fast gar nicht mehr rein. Kein Wunder: Wer heute eine 787 bestellt, erhält sein Exemplar erst Ende des Jahrzehnts.

Momentan rollen zwei Maschinen im Monat aus der Produktionshalle, es sollen einmal zehn werden. Die Steigerung bedeutet einen enormen Kraftakt für Boeing. Denn parallel muss der US-Konzern auch noch wie versprochen seinen kleineren Kurz- und Mittelstreckenflieger 737 modernisieren. In dieser Klasse räumt gerade Airbus mit seinem aufgefrischten A320neo eine Bestellung nach der anderen ab.

In der größeren Klasse des Dreamliner ist Boeing dem Rivalen Airbus immer noch einen Schritt voraus, wenngleich der Vorsprung durch die Pannenserie mächtig geschrumpft ist. Die Grundversion des A350 soll ab Ende 2013 an die Kunden ausgeliefert werden. Solche Zeitpläne sind aber auch bei den Europäern mit Vorsicht zu genießen.

krk/dpa

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