Mittwoch, 26. Februar 2020

Social Network Facebook plant umwälzende Neuerungen

Facebook-Gründer Zuckerberg in San Francisco: Mehr Multimedia und ein riesiges Lebensarchiv geplant

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat einen starken Ausbau der Funktionen auf seiner Plattform angekündigt. Geplant ist eine stärkere Einbindung von Multimediadiensten sowie eine umfassende Archivfunktion für jeden Nutzer. Die Kritik von Datenschützern lässt nicht lange auf sich warten.

San Francisco - Ob beim Kochen oder Joggen, Musik hören und Filme gucken: Facebook will sich noch tiefer im Leben seiner 750 Millionen Mitglieder verankern. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte am Donnerstag auf einer Entwicklerkonferenz etliche neue Funktionen an, mit denen Nutzer mehr aus ihrem Alltag preisgeben können. Musik, Filme und Nachrichten spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit den wohl größten Änderungen in seiner Geschichte beschwor das Unternehmen aus San Francisco allerdings sogleich Datenschutzbedenken herauf.

Wichtiger Bestandteil der vielen Neuerungen ist die Möglichkeit, Medieninhalte zu empfehlen. Neue Anwendungen von Mediendiensten können künftig den "Freunden" der Facebook-User zeigen, welche Musik die Anwender gerade hören, welche Filme sie schauen oder welche Artikel sie lesen. Dafür richtet das Unternehmen ein neues Tickerfenster ein, in dem Meldungen in Echtzeit einlaufen.

Dutzende Musikdienste, Online-Videotheken und Websites von Medienunternehmen kooperieren mit Facebook, darunter bekannte Namen wie Spotify, Netflix und Zeitungen wie die "Washington Post", das "Wall Street Journal" oder der britische "Guardian". Das weltgrößte Onlinenetzwerk entwickelt sich damit zu einer gigantischen Medienplattform.

Zudem will Facebook seine Nutzer mit überarbeiteten Profilen enger an sich binden. Mitglieder können auf einer Zeitleiste (Timeline) alle wichtige Dinge aus ihrem Leben in einem Magazin-artigen Layout zeigen. Das können Fotos sein oder die Orte, an denen sie sich oft aufhalten. Auch Kochbücher und Joggingtagebücher, die externe Firmen auf Facebook anbieten, lassen sich integrieren. "So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite", sagte Zuckerberg. Eingeführt werden soll sie in den nächsten Wochen.

Facebook will sich noch tiefer im Leben der Nutzer verankern

Facebook versprach, dass Nutzer die Kontrolle darüber behalten, was ihr Netzwerk über sie erfährt. Viele Beobachter äußerten dennoch Datenschutzbedenken, in ersten Reaktionen von Twitter-Nutzern war vom "Ende der Privatsphäre" die Rede.

Ob diese Kritik berechtigt sei, hänge stark von der Umsetzung der neuen Funktionen ab, sagte der Gartner-Analyst Michael Gartenberg der Nachrichtenagentur dpa. "Es ist noch zu früh, um das zu bewerten. Facebook hat mittlerweile gelernt, dass sie in diesem Bereich vorsichtig sein müssen." Entscheidend sei die Frage, ob das Unternehmen die Informationen standardmäßig veröffentliche oder die Nutzer erst zustimmen müssten.

Mit den angekündigten Neuerungen wolle sich Facebook noch tiefer im Leben der Nutzer verankern - etwa indem sie über ihre Freunde neue Inhalte entdecken, sagte Gartenberg. "Die Idee dahinter ist, dass die Nutzer mehr und mehr Zeit auf Facebook verbringen und dessen Dienste nutzen." Der amerikanische Journalismus-Dozent und Blogger Jeff Jarvis schrieb, Facebook erhöhe die Hürden, sich von der Plattform abzumelden: "Man verliert sein Leben."

Mit den Änderungen facht das Unternehmen die Konkurrenz zu Google+ weiter an - dessen Betreiber Google hatte seinen Gegenentwurf zu Facebook jüngst für alle Nutzer geöffnet und mehrere technische Neuerungen angekündigt.

Facebook stellt derzeit im Wochentakt Neuerungen vor. So hilft das Unternehmen seinen Mitgliedern seit kurzem, den Empfängerkreis von Informationen einzuschränken. Dafür erstellt die Software anhand der Profilinformationen automatisch Listen, etwa mit Kollegen, Verwandten oder Mitschülern. Nutzer können zudem öffentliche Einträge anderer Mitglieder abonnieren, ohne deren Facebook-Freund zu sein. Google+ bietet ähnliche Funktionen an.

Erst diese Woche hat Facebook Änderungen am zentralen Element seiner Website vorgenommen, dem Live Stream, in dem Nutzer alle Neuigkeiten aus ihrem Netzwerk sehen. Dies solle sicherstellen, dass dort auftauche, was man sehen wolle, erklärte Facebook.

Facebook hat schätzungsweise 800 Millionen Anwender weltweit, die nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Comscore derzeit zusammen rund 70 Milliarden Minuten im Monat auf Facebook verbringen.

cr/dpa

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