Air Berlin Hunold tritt zurück

Der Air-Berlin-Gründer legt aufgrund zuletzt schlechter Geschäfte sein Amt nieder. Ex-Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll es vorerst übernehmen.
Air-Berlin-Chef Hunold: Tritt zum 1. September zurück

Air-Berlin-Chef Hunold: Tritt zum 1. September zurück

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Hamburg/Berlin - Joachim Hunold habe zum 1. September seinen Rücktritt angeboten, teilte Air Berlin mit. Als seinen Interimsnachfolger habe er den ehemaligen Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vorgeschlagen. Die Air-Berlin-Aktie  drehte nach Hunolds Ankündigung ins Plus und legte binnen Minuten um 4,4 Prozent zu.

Hunold sagte, er habe für sich entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Air-Berlin-Spitze gekommen sei. Ein Nachfolger könne nun "unbelastet" den eingeleiteten Sparkurs fortsetzen.

Für den 2009 als Bahn-Chef zurückgetretenen Mehdorn erfüllt sich mit Hunolds Vorschlag spät ein Traum: Der 69-Jährige hatte nie ein Hehl aus seiner Vorliebe für die Fliegerei gemacht. Oft war die Lufthansa für ihn das Vorbild für die Bahn. Doch sein Plan, dort ein Preissystem analog zur Luftfahrt zu schaffen, scheiterte. Mehdorn gehört bereits dem Board of Directors von Air Berlin an, ohne bisher operative Aufgaben zu haben.

Auf eine solche Rolle will sich Hunold nun zuzrückziehen. Er hatte es nie geschafft, einen Nachfolger aufzubauen. Mit Mehdorn verbindet ihn eine lange Freundschaft. Der 61-jährige Luftfahrtmanager hatte 1990 beim Ferienflieger LTU gekündigt, ein Jahr später gründete er mit zwei amerikanischen Flugzeugen sein eigenes Unternehmen: Air Berlin. 2006 brachte er die Fluggesellschaft an die Börse und hält nun nur noch einen kleinen Anteil.

Hunold will Verbindungen streichen und Flotte reduzieren

In jüngster Zeit allerdings lief das Geschäft nicht mehr so gut, nach einem jahrelangen teuren Expansionskurs schreibt Air Berlin weiterhin Verluste. Vor der Ankündigung seines Rücktritts hatte Hunold deshalb einen harten Sparkurs angekündigt.

Unrentable Verbindungen wie die von Frankfurt nach Hamburg oder Stuttgart-St. Petersburg sollen wegfallen. In erster Linie betrifft das Sparprogramm aber kleinere Flughäfen wie Münster/Osnabrück, Köln/Bonn oder Paderborn, von den künftig weniger Air-Berlin-Maschinen starten. Erfurt fällt komplett aus dem Streckennetz.

Gleichzeitig wird die Flotte um acht Flugzeuge verkleinert. Gegenüber der bisherigen Planungen will die Airline ihre Kapazitäten damit um 5 Prozent reduzieren - 2012 sollen gut 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze wegfallen.

Schwarze Zahlen trotzdem nicht in Sicht

Air Berlin will sich auf stark frequentierte Strecken und seine vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren. Vor allem die beiden deutschen Airports sind wichtig - von ihnen bietet die Fluglinie Langstreckenflüge an. Zubringerflüge aus Deutschland und Europa sollen dafür sorgen, dass die großen Interkontinentalmaschinen dort auch voll werden. "Unsere Drehkreuze funktionieren bereits, und wir bauen sie weiter aus", sagte Hunold.

Schwarze Zahlen sind trotz der Maßnahmen nicht in Sicht: Im laufenden Geschäftsjahr werde Air Berlin operativ "wohl noch nicht in die Gewinnzone zurückkommen", sagte Hunold. Für die Turbulenzen macht Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa den hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika verantwortlich.

Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren haben diese Faktoren das Geschäftsmodell der Airline zerstört. Das vorgestellte Programm erscheine auf den ersten Blick vernünftig, jedoch müsse abgewartet werden, wie es sich auswirke. Die im SDax gelistete Aktie fiel um 2,4 Prozent auf 2,50 Euro. Air Berlin hatte im zweiten Quartal einen Fehlbetrag von 32 Millionen Euro nach 28 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor eingeflogen. Gleichzeitig stieg der Schuldenstand bis Ende Juni auf 616 Millionen Euro von 493 Millionen Euro.

cr/mg/rtr/dpa/afp
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