Montag, 20. Januar 2020

Schuldenkrise Siemens deponiert halbe Milliarde Euro bei der EZB

Siemens: Konzern gründete 2010 eine eigene Bank

Der Industriekonzern Siemens scheint kein großes Vertrauen mehr in den französischen Finanzsektor zu haben. Einem Bericht zufolge zog das Unternehmen jetzt 500 Millionen Euro von einer französischen Großbank ab, um sie bei der EZB in Sicherheit zu bringen. 

London - Siemens geht offenbar auf Nummer sicher: Der Konzern hat nach Angaben eines Insiders mehr als 500 Millionen Euro Guthaben von der französischen Großbank Société Générale Börsen-Chart zeigen zur Europäischen Zentralbank (EZB) transferiert. Im Juli, vor der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse, seien Einlagen verschoben worden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters in Paris. Ziel sei es gewesen, für das Geld einen sicheren Hafen zu finden.

Mit dem Schritt beweist Siemens Börsen-Chart zeigen erneut seine extreme Vorsicht im Umgang mit der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr hat der Konzern seine eigene Bank gegründet - als Reaktion auf die Finanzkrise. Der Schritt war ungewöhnlich für ein Unternehmen außerhalb der Autobranche, wo die Hersteller eigene Kreditinstitute für Finanzierungs- und Leasinggeschäfte nutzen. Siemens betreut mit seiner Bank keine Kunden, sondern nutzt sie nur für die eigenen Anlagen.

Der Konzern gehört damit auch zu den wenigen Unternehmen, die Geld direkt bei der EZB anlegen können. Insgesamt ist es nun eine Summe zwischen vier und sechs Milliarden Euro, die Siemens bei der Zentralbank parkt - größtenteils in Form von Einlagen, die über eine Woche laufen. Ein Grund für den Schritt, eine halbe Milliarde von der französischen Bank abzuziehen, ist laut "Financial Times" die Sorge um den Zustand des Instituts. Wegen der Schuldenprobleme Griechenlands und weiterer Euro-Länder könnten europäische Banken in Schieflage geraten. Das wäre der Fall, wenn die Staaten ihre Schulden nicht zurückzahlen können und die Banken den Wert der Staatsanleihen abschreiben müssen.

Doch offenbar sind die Bedenken wegen der Schuldenkrise nur ein Auslöser. Wie die Zeitung berichtet, bekommt Siemens bei der EZB höhere Zinsen für seine Anlagen als es bei privaten Banken möglich ist. Der Vorgang soll bereits vor zwei Wochen stattgefunden haben. Um welches französische Geldhaus es sich handelt, sei unklar. Eine mit der Großbank BNP Paribas vertraute Person wird mit den Worten zitiert, diese sei es nicht gewesen. Siemens hat den Bericht bislang nicht kommentiert.

Auch aus China kommen schlechte Nachrichten für das europäische Bankensystem: Eine große chinesische Staatsbank hat Insidern zufolge Devisengeschäfte mit mehreren europäischen Geldhäusern gestoppt. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten am Dienstag, es handele sich unter anderem um die französischen Banken Société Générale, Crédit Agricole Börsen-Chart zeigen und BNP Paribas Börsen-Chart zeigen. Auch die Schweizer Großbank UBS Börsen-Chart zeigen sei betroffen - wegen des Handelsskandals, bei dem ein einzelner Mitarbeiter 2,3 Milliarden Dollar verzockte.

cte/cr/rtr

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