Mediengruppe WAZ bestätigt Verkaufspläne

Die Brost-Holding will ihren 50 Prozent-Anteil an der WAZ-Gruppe an Petra Grotkamp verkaufen. Man sei sich im Prinzip einig, bestätigte ein Sprecher der Holding einen exklusiven Vorabbericht von manager magazin.
WAZ-Mediengruppe in Essen: Petra Grotkamp wird hier bald Regie führen. Offenbar fehlt nur noch die Zustimmung des Testamentvollstreckers der Gründerfamilie Brost.

WAZ-Mediengruppe in Essen: Petra Grotkamp wird hier bald Regie führen. Offenbar fehlt nur noch die Zustimmung des Testamentvollstreckers der Gründerfamilie Brost.

Foto: DPA

Essen/Düsseldorf - Die WAZ-Mediengruppe, eines der größten Zeitungshäuser Europas, könnte bald komplett im Besitz einer der beiden Gründerfamilien sein. Die Nachfahren des WAZ-Mitgründers Erich Brost wollen ihren 50-Prozent-Anteil an die Familie des zweiten Mitgründers Jakob Funke verkaufen.

Beide Seiten seien sich im Grunde einig, bestätigte Hajo Riesenbeck, Geschäftsführer der Brost-Holding, am Dienstag in Düsseldorf einen entsprechenden Bericht von manager magazin. "Die Brost-Seite will verkaufen."

Namentlich hat Petra Grotkamp, eine der drei Funke-Töchter, ein Angebot zur Übernahme gemacht, wie ihr Anwalt Andreas Urban mitteilte. WAZ-Kreise bestätigten die Angebotssumme von rund 500 Millionen Euro, die manager magazin am Montag genannt hatte.

WAZ-Manager Bodo Hombach, von der Brost-Seite als Konzernmanager eingesetzt, äußerte sich moderat. "Die Eigentümer der WAZ-Mediengruppe haben den Erfolgsweg des Unternehmens stets mit großer Umsicht begleitet. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich daran auch unter veränderten Strukturen, wie sie augenblicklich diskutiert werden, nichts ändern wird."

Hombach wird beim Zustandekommen des Vertrages voraussichtlich aus dem Unternehmen ausscheiden. Nach dpa-Informationen verhandelt er bereits über einen Auflösungsvertrag.

Testamentvollstrecker muss noch zustimmen

Der Verkauf der Anteile steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass der Brost-Testamentsvollstrecker Peter Heinemann zustimmt. Heinemann will das Angebot nach eigenen Worten "gründlich prüfen und die testamentarische Verfügung des Erblassers und die Interessen der Enkel abwägen". Der Anwalt hat dazu einen Experten hinzugezogen.

Die WAZ-Gruppe gehört zu gleichen Teilen den Nachfahren der Gründer Brost und Funke - gebündelt in der Brost-Holding auf der einen und der FFG Funke Familiengesellschaft auf der anderen Seite. Petra Grotkamp selbst soll 16,7 Prozent der Anteile halten - also ein Drittel der Funke-Anteile. Sie ist mit dem langjährigen WAZ-Verlagschef Günther Grotkamp verheiratet.

Unter dem Dach der WAZ-Gruppe erscheinen unter anderem 27 Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 2,5 Millionen Exemplaren. Die Gruppe beschäftigt rund 15 000 Mitarbeiter und hat zuletzt rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt und schwarze Zahlen geschrieben. Im Inland erreicht die Gruppe im Kerngeschäft nach einer Durststrecke inzwischen wieder deutlich zweistellige Renditen. Außerhalb Deutschlands ist sie in Österreich, Albanien, Kroatien, Mazedonien, Russland, Serbien und Ungarn aktiv.

Zuletzt hatte es wiederholt Berichte über Differenzen zwischen den WAZ-Gesellschaftern gegeben, insbesondere zwischen Mitgliedern der Funke-Seite. Grotkamp will nun nach eigenen Angaben mit ihrem Angebot klare Gesellschafterstrukturen schaffen. Sie wolle sicherstellen, dass die WAZ-Gruppe "auch künftig als Familienunternehmen Erfolg haben kann", hieß es in der Mitteilung ihres Anwalts. Ihr Angebot solle ein klares Signal an Leser und Mitarbeiter sein, "dass die Zukunft der Gruppe langfristig gesichert ist".

ms/dpa
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