Privatisierungen Portugal setzt auf deutsche Konzerne

Eon und Lufthansa sollen dem portugiesischen Staat seine Milliardenschätze abkaufen. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho bringt die Deutschen als Käufer für den Versorger EDP und die Fluglinie Tap ins Spiel. Portugal will so 5,5 Milliarden Euro zum Schuldenabbau erlösen.
Berlin-Besuch als Verkaufsshow: Der neue Ministerpräsident Pedro Passos Coelho

Berlin-Besuch als Verkaufsshow: Der neue Ministerpräsident Pedro Passos Coelho

Foto: ? Sebastien Pirlet / Reuters/ REUTERS

Lissabon/Düsseldorf - Der Energiekonzern Eon ist nach Berichten aus Portugal an einem Einstieg beim portugiesischen Stromkonzern EDP interessiert. Das erklärte der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho der staatlichen Nachrichtenagentur Lusa am Rande eines Besuchs in Berlin. Der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen habe ihm bei einem Treffen am Donnerstag persönlich vom Interesse berichtet, sagte er. Eon wollte das nicht kommentieren, nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters prüft der Konzern das aber tatsächlich.

Der Staat hält in Portugal noch 20,9 Prozent am Kapital von EDP , die Lissabon bis Ende nächsten Jahres in private Hände übergeben will. Vor Eon  bekundeten auch China und Brasilien Interesse. Energias de Portugal ist einer der größten Energieversorger Europas. Im Ausland ist er unter anderem auch in Spanien, USA, Frankreich, Belgien, Polen, Rumänien und Brasilien präsent. Mit rund 12.000 Mitarbeitern machte der Konzern im vergangenen einen Umsatz von 14,17 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 1,234 Milliarden Euro. Ihren Strom in Portugal erzeugt EDP zu knapp der Hälfte aus Wasserkraft. Die ebenfalls börsennotierte Tochtergesellschaft EDP Renovaveis  zählt zu den weltgrößten Erzeugern von Windkraft.

Eon steht aufgrund der Energiewende in Deutschland vor einem massiven Umbau. Dazu zählt auch, dass weltweit bis zu 11.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Das ist bei rund 80.000 Mitarbeitern fast jeder siebte Arbeitsplatz. Im Fokus der Personaleinsparungen soll der Verwaltungsbereich stehen, hatte Eon angekündigt.

Als Gegenleistung für das 78 Milliarden schwere Hilfspaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Portugal dieses Jahr das Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2010) auf 5,9 Prozent senken. Dazu will man auch das Privatisierungsprogramm beschleunigen.

Lissabon wirbt mit Brasilien- und Afrika-Verbindungen für Airline Tap

Neben der EDP sollen nach Absprache mit den internationalen Geldgebern unter anderen Firmen auch die Airline Tap sowie der Betreiber des portugiesischen Stromverteilernetzes Ren  völlig in private Hände übergeben werden. Davon erhofft man sich in Lissabon in den nächsten rund eineinhalb Jahren zusätzliche Einnahmen von mindestens fünf Milliarden Euro.

Die Lufthansa  sollte sich nach Ansicht von Passos Coelho Tap genauer anschauen. "Ich könnte mir vorstellen, dass Lufthansa aufmerksam unser Privatisierungsprogramm verfolgt, in dem auch Tap privatisiert wird", sagte Coelho in einem Interview mit dem "Handelsblatt" am Freitag. Das wäre eine gute Investition. Lufthansa könnte zusammen mit Tap in die Märkte in Südamerika und Afrika vordringen. Eine Lufthansa-Sprecherin wollte das nicht kommentieren.

Ein Einstieg der größten Fluggesellschaft Deutschlands bei Tap wäre eine Überraschung. Anfang der Woche hatte Lufthansa-Chef Christoph Franz gesagt, dass sein Unternehmen derzeit aus eigener Kraft wachsen wolle. Tap ist für andere Airlines vor allem wegen ihrer zahlreichen Verbindung nach Brasilien interessant. Die Nachfrage nach Flügen in das boomende Schwellenland ist groß. Die aus der Fusion von British Airways und der spanischen Iberia entstandene Fluggesellschaft IAG  hatte bereits Interesse signalisiert - ebenso die mit der Lufthansa verbündete brasilianische TAM .

In dem "Handelsblatt"-Interview erteilte Passos Coelho zugleich gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder eine Absage, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Für die Einführung von Euro-Bonds bedürfe es einer tiefgreifenden Reform Europas bis hin zum Aufbau eines gemeinsamen EU-Finanzministeriums, sagte Coelho. Dies wäre eine politische Revolution. "Deswegen bin ich der Meinung, dass Euro-Bonds überhaupt keine Lösung für die Probleme sein können, vor denen wir heute stehen", sagte Coelho dem Blatt. Die Regierungen Italiens und Griechenlands machen sich dagegen für diese Lösung stark.

ak/dpa-afx/rtr/dapd
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