Air Berlin Vor der Bruchlandung

Die Krise von Air Berlin ist nicht ausgestanden, sie geht in eine neue Phase. Mit Hartmut Mehdorn kommt ein Chefpilot ans Ruder, der für viel Wirbel bürgt, aber für wenig fachliche Qualität.
Alte Freunde: Ex-Bahn-Chef Mehdorn (l.) und Air-Berlin-Chef Hunold

Alte Freunde: Ex-Bahn-Chef Mehdorn (l.) und Air-Berlin-Chef Hunold

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Hamburg - Und dann ging doch alles ganz schnell. Noch vor wenigen Wochen empörten sich Air-Berlin-Offizielle über einen Bericht des manager magazins, Hunolds Zeit an der Spitze der zweitgrößten deutschen Fluglinie laufe ab. Jetzt ist Hunold zurückgetreten - weil ihm keine andere Wahl blieb.

Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber hätte ihn ansonsten entlassen müssen. Denn in der derzeitigen Verfassung steuert die Airline auf den Untergang zu. Quartal um Quartal produziert das Unternehmen derbe Verluste, während etablierte Linien wie die Lufthansa durchaus gut verdienen.

Die Entscheidung Körbers aber, die Geschäfte in die Hände des früheren Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn zu legen, kann man nur als einen Akt der Verzweiflung bezeichnen. Sicher, Mehdorn gebricht es nicht an Selbstbewusstsein. Auch eine gewisse Dynamik ist ihm nicht abzusprechen.

Mehdorn versteht nichts vom Geschäft mit Service am Kunden

Fachlich aber ist er für die Aufgabe ungeeignet. Seine Erfahrungen als ehemaliger Airbus-Manager stellen in Wahrheit keine wirkliche Qualifikation dar. Flugzeugbau ist ein Industriegeschäft, Fluglinien aber operieren im Dienstleistungsgewerbe. Dass Mehdorn vom diffizilen Geschäft mit Service am Kunden nichts versteht, hat er bei der Deutschen Bahn hinreichend bewiesen. Auch die jüngste Umfrage unter Bahn-Beschäftigten, die eine eklatante Demotivation der Mitarbeiter offenlegte, wirkt wie ein Menetekel, denn ein Großteil der Missstimmung dürfte unter Mehdorn angezüchtet worden sein.

Wenn es gut läuft, wird Mehdorn nur den Übergang regeln - zu einem qualifizierten neuen Chef, vor allem aber einem neuen Eigentümer. In der jetzigen Konstellation - darüber sollte sich keiner Illusionen machen - kann Air Berlin nicht als selbständige Kraft überleben. Zu erschöpft sind die Ressourcen, zu verworren das Geschäftsmodell, zu heftig die Konkurrenz. Hunolds größter Fehler war es wohl, die Nische eines Ferienfliegers zu verlassen und damit den Burgfrieden mit der Lufthansa aufzukündigen. Sie attackiert Air Berlin derzeit beinhart und wird ihr stiekum jede Luft nehmen, sollte Air Berlin nicht beidrehen.

Wenn es schlecht läuft, Mehdorn keinen potenten Investor findet oder gar meint, Air Berlin aus eigener Kraft erhalten zu können, muss man wohl Abschied nehmen von einer durchaus beliebten Fluglinie, die für Wettbewerb und günstigere Preise auf vielen Strecken gesorgt hat. Es wäre schade drum.

Aufseher drängten Hunold zum Rückzug - knapp eine Million Euro Abfindung

Zumindest finanziell dürfte Joachim Hunold seinen angekündigten Abschied als Air-Berlin-Chef gut verkraften. Er soll knapp eine Million Euro als Abfindung erhalten. Das erfuhr das manager magazin aus Unternehmenskreisen.

Dem Rücktritt waren in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit Mitgliedern des Aufsichtsgremiums (Board of Directors) vorausgegangen. Sie hatten ihn gedrängt, von sich aus den Weg für einen Neustart an der Unternehmensspitze freizumachen. Auch Aufsichtsratchef Hans-Joachim Körber hatte ihm wiederholt bedeutet, dass seine Zeit ablaufe.

Hunold entschloss sich schließlich zum Rücktritt, um sein Gesicht zu wahren und nicht womöglich bei der nächsten Gewinnwarnung entlassen zu werden. Er bleibt zunächst einfaches Board-Mitglied. Kenner halten es dennoch für wahrscheinlich, dass er auch diesen Posten in einigen Monaten räumen muss. Er könnte sonst immer wieder versucht sein, Einfluss auf das Tagesgeschäft zu nehmen.

Hunolds vorläufiger Nachfolger Hartmut Mehdorn hat bislang keine eigene Agenda für das Unternehmen entwickelt, heißt es bei Air Berlin. Von ihm erwartet das Aufsichtsgremium allerdings, dass er die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen und Restrukturierungen zügig vorantreibt.

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