Strategiewechsel Flugboom in Asien soll Qantas retten

Im Kampf gegen die roten Zahlen kündigt die australische Airline Qantas einen radikalen Strategieschwenk an: Auf dem Wachstumsmarkt Asien werden zwei neue Fluggesellschaften gegründet. Für diese bestellt Qantas mehr als 100 neue Airbus-Maschinen - und will gleichzeitig bis zu 1000 Stellen streichen. 
Im Zeichen des Kängurus: Qantas muss Australien verlassen, um mehr Geld zu verdienen

Im Zeichen des Kängurus: Qantas muss Australien verlassen, um mehr Geld zu verdienen

Foto: Barbara Walton/ dpa

Sydney - Die australische Fluggesellschaft Qantas startet den größten Umbau ihrer Unternehmensgeschichte. Die Airline will ihr rote Zahlen schreibendes internationales Geschäft neu aufstellen und sich auf den asiatischen Markt konzentrieren. Dieser gilt als am stärksten wachsender Luftfahrtmarkt der Welt.

Der Branchenprimus auf dem fünften Kontinent kündigte am Dienstag an, zwei neue Gesellschaften zu gründen, darunter eine im Premiumsegment. In Kooperation mit Japan Airlines und Mitsubishi baut Qantas zudem eine Billigairline auf.

Zur Grundüberholung gehört auch eine milliardenschwere Flottenerweiterung. Für neun Milliarden Dollar bestellt Qantas bis zu 110 Maschinen des europäischen Herstellers Airbus EADS aus der A320-Baureihe - mehr als zwei Drittel von der treibstoffsparenden Neo-Version. Zudem gibt steht eine Bestellung weiterer 200 Flieger in Aussicht.

Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gehört auch die Streichung von bis zu 1000 Stellen. Dies rief bereits die australische Regierung und Gewerkschaften auf den Plan, die gegen die Vorhaben vorgehen wollen.

Premium-Airline geht 2012 an den Start

"Nichts zu tun oder nur Flickwerk anzubieten, würde nur das Ende von Qantas International auf unserem Heimatmarkt garantieren. Das wäre eine Katastrophe", sagte Qantas-Chef Alan Joyce. Seit der irischstämmige Joyce den Hut bei den Australiern auf hat, sind die Kosten, Flugrouten und Stellenzahl deutlich zurückgefahren worden. Lange konzentrierte sich Qantas auf die Entwicklung der Billigtochter Jetstar.

Die Zukunft des Konzerns hänge von einer Neuaufstellung des internationalen Geschäfts ab, sagte Joyce. "Unsere Kosten liegen rund 20 Prozent höher als die unserer wichtigsten Wettbewerber", erklärte er.

In fünf Jahren solle das Unternehmen insgesamt mehr als seine Kapitalkosten verdienen. Im Geschäftsjahr 2009/2010 (bis Ende Juni) hatte Qantas bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden australischen Dollar (zehn Milliarden Euro) unter dem Strich 112 Millionen australische Dollar verdient.

Nach Schätzungen des Weltluftfahrtverbandes Iata wird Asien im laufenden Jahr für mehr als die Hälfte der weltweiten Gewinne im Airline-Geschäft stehen. Die neue Premiumfluggesellschaft von Qantas soll im kommenden Jahr ihren Betrieb aufnehmen. Als Standort kommen laut Qantas Kuala Lumpur und Singapur in Betracht. Die Australier wollen nach eigenen Angaben nicht die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Eine Kooperation mit Malaysias AirAsia scheint wegen bereits existierender Beziehungen wahrscheinlich.

Aktionäre reagieren zurückhaltend

Die Qantas-Aktie schloss mit leichten Verlusten von 0,3 Prozent. Analyst Jason Teh von Investors Mutual sagte, das internationale Luftverkehrsgeschäft sei zyklischer und die Konkurrenz größer.

Die in den 90er Jahren privatisierte Qantas muss bei ihren Umbauplänen mit Gegenwehr rechnen. Verkehrsminister Anthony Albanese kündigte an, die Vorhaben darauf zu prüfen, ob Privatisierungsrichtlinien gebrochen werden.

Widerstand von Gewerkschaften ist absehbar

Auch die Gewerkschaften erwägen Schritte gegen die Airline. Dabei geht es um den geplanten Abbau von 1000 der derzeit rund 32.000 Stellen. Davon sollen auch rund 200 Piloten betroffen sein. Qantas gehört gemeinsam mit British Airways und American Airlines zur Luftfahrtallianz "Oneworld", zu der auch Lufthansa-Konkurrent Air Berlin stoßen möchte.

Zum Hintergrund: Die australische Fluggesellschaft Qantas ist nach eigenen Angaben die zweitälteste Fluggesellschaft der Welt. Die 1920 gegründete Airline ist zudem die größte Inlands- und internationale Fluggesellschaft Australiens. Wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilt, beschäftigt die Qantas-Gruppe rund 32.500 Mitarbeiter. Vorstandsvorsitzender von Qantas ist seit November 2008 Alan Joyce.

Zur Qantas-Gruppe zählen die Fluggesellschaften Jetstar und QantasLink. Die Gruppe fliegt nach eigenen Angaben 182 Ziele in 44 Ländern an, unter anderem in Europa und dem Nahen Osten.

Qantas setzt seit 2008 auf Langstreckenflügen Maschinen vom Typ Airbus A380 ein. Der Airbus A380 ist in der zivilen Luftfahrt das größte und schwerste Flugzeug der Welt. Im November vergangenen Jahres geriet Qantas wegen einer schweren Triebwerkspanne bei einem seiner A380-Maschinen in die Schlagzeilen. Weil ein Rolls-Royce-Triebwerk ausgefallen war, musste der Superjumbo in Singapur notlanden. Nach dem Zwischenfall ließ Qantas kurzzeitig alle sechs seiner A380-Maschinen am Boden.

cr/rtr/dapd/dpa-afx
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