Sonntag, 26. Mai 2019

Banken machen Druck HCI-Fonds muss Tanker notverkaufen

Schiffbruch: Die Anleger des HCI-Fonds Shipping Select 28 haben kaum Freude an ihrer Beteiligung

Schlechte Nachrichten für Anleger des Schiffsfonds Shipping Select 28 von HCI Capital: Finanzierende Banken drängen auf den Verkauf des Fondsschiffes "Hellespont Trust". Für die Investoren bedeutet das wohl den Verlust von 34 Prozent ihrer Einlage.

Hamburg - Die Wirtschaftskrise ist für einen Großteil der Schifffahrtsbranche offenbar noch längst nicht ausgestanden. Das müssen derzeit die Anleger des Schiffsfonds HCI Shipping Select 28 vom Emissionshaus HCI Capital Börsen-Chart zeigen auf schmerzliche Weise erfahren.

Der Fonds mit einem Gesamtvolumen von knapp 200 Millionen Euro, der 2008 aufgelegt wurde und in sechs Schiffe unterschiedlichen Typs investiert hat, befindet sich bereits seit längerem in schwerem Fahrwasser. Jetzt erhielten die Anleger besonders unangenehme Post: Die Fondsverantwortlichen fordern sie dazu auf, dem Notverkauf des Tankers "Hellespont Trust" und damit dem vollständigen Verlust von 34 Prozent ihrer Einlage zuzustimmen. Der Grund ist dem Schreiben zufolge massiver Druck der finanzierenden Banken, die offenbar nicht bereit sind, auf ausstehende Zins- und Tilgungsleistungen weiter zu verzichten.

Der Tanker erwirtschaftet die laufenden Kreditkosten nur noch zum Teil, "je nach Höhe der monatlichen Abrechnung", so das Schreiben, das dem manager magazin vorliegt. Ein Grund ist offenbar, dass der Tankermarkt eine Krise durchmacht und die Charterraten erheblich gesunken sind. Dadurch sei der Wert des Schiffes nach Einschätzung der Fondsgeschäftsführung auf derzeit 20 Millionen Dollar gesunken. Erworben worden war das Schiff vor drei Jahren für rund 85 Millionen Dollar.

Das Problem: Das Darlehen, das auf dem Schiff noch lastet, valutiert derzeit laut Anlegerschreiben auf 60 Millionen Dollar, was zu einem so genannten Loan-To-Value-Verhältnis (L-T-V) von 300 Prozent führt. Üblich sind in dem Geschäft L-T-V-Relationen von 60 bis 70 Prozent.

Eine Belastung dürften zudem der Starke Yen und Schweizer Franken derzeit sein. Denn der "Hellespont Trust" wurde mit Krediten finanziert, die zu 50 Prozent auf US-Dollar, zu 25 Prozent auf Yen und zu 25 Prozent auf Schweizer Franken lauten. "Das Debakel beim HCI Shipping Select 28 zieht sich schon länger hin", sagt Anlegeranwalt Peter Hahn aus Hamburg. "Ohne die Fremdwährungskredite wäre die Situation wohl ebenfalls schlecht, aber vielleicht nicht so dramatisch."

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung