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Gottschalk, Jauch, Raab und Co.: Die einträglichen Geschäfte der TV-Stars

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TV-Stars "Die Machtverhältnisse haben sich verschoben"

TV-Stars gewinnen gegenüber den Sendern an Macht. Fred Kogel, Ex-Chef von Sat.1, sagt im Interview, warum die "Big Four" Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Stefan Raab nicht nur um Geld pokern, warum Schmidt Verspätungen hasst - und welche Risiken Jauch mit seinem Wechsel zur ARD eingeht.
Von Klaus Boldt

mm: Herr Kogel, in der Branche herrscht großes Hin und Her: Günther Jauch tritt künftig auch im Ersten auf, Stefan Raab hat dort bereits sein Gastspiel absolviert, Thomas Gottschalk geht zur ARD. Harald Schmidt, Matthias Opdenhövel, Kai Pflaume und andere haben ihre Senderwechsel erklärt oder vollzogen. Alles nur Zufall oder steckt System dahinter?

Fred Kogel: Das hat, glaube ich, jeweils individuelle Gründe. Jauch bekam die Chance, die populärste politische Talkshow zu moderieren mit dem besten Vorlauf im deutschen Fernsehen: dem "Tatort", der zwischen acht und elf Millionen Zuschauer mitbringt. Umgekehrt bekommt die ARD derzeit Deutschlands populärsten Moderator. Bei Gottschalk und dem ZDF geht nach Gottschalks Entscheidung, "Wetten das …?" nicht mehr zu moderieren und mit dem Ende der Amtszeit von Intendant Markus Schächter eine Ehe einfach einmal zu Ende - ähnlich wie bei Kai Pflaume und Sat.1, den ich 1995 zum Sender geholt hatte. Da mögen Ermüdungserscheinungen aufgetreten sein, und man sagt sich: Vielleicht gehe ich einfach mal woanders hin und suche eine neue Herausforderung.

mm: Was halten Sie von dem Jauch- und dem Gottschalk-Deal?

Kogel: Bei der ARD wird es infolge der Talkshow-Flut trotz Talk-Koordinator ein Hauen und Stechen um die besten Gäste für die fünf Talkshows geben - so ist nun mal das Geschäft. Für Günther Jauch ist der Wechsel nicht ohne Risiko. Er macht sich mit Kollegen wie Plasberg und Will in einem für ihn neuen Genre vergleichbar. Welche anderen Fragen kann er stellen? Es wird wohl am Ende auf eine dauerhaft hohe Quote ankommen.

Zu Gottschalk: das Vorabendprogramm hat seine eigenen Gesetze. Bislang kann im ARD Vorabend alleine schon aus programmstrukturellen Gründen - ich sage nur die "krummen" Anfangszeiten der Programme zwischen 18.00 und 20.00 Uhr und die unglücklichen letzten 15 Minuten vor der Tagesschau - kein Programm wirklich erfolgreich sein. Vorausgesetzt mit Thomas Gottschalks neuer Sendung hält tatsächlich einmal Planbarkeit Einzug in das Vorabendschema des Ersten, wird es davon abhängen, ob sich Thomas noch 140mal in Serie - auch bei medialem Gegenwind und schlechter Themenlage - motivieren kann, gut vorbreitet vor die Kamera zu treten.

mm: Und was sagt sich Ihr Kompagnon Harald Schmidt?

Kogel: Ihm geht es um Kontinuität, um Sendeplätze und um klare Anfangszeiten. Allein in der Staffel 2009/2010 hatten etwa 20 seiner 24 ARD-Sendungen verspätet angefangen.

mm: Was war da los?

Kogel: Es gab eine Reihe von Gründen. In den vergangenen Jahren hat die ARD zum Beispiel Sondersendungen wie die "Brennpunkte" intensiviert, wodurch das folgende Programm in Verzug gerät, oder sie produzierte am Sendetag Donnerstag Shows mit Überlänge. Bei Sat.1, wo Harald Schmidt künftig zweimal wöchentlich auftreten wird - mit der klaren Absicht, wieder daily zu gehen -, haben wir die Zusicherung auf feste Wochentage und feste Anfangszeiten. Wie früher um 23:15 Uhr, um mehr Relevanz zu bekommen.

mm: Man erzählt sich, dass die ARD wenig getan hat, um Harald Schmidt, dessen Quoten zuletzt miserabel waren, zu halten.

Kogel: Schwierig zu sagen. Zum zuständigen Sender WDR, zu Intendantin Monika Piel und Programmdirektorin Verena Kulenkampff haben wir ein gutes Verhältnis. Als Harald Schmidt 2004 zur ARD ging, hießen die zuständigen Intendanten Jobst Plog und Fritz Pleitgen, Günter Struwe war Programmdirektor. Mittlerweile gibt es neue Leute, da wechseln Stimmungen, Meinungen. Das gilt aber auch für den Künstler, der sich in bestimmten Konstellationen wohler fühlt oder nicht. Die ARD, so wurde uns versichert, hätte uns gerne gehalten. Aber es gab auch andere Gründe, zum Beispiel den Willen, wieder mehr Sendungen machen zu wollen.

mm: Verbessert sich Schmidt durch seinen Wechsel?

Kogel: Ja - von den Sendeplätzen und der Kontinuität her gesehen eindeutig. Oder unterstellen Sie etwa, dass ARD und ZDF nicht so gut bezahlen würden wie die Privaten?

mm: Tun sie das?

