Gewinnprognose kassiert Nordafrika-Krise zieht Tui tiefer in die Verlustzone

Tui findet keinen Weg aus der Verlustzone. Wegen der Unruhen in Nordafrika und Problemen bei der Reederei-Tochter Hapag-Lloyd muss Europas größter Reisekonzern auch im zweiten Quartal einen Verlust verbuchen. Vorstandschef Michael Frenzel kappt zudem sein Gewinnziel. Die Aktie haussiert dennoch.
Leerer Strand in Tunesien: Wegen der Unruhen verzichteten viele Reisende auf ihren Urlaub in Nordafrika

Leerer Strand in Tunesien: Wegen der Unruhen verzichteten viele Reisende auf ihren Urlaub in Nordafrika

Foto: Raphael Thelen/ picture alliance / dpa

Hannover - Unter dem Strich stand im dritten Geschäftsquartal ein Verlust von rund 41 Millionen Euro nach einem Gewinn von vier Millionen Euro ein Jahr zuvor, teilte Tui mit. Sowohl das Reisegeschäft als auch die Containerschifffahrt schrieben Verluste. Das Management um Vorstandschef Michael Frenzel kappt nun die Gewinnziele. Das Konzernergebnis soll allerdings weiterhin positiv ausfallen.

Die Tui-Aktie  reagierte dennoch mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Bis zum Mittag legte das im MDax notierte Papier um 5,38 Prozent auf 4,933 Euro zu.

Im dritten Quartal trieb die starke Nachfrage nach Urlaubsreisen den Konzernumsatz deutlich nach oben. Die Erlöse kletterten um 9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (Ebita) ging allerdings um 11 Prozent auf 96 Millionen Euro zurück. Hier schlugen die Unruhen in Ägypten und Tunesien negativ zu Buche. Vor allem die Franzosen konnten sich für den Urlaub an ihren einstigen Lieblingszielen nur schwerlich erwärmen. Zwar lief das Reisegeschäft besser als von Analysten erwartet. Unter dem Strich verfehlte der Konzern allerdings die Erwartungen der Branchenexperten.

Hapag-Lloyd brockt Tui Verluste ein

Wieder zu leiden hatte Hapag-Lloyd. Der Containerreederei, die nach ihrer Schieflage in der Wirtschaftskrise zuletzt ein Rekordjahr erlebt hatte, machten die hohen Treibstoffpreise das Leben schwer. Der Umsatz ging um 9 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zurück. Wegen des hohen Konkurrenzdrucks konnte das Unternehmen die gestiegenen Kosten nicht komplett an die Kunden weitergeben. Tui ist an Hapag-Lloyd noch mit gut 38 Prozent beteiligt und musste nun einen anteiligen Verlust von fünf Millionen Euro verbuchen. Ein Jahr zuvor hatte die Reederei noch 75 Millionen Euro zum Tui-Ergebnis beigesteuert.

Die Tui-Spitze begräbt angesichts dieser Entwicklung die Hoffnung, dass die Reederei dem Konzern in diesem Jahr mehr Gewinn einbringen könnte als im Vorjahr. Das anteilige Ergebnis werde schwächer ausfallen, hieß es. Auch für das Reisegeschäft wird der Vorstand pessimistischer: Das bereinigte Ebita soll trotz höherer Umsätze nur noch das Niveau des Vorjahres erreichen. Bisher hatte die Konzernführung eine leichte Steigerung in Aussicht gestellt.

mg/dpa-afx