Wirbelsturm "Irene" New York kommt glimpflich davon

Wegen des Wirbelsturms "Irene" haben deutsche Fluggesellschaften auch am Sonntag zahlreiche Flüge in die USA gestrichen. "Irene" wurde am Nachmittag zum Tropensturm herabgestuft. Das Unwetter hat an der Ostküste der USA gleichwohl mindestens zehn Menschenleben gekostet.
Vor allem viel Wasser: Die Millionenmetropole New York ist dem Wirbelsturm offenbar glimpflich entkommen. Andernorts an der Ostküste soll der Sturm "Irene" hingegen teils schwere Schäden angerichtet haben

Vor allem viel Wasser: Die Millionenmetropole New York ist dem Wirbelsturm offenbar glimpflich entkommen. Andernorts an der Ostküste soll der Sturm "Irene" hingegen teils schwere Schäden angerichtet haben

Foto: AFP

Berlin - Die Lufthansa  sagte insgesamt elf Flüge ab: alle Verbindungen nach New York sowie nach Philadelphia und Boston. Derzeit gehe man davon aus, dass die Ziele am Montag wieder angeflogen werden könnten, sagte ein Sprecher von Deutschlands größter Airline. Möglicherweise könne es aber zu Verspätungen kommen. Er wies darauf hin, dass die Lufthansa alle anderen Ziele in den USA - etwa Washington D.C. - nach wie vor anfliegt. Am Samstag hatte die Airline bereits sieben Flüge nach New York abgesagt.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin strich am Sonntag ebenfalls ihre beiden Flüge nach New York, am Vortag war es einer gewesen. Auch Air Berlin erwartet, dass der Flugbetrieb am Montag normal fortgesetzt werden kann. Für beide Fluggesellschaften gilt: Passagiere, deren Flug gestrichen wurde, können kostenfrei auf spätere Flüge umbuchen oder kostenlos stornieren.

Am Frankfurter Flughafen wurden am Sonntag nach Angaben eines Sprechers sieben Ankünfte und zwölf Starts von Passagier- und Frachtflugzeugen nach New York und nach Newark im benachbarten Bundesstaat New Jersey sowie nach Philadelphia und Boston abgesagt.

New York glich einer Geisterstadt

Der Wirbelsturm hatte am Wochenende weite Teile der US-Ostküste mit starken Böen und Überschwemmungen heimgesucht, tausende Flüge fielen aus. New York glich am Sonntag einer Geisterstadt. Keine U-Bahn, kein Schiff fuhr mehr, alle drei Flughäfen waren geschlossen, die meisten Geschäfte ebenso, viele Straßen menschenleer, etliche überflutet. Dennoch konnten die Menschen in der Millionenmetropole am Vormittag (Ortszeit) leicht aufatmen: Die befürchtete Katastrophe blieb zunächst aus. Die Behörden hatten die Situation unter Kontrolle. Am Sonntagnachmittag (15 Uhr MEZ) wurde "Irene" vom Hurrikan zum Tropensturm herabgestuft. New York klarte eine Stunde später bereits wieder auf.

Mindestens zehn Menschen fielen Sturm zum Opfer

Die Zahl der Todesopfer durch den Sturm an der Ostküste war in der Nacht zu Sonntag auf zehn gestiegen. Die meisten Opfer wurden von entwurzelten Bäumen, herabfallenden Ästen oder herumfliegenden Trümmerteilen erschlagen. Allein fünf Sturmopfer habe es in North Carolina gegeben, drei weitere in Virginia, meldete der US-Sender CNN.

CNN meldete in Manhattan sowohl am East River als auch am Hudson an der Westseite der Insel Überschwemmungen. Der East River trat über die Ufer und reichte bis an den Franklin-D.-Roosevelt-Drive. Die Stadtautobahn an der East Side war aber ohnehin geschlossen. An der Westseite kam das Wasser bis ins West Village und überschwemmte die Zehnte Avenue. Ganz im Süden wurde der bei Touristen beliebte Battery Park überschwemmt. Von dem Punkt aus genießen sonst Tausende New-York-Besucher den Blick auf die Freiheitsstatue. Die im Fernsehen gezeigten Bilder der Überschwemmungen wirkten dramatisch, größere Schäden wurden aber zunächst nicht gemeldet.

Die Meldungen der Meteorologen ließen die New Yorker weiter hoffen: "Der Sturm wird schwächer, und wir könnten noch einmal Glück haben", hieß es von den Wetterexperten des Senders CBS.

Als das Zentrum des Sturms am Sonntag um 9 Ortszeit (15 Uhr MESZ) New York erreichte, war der Sturm auch kein Hurrikan mehr. Das Nationalen Hurrikanzentrum stufte "Irene" wegen schwächerer Winde zu einem Tropensturm herab. Der Wind sei aber nach wie vor stark, es regne noch immer und der Sturm drücke weiter Wasser an die Küste.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte die Bewohner der Stadt am späten Samstagabend eindringlich gewarnt, zu Hause zu bleiben. "Die Zeit für Evakuierungen ist vorbei. Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie, sich so gut wie möglich zu schützen", sagte er.

Insgesamt drei Millionen Menschen zeitweilig ohne Strom

Schon Stunden bevor das Zentrum des Sturms New York erreichte, hatte es in der Millionenmetropole erste Stromausfälle gegeben. In der Stadt und im nahen County Westchester waren am Sonntagmorgen 72.000 Kunden ohne Elektrizität, wie der Stromversorger Con Edison mitteilte. "Kunde" bedeutet aber nicht Verbraucher oder Haushalt. Oft gilt ein Wohnhaus mit Hunderten Appartements als ein Kunde, betroffen sind dann aber Tausende.

Auf Long Island, der Insel vor New York, waren 225.000 Kunden ohne Strom. Insgesamt waren in den ersten 24 Stunden nach dem Eintreffen von "Irene" in den USA mehr als drei Millionen Menschen von der Elektrizität abgeschnitten, die meisten davon in Virginia, North Carolina und dem Gebiet um die Hauptstadt Washington.

rei/afp/reuters