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"Progress M-12M": Absturz mit weitreichenden Folgen

Foto: STR/ AFP

Russland Sojus-Starts nach Panne ausgesetzt

Nach dem Absturz eines unbemannten russischen Raumtransporters auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS haben die Behörden weitere Starts von Sojus-Raketen vorübergehend ausgesetzt. Neue Starts solle es erst geben, wenn die Ursachen des Unfalls geklärt seien.

Moskau - Nach dem ersten Fehlstart einer Sojus-Trägerrakete seit mehr als 30 Jahren und dem Absturz eines Versorgungsraumschiffs hat Russland den Einsatz des Transportmittels gestoppt. Bis zur Klärung der Pannenursache würden die auch von den USA und der EU genutzten Raketen erst einmal ausgesetzt, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Raumfahrtkreise.

Am Vorabend war der unbemannte Frachter vom Typ Progress 12 M-12 mit fast drei Tonnen Versorgungsgütern an Bord auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS im Altai-Gebirge im Osten Russlands in menschenleerem Gebiet abgestürzt. Grund war nach ersten Erkenntnissen eine fehlerhafte Zündung der dritten Raketenstufe an der "Sojus". Es war die erste Panne seit 1978.

Russland verschob demnach einen für diesen Freitag geplanten Start eines Satelliten für sein Navigationssystem Glonass auf einen späteren Zeitpunkt. Notfalls könne auch die für den 8. September geplante Rückkehr von drei Raumfahrern von der ISS um bis zu 50 Tage verschoben werden, berichtete Interfax unter Berufung auf die US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Unklar war auch, ob es beim geplanten Start der neuen ISS-Besatzung mit drei Raumfahrern am 22. September vom Weltraumbahnhof Baikonur bleibt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos teilte in Moskau mit, dass sie alles tun werde, um ihren internationalen Verpflichtungen für den ISS-Betrieb nachzukommen.

Folgen für den Westen

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, Johann-Dietrich Wörner, hatte nach der Panne vor Folgen auch für den Westen gewarnt. "Wir sind derzeit in Deutschland und Europa äußerst abhängig von der bisher zuverlässigen Sojus-Technik", sagte Wörner der Nachrichtenagentur dpa bei einem Telefonat.

Wörner sagte, dass es eine Zeit dauern werde, bis die Unglücksursache geklärt sei. Bis dahin dürfe auch kein Raumfahrer mehr mit der Sojus-Technik transportiert werden. Am 20. Oktober sollten nach bisherigen Plänen die ersten funktionstüchtigen Satelliten für das Navigationssystem Galileo mit Sojus-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana starten.

Russland musste zuletzt immer wieder über Pannen berichten. Zu einem besonders schweren Zwischenfall kam es im Dezember 2010, als eine Trägerrakete mit drei Satelliten, die für das russische Navigationssystem Glonass vorgesehen waren, nach dem Start in den Pazifik stürzte.

sk/dpa-afx
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