Abhörskandal Murdoch spricht von "größter Demut"

Medienmogul Rupert Murdoch hat in der Abhöraffäre um seine Zeitung "News of the World" vor den britischen Parlamentariern Rede und Antwort gestanden. Sollte er nicht überzeugen, könnte auch sein Posten in Gefahr sein