Blutwäsche FMC schluckt zwei US-Konkurrenten

Quartal für Quartal liefert der Dialysespezialist Fresenius Medical Care solide Gewinne ab, nun verschärfen die Hessen ihren Expansionskurs. In den USA übernimmt der Dax-Konzern zwei Konkurrenten für gut zwei Milliarden Dollar. Die Konzernmutter erhöht derweil das Gewinnziel.
Hauptsitz der FMC-Mutter Fresenius: Die Hessen erhöhen ihr Gewinnziel

Hauptsitz der FMC-Mutter Fresenius: Die Hessen erhöhen ihr Gewinnziel

Foto: Fresenius SE & Co. KGaA

Bad Homburg - Paukenschlag auf dem Dialysemarkt: Der hessische Anbieter Fresenius Medical Care (FMC) übernimmt für gut zwei Milliarden Dollar zwei Konkurrenten in Amerika und baut damit seine führende Stellung auf dem weltgrößten Markt für Blutwäsche aus. Die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius stemmt damit den größten Zukauf seit rund drei Jahren und eine der teuersten Übernahmen eines deutschen Dax-Konzerns in diesem Jahr.

Durch die bedeutenden Übernahmen werde das Wachstum beschleunigt, sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider am Dienstag. Die ebenfalls im Leitindex Dax  gelistete Konzern-Tochter FMC  übernimmt für 1,7 Milliarden Dollar inklusive Schulden den drittgrößten US-Blutwäscheanbieter Liberty Dialysis. Dieser gehörte bisher mehrheitlich den Finanzinvestoren KRG Capital Partners und Bain Capital. Zudem kauft das Unternehmen aus Bad Homburg für 385 Millionen Dollar den deutlich kleineren Spezialanbieter American Access Care (AAC).

Für den weltgrößten Blutwäscheanbieter FMC sind es nach der 485 Millionen Euro schweren Akquisition von IDC im Januar bereits die Übernahmen Nummer zwei und drei in diesem Jahr. Das Unternehmen profitiert derzeit wie die Mutter Fresenius  von der steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in Industrie- und Entwicklungsländern. Im Gegensatz zu klassischen Pharmaunternehmen ist Fresenius zudem nicht von der Entwicklung einzelner patentgeschützter Medikamente abhängig.

Die Papiere von Fresenius und FMC sind deshalb bei Investoren als defensive Anlage gefragt und zählen mit einem Plus von rund 20 Prozent seit Jahresbeginn zu den am besten laufenden Aktien im Dax. Am Dienstag legten die Titel von Fresenius knapp 2 Prozent zu auf 73,90 Euro und zählten damit zu den größten Gewinnern im deutschen Leitindex. Die FMC-Aktien verloren dagegen rund ein Prozent auf 52,16 Euro.

Zukäufe könnten Gewinn um drei Prozent wachsen lassen

Die Zahl der FMC-Patienten in den USA würde durch die Übernahmen, die bis Anfang 2012 unter Dach und Fach sein sollen, um 19.000 auf rund 160.000 steigen. FMC würde damit in den USA auf einen Marktanteil von rund 30 Prozent kommen und sich vom größten Konkurrenten DaVita absetzen, der zuletzt 128.000 Patienten behandelte. Das Votum der Kartellbehörden zu dem Zukauf steht aber noch aus. FMC geht davon aus, für die Freigabe in einigen Regionen in Amerika Dialysekliniken verkaufen zu müssen.

Analysten begrüßten die Zukäufe. Oliver Reinberg von Cheuvreux geht davon aus, dass die Übernahmen ab 2012 zu einem dreiprozentigen Anstieg des FMC-Gewinns führen werden. Zudem gewinnt der Konzern dadurch über eine Milliarde Dollar Umsatz hinzu.

Der Konzentrationsprozess unter den Dialyseanbietern in den USA ist auch auf die Reform des dortigen Blutwäschemarkts zurückzuführen. Die staatliche Krankenversicherung Medicare rechnet Dialysebehandlungen seit diesem Jahr pauschal ab. Davon profitieren große Anbieter wie FMC, die alle Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand anbieten können. Im zweiten Quartal stieg der FMC-Gewinn um 5 Prozent auf 261 Millionen Dollar, der Umsatz um 8 Prozent auf 3,19 Milliarden Dollar.

Auch bei der Konzernmutter Fresenius, die zudem stark im Krankenhausgeschäft aktiv ist, lief es dank guter Verkäufe mit Nachahmermedikamenten rund. Im ersten Halbjahr stieg der Umatz um 4 Prozent auf acht Milliarden Euro, der Gewinn um 20 Prozent auf 363 Millionen Euro. "Fresenius hat im ersten Halbjahr 2011 die hervorragende Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt", sagte Fresenius-Chef Schneider.

Besonders die Geschäfte in China sowie der Absatz von Nachahmermedikamente in den USA laufen bei Fresenius derzeit gut. Für das Gesamtjahr schraubte Schneider deshalb die Gewinnprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr leicht nach oben. Das Ergebnis solle nun währungsbereinigt um 15 bis 18 Prozent steigen statt wie bisher in Aussicht gestellt um 12 bis 16 Prozent. Beim Umsatz rechnet Fresenius weiter mit einem währungsbereinigten Zuwachs um 7 bis 8 Prozent.

nis/rtr