Fluglotsen Hunderttausende Urlauber bangen wegen Streik

Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat für Dienstag erneut einen bundesweiten Streik der Fluglotsen angekündigt. Nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbandes könnten davon mitten in der Ferienzeit Hunderttausende betroffen sein. Nun muss das Arbeitsgericht entscheiden.
Flughafen Düsseldorf: Bis zu 2000 Flüge wären bundesweit von dem Streik betroffen

Flughafen Düsseldorf: Bis zu 2000 Flüge wären bundesweit von dem Streik betroffen

Foto: Oliver Berg/ dpa

Frankfurt am Main - Reisende auf deutschen Flughäfen müssen sich erneut auf Verzögerungen einstellen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kündigte für Dienstag erneut einen bundesweiten Streik der Fluglotsen an. Nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) könnten davon mitten in der Ferienzeit Hunderttausende Menschen betroffen sein, ein Großteil davon Urlauber.

Ob es aber zu dem Ausstand kommt, blieb offen. Das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main prüfte am Montagnachmittag einen Antrag auf einstweilige Verfügung der Deutschen Flugsicherung (DFS). Das Unternehmen hatte einen Eilantrag eingereicht, um den Streik zu verhindern.

Die GdF rief alle tariflich beschäftigten Mitarbeiter der DFS auf, am Dienstag von 6.00 bis 12.00 Uhr in den Ausstand zu treten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisierte die zweite Streik-Ankündigung der Gewerkschaft binnen weniger Tage erneut.

Vor einer Woche hatte das Arbeitsgericht einige Forderungen der GdF als unzulässig angesehen und einen angekündigten Streik untersagt. Weil die Berufungsverhandlung bis in die Nacht gedauert hätte, sagten die Fluglotsen den Ausstand ab. Die DFS zog daraufhin ihren Antrag auf einstweilige Verfügung zurück, so dass das Landesarbeitsgericht keine Entscheidung traf.

GdF-Sprecher Matthias Maas sagte, die Gewerkschaft werde bei einer Niederlage diesmal auf jeden Fall in die zweite Instanz gehen, um Rechtsklarheit zu bekommen. Die Gewerkschaft ist zuversichtlich, dass das Gericht diesmal grünes Licht gibt. Alle kritisierten Punkte seien aus dem Forderungskatalog herausgenommen worden, sagte Maas.

Streik in Urlaubszeit "unverantwortlich und schamlos"

Die deutschen Fluggesellschaften und das Bundesverkehrsministerium dringen derweil auf neue Verhandlungen zwischen den Tarifparteien. "Es ist unverantwortlich und schamlos, dass die GdF nur wenige Tage, nachdem das Arbeitsgericht Frankfurt einen Arbeitskampf untersagt hat, nun erneut auf dem Rücken der Urlauber und Geschäftsreisenden versucht, ihre Forderungen mit einer Streikandrohung durchzudrücken", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, Michael Engel. Die gleiche Position vertrat der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Auch Ramsauer appellierte an die Gewerkschaft. Ein Sprecher sagte, der Minister habe "kein Verständnis" für einen Streik in der Ferienzeit. Er fordere, "schnellstmöglich am Verhandlungstisch" zusammenzukommen, auch um Schäden von der Volkswirtschaft fernzuhalten.

Lufthansa und Bahn rüsten sich für Streik

Die Lufthansa stellt sich derweil auf alle Eventualitäten ein. "Wir bereiten uns für den Fall der Fälle vor", sagte eine Konzernsprecherin. "Aber wir hoffen immer noch, dass es nicht dazu kommt." Die Airline empfiehlt allen Reisenden, sich im Internet über die Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Der Frankfurter Flughafen rechnet bei einem Streik mit rund 500 Ausfällen von Starts und Landungen am Vormittag. Der Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport, Thomas Uber, sagte, der größte deutsche Flughafen sei aber gegen einen Ausstand gut gewappnet.

Großverdiener drohen mit Ausstand

Am zweitgrößten deutschen Drehkreuz in München stehen nach Angaben eines Flughafensprechers 400 für Dienstagvormittag geplante Starts und Landungen auf der Kippe. Der DRV verwies darauf, dass an einem durchschnittlichen Tag im August 2010 etwa 600.000 Fluggäste an deutschen Airports gezählt wurden.

Die Deutsche Bahn bereitet sich unterdessen auf einen möglichen Ansturm von Reisenden vor. "Wir werden alle Fahrzeuge einsetzen und das Personal kräftig aufstocken", sagte ein Sprecher. Die Bahn halte engen Kontakt zu den Fluggesellschaften.

Fluglotsen bekommen 130.000 Euro pro Jahr - plus Zulagen

Die GdF fordert für die mehr als 5000 Tarifbeschäftigten der DFS, darunter rund 1900 Fluglotsen, 6,5 Prozent mehr Geld und mehr Einfluss auf Strukturen und Personalentscheidungen. Ausgenommen vom Streik seien die Flugsicherungsakademie der DFS in Langen sowie die Niederlassung in Maastricht.

Laut Deutscher Flugsicherung (DFS) liegen die Brutto-Jahresgehälter der Lotsen zwischen 72000 und 130.000 Euro - ohne Schicht- und Feiertagszulagen. Die Höhe des Gehalts richtet sich nach Qualifikation und Einsatzort.

Weltweit liegen die deutschen Lotsen mit einem Durchschnittsgehalt von 101.000 Euro weit vorn. Lediglich in Spanien werde fast dopppelt so viel gezahlt, heißt es in einer Studie für das Internetportal "Fluege.de".

mg/dpa-afx
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