Kogel: Die Finanzen geben nicht den Ausschlag für einen Senderwechsel, zumindest nicht für die Big Four: Moderatoren wie Jauch, Gottschalk, Schmidt und Raab geht es um Inhalte, Eigenständigkeit und darum, dass sie sich wohlfühlen.

"Die großen Marken zählen mehr als früher"

mm: Das sind sehr hochwertige Gründe.

Kogel: Um Erfolg geht es ihnen natürlich auch und um die Bedingungen, die ihn ermöglichen, Sendeplätze etwa oder Vorprogramme. Aber diese Leute haben ihren Preis und es nicht nötig, irgendwo anzuheuern.

mm: Auffällig ist, dass es so etwas wie Vereinstreue im Showgeschäft nicht mehr gibt. Entertainer werden zu Sendersöldnern. Müssten TV-Konzerne nicht dafür sorgen, ihre stärksten Marken langfristig zu binden?

Kogel: Vereinstreue hätte es bereits zu Zeiten von Peter Frankenfeld nicht gegeben, wenn es mehr als zwei bundesweite Sender gegeben hätte. Das TV-Geschäft ist, seitdem die Privatsender Mitte der 90er Jahre ernsthaft in den Wettbewerb eingestiegen sind, mit dem Fußballgeschäft vergleichbar. Das Geschäft ist sehr komplex und professionell, trotzdem kann jeder mitreden. Bei Verantwortlichen und Protagonisten gilt hire and fire, die Leistung wird beinahe ausschließlich am Quotenerfolg und nicht an den Inhalten gemessen und die Zuschauer und Journalisten sind die besten Trainer.

mm: Entertainer gehören zu den Trümpfen der Sender im Kampf um Publikum und Werbekundschaft. Wie sieht das Machtverhältnis aus, wie hat es sich verändert?

Kogel: Die vier Großen sind ja Marken an sich. Der Name ist Programm. Ihr Bekanntheitsgrad entspricht dem des Senders, für den sie arbeiten. Angesichts des großen Medienangebots auch im Internet ist es doch heute so, dass man nicht mehr einen Sender schaut, sondern ein Programm. Deshalb zählen die großen Marken mehr als früher. Die Machtverhältnisse haben sich sicher zuungunsten der Sender verschoben, zumindest bei den wirklich großen Namen.

mm: Nicht nur Harald Schmidt, auch Johannes B. Kerner ist wieder bei Sat.1. Das erinnert an den 90er-Jahre-Stil, als Fred Kogel dort das Zepter führte.

Kogel: Wenn dem so sein sollte, dass man den einen oder anderen Punkt erkannt hat, der vielleicht ganz gut war, dann freut mich das. Aber Andreas Bartl und sein Team sind so professionell, die wissen selbst, was sie zu tun haben. Tatsache ist, dass drei Grundregeln im Fernsehgeschäft bestehen: TV ist träge, der Zuschauer ist träge, und das Image eines Senders ist träge. Und manchmal kann es sehr sinnvoll sein, das ein oder andere, was der Zuschauer lieb gewonnen hat, zu behalten oder wieder aufzugreifen.

mm: Worin unterscheidet sich Kogel & Schmidt von den Produktionsfirmen Jauchs, Raabs oder Kerners?

Kogel: Wir haben insofern eine Sonderstellung, als wir ausschließlich Harald Schmidt produzieren. Wir sind nicht daran interessiert, andere Künstler, Sendungen und Aufträge zu akquirieren.

mm: Warum nicht? Ein bisschen zusätzliches Geld nimmt man doch gerne mit.

Kogel: Weil wir versuchen wollen, das Beste für Harald Schmidt zu erreichen: Satirische Late Night ist ein äußerst schwieriges Genre. Das haben viele andere leidvoll erfahren. Man braucht ein sehr spezielles Know-how. Unternehmerische Hygiene ist unser Geschäftsprinzip, wir produzieren nur ihn und verfolgen keine anderen Interessen. Bei Günther Jauch und I&U sieht es anders aus. Günther macht Dutzende von Sendungen, unter anderem seine eigenen. Ähnlich ist es bei Stefan Raab und Brainpool.

mm: Kogel & Schmidt ist Teil einer kleinen Firmengruppe. Auch eine Stiftung, die Sie mit Harald Schmidt gegründet haben, gehört dazu. Wie viel setzen Sie mit ihr um, und welche Pläne verfolgen Sie?

Kogel: Die Kogel & Schmidt Stiftung hat in erster Linie den Zweck, klassische Musik zu fördern. Mit der Kogel Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH habe ich vor, mich an interessanten Unternehmen zu beteiligen. Daneben führe ich die Fred Kogel GmbH, die unter anderem das Management von Til Schweiger übernommen hat, einen umfangreichen Beratervertrag mit der Constantin Film abgeschlossen hat und deren Geschäftsmodell es ist, die richtigen Menschen und Unternehmen zusammenzubringen.

mm: Kein Interesse mehr, noch einmal die Führung eines Senders zu übernehmen?

Kogel: Nein, ich hatte das Glück, sehr jung ZDF-Unterhaltungschef und später Sat.1-Geschäftsführer zu werden. Später habe ich viele Jahre lang eine börsennotierte Gesellschaft geführt, Constantin Film. Heute genieße ich es, meine Kreise mit meinen eigenen Firmen zu ziehen.

Übersicht: Die einträglichen Geschäfte der TV-Stars

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