Milliardenofferte Google will Motorolas Handysparte kaufen

Für 12,5 Milliarden Dollar will Google die Handysparte von Motorola übernehmen. Ziel ist es, sich mit dem umfangreichen Motorola-Patentportfolio eine bessere Position im Dauerstreit mit Rivalen wie Oracle zu verschaffen. Vor allem die Aktionäre von Motorola können sich über die Offerte freuen.
Motorola-Handys: Google bietet für die Unternehmenssparte 12,5 Milliarden Dollar

Motorola-Handys: Google bietet für die Unternehmenssparte 12,5 Milliarden Dollar

Foto: AP

New York - Google will für 12,5 Milliarden Dollar die Mobilfunksparte von Motorola  kaufen. So soll die von Patentklagen belagerte Android-Plattform von Google  gestärkt werden. Google-Chef Larry Page versprach, der Zukauf werde dem Android-System einen kräftigen Schub geben.

Der Internetriese greift für den Zukauf von Motorola Mobility tief in die Tasche: Die 40 Dollar pro Aktie in bar sind ein stolzer Aufpreis von 63 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Android ist das führende Smartphone-Betriebssystem und greift auch im Markt der Tabletcomputer an.

An der Börse sorgte die Ankündigung schlagartig für Bewegung. Die in New York notierte Motorola-Aktie schnellte vorbörslich um 59 Prozent in die Höhe. Google-Papiere gaben 2,8 Prozent nach. Die Google-Aktie in Frankfurt lag nach Bekanntgabe des Kaufs mit 3,9 Prozent im Minus. Der Frankfurter Motorola-Mobility-Kurs bewegte sich zunächst kaum.

"Google versucht offenbar seine Plattform wettbewerbsfähiger zu machen", sagte Analyst Jari Honko von der Swedbank in Helsinki. "Sicher setzt Google vor allem auf die Patente, die Motorola hält."

Analyst Francisco Jeronimo von IDC erwartet, dass die Rivalen Samsung und HTC jetzt noch stärker versuchen, Windows Phone voranzutreiben. "Sie müssen nun ihre Plattformstrategie diversifizieren", sagt er. Hochkochende Übernahmefantasien ließen auch die Aktien von Nokia  um mehr als 10 Prozent nach oben schnellen, Alcatel-Lucent  zogen an der Pariser Börse um 3,5 Prozent an.

Motorola-Patente als Verhandlungsmasse

Zum Hintergrund: Der Mobilfunkpionier Motorola spielt schon seit Jahren keine führende Rolle in der Branche. das Unternehmen verfügt jedoch über eines der umfangreichsten Patentarsenale. Vor wenigen Wochen hatte Google den Bieterwettstreit um das Patentportfolio des gescheiterten Mobilfunkausrüsters Nortel an Rivalen um Apple  und Microsoft  verloren.

Android ist aktuell einer Reihe von Patentklagen von Konkurrenten ausgesetzt. Besonders brenzlich wurde zuletzt die Auseinandersetzung mit dem Softwareriesen Oracle , der bei Android eine Verletzung von Patenten für die Programmiersprache Java sieht und Milliarden als Entschädigung haben will.

Ein Problem von Google ist dabei, dass der Internetkonzern relativ neu im Mobilfunkgeschäft ist und nicht über ein eigenes starkes Patentportfolio verfügt. Die Patente des Handyerfinders Motorola könnten Verhandlungsmasse liefern, um mit klagewilligen Rivalen zu einer Einigung zu kommen.

Kartellwächter schauen genau hin

Der Zukauf von Motorola werde das Patentportfolio von Google stärken, schrieb denn auch Page selbst in einem Blogeintrag. "Das wird es uns ermöglichen, Android besser vor wettbewerbsfeindlichen Bedrohungen von Microsoft, Apple und anderen Unternehmen zu schützen", betonte er.

Der Deal muss noch von den Wettbewerbshütern genehmigt werden und soll Ende 2011 oder Anfang 2012 abgeschlossen werden. Das Geschäft dürfte eine besondere Aufmerksamkeit der Kartellwächter auf sich ziehen, die Google bereits zuvor genauer unter die Lupe genommen hatten. Das Geschäft mit Android gehöre dabei zu den zentralen Ansatzpunkten, berichtete kürzlich das "Wall Street Journal".

Motorola Mobility solle als eigenständiger Konzernteil agieren, betonte Google. Man werde mit allen anderen Android-Partnern weiterarbeiten. Eine Frage ist, ob der Deal das Verhältnis zu anderen großen Android-Herstellern wie HTC oder Samsung strapazieren könnte.

Der Motorola-Konzern war vor einiger Zeit aufgespaltet worden. Die traditionsreiche Mobilfunksparte wurde dabei vom restlichen Geschäft etwa mit Settop-Boxen abgetrennt und Anfang des Jahres an die Börse gebracht. Die vergangenen Jahre waren für das Handy-Geschäft von Motorola eher wechselhaft. Unter dem Druck asiatischer Konkurrenten wie Samsung oder LG schwand der Anteil am Mobilfunkmarkt schnell und lag zuletzt nur noch bei 2,4 Prozent. Besser schlägt sich Motorola im boomenden Smartphone-Markt, wo der US-Konzern auf die Android-Plattform setzt.

cr/dpa/rtr/dpa-afx
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