Freitag, 28. Februar 2020

Google "Larry will Google schneller machen"

Weniger, aber größere Wetten: Google-CEO Larry Page kennt sich mit dem Innenleben von Google bestens aus

Der neue Google-CEO Larry Page will dem Internetkonzern wieder die Wendigkeit eines Start-ups einhauchen. Google-Vorstand Nikesh Arora spricht im Interview mit manager magazin Online darüber, wie sein Chef dieses Managementmeisterstück umsetzen will - und wie Page als Mensch tickt.

mm: Larry Page ist seit Anfang April wieder CEO bei Google. Er hat, wie wir im aktuellen Heft ausführlich beschreiben, dort eine Revolution angezettelt. Was hat sich seit seiner Rückkehr verändert in der Firmenzentrale in Mountain View?

Arora: Larry ist der Gründer unseres Unternehmens und kennt sich mit dem Innenleben von Google Börsen-Chart zeigen so gut aus wie kaum ein anderer. Es machen sich also keine riesigen Unterschiede bemerkbar, es sind eher die subtilen Veränderungen, die zählen. Wir schießen zum Beispiel jetzt mehr Pfeile ab, die öfter ins Schwarze treffen. Und wir gehen weniger, aber größere Wetten ein. Das beweist unser Kaufangebot für Motorola Mobility. Letztlich fokussieren wir uns stärker auf unsere Hauptprodukte - Larry Page will Google einfach schneller machen.

mm: Gerade mit dem geplanten Kauf der Handysparte von Motorola Börsen-Chart zeigen handeln Sie sich eine vergleichsweise schwerfällige Tochter ein - die obendrein noch Verluste schreibt. Werden Sie das Geschäft weiterreichen und nur die wertvollen Motorola-Patente behalten? Vor allem die brauchen Sie ja für Ihr Betriebssystem Android.

Arora: Es ist noch zu früh, um auf diese Frage eine definitive Antwort zu geben. Wir hielten es vor allem für notwendig, unserem Android-Netzwerk noch einmal so richtig Schub zu verpassen. Der Erfolg von Android beruht ja auf einem komplexen Ökosystem: Dem funktionierenden Zusammenspiel von Google als Android-Mitentwickler, den Handy- und Tablet-Herstellern, die Android als Betriebssystem einsetzen, und den unzähligen Programmierern, die auf eigene Faust Anwendungen für Android schreiben, die sogenannten Apps. Mit der Übernahme von Motorola Mobility stellen wir sicher, dass das Android-Ökosystem weiter blühen und gedeihen kann. Zugleich ist Motorola-Chef Sanjay Jah selbst auch eine große Wette eingegangen, als er entschied, mit seinem Unternehmen komplett auf Android umzusatteln. Für uns ist nun eine gute Gelegenheit gekommen, Motorola zu unterstützen, auch was Visionen für künftige Geräte betrifft.

mm: Visionen für Geräte? Das klingt nun wiederum so, als ob Google sich mithilfe von Motorola selbst zu einem integrierten Hard- und Softwarekonzern verwandeln möchte, der von der App bis zum Smartphone alles aus einer Hand und voll aufeinander abgestimmt verkauft. Apple Börsen-Chart zeigen ist immerhin mit dieser Strategie zum wertvollsten Konzern der Welt aufgestiegen.

Arora: Wie gesagt, es ist zu früh, hier eine endgültige Aussage zu treffen. Fest steht aber: Android ist und bleibt ein offenes Betriebssystem. Wir werden auch in Zukunft eng mit all unseren Partnern zusammenarbeiten. Daran gibt es keinen Zweifel.

mm: Android ist inzwischen das meistgenutzte Betriebssystem für Smartphones. Nun will Google mit einer auf Tablet-Rechner abgestimmten Android-Version auch noch diesen neuen Markt erobern. Gleichzeitig entwickelt Google mit Chrome ein weiteres Betriebssystem. Welchen Sinn hat diese Doppelarbeit?

Arora: Chrome ist ja nicht nur als Betriebssystem erfolgreich, sondern auch als Browser. Mehr als 160 Millionen Menschen nutzen den Chrome-Browser. Zwei erfolgreiche Systeme sind besser als eines. Ganz am Anfang hat außerhalb des Googleplex niemand daran geglaubt, dass entweder Chrome oder Android überhaupt jemals ein Erfolg werden würden.

mm: Erzählen Sie uns zum Schluss noch Ihre schönste Anekdote über Larry Page als Mensch und Manager?

Arora: Als ich vor ein paar Jahren für Google in Paris tätig war, rief eines Freitagnachmittags Larry Page unangekündigt im Büro an. "Hey Leute, macht es euch was aus, wenn ich vorbeischaue?", fragte er. "Es ist zwar Freitagnachmittag, aber du bist der Boss, du kannst kommen, wann immer du willst", antworteten wir ihm. Dann fragten wir ihn, ob wir ihm einen Wagen ins Hotel vorbeischicken sollten oder ihn sonst wie abholen lassen könnten. Larry sagte Nein. Er wollte nur die genaue Adresse wissen und sich selbst mit Handy und Google Maps durch Paris navigieren. Nur 15 Minuten später stand er bei uns im Büro - in Shorts und Crocs.

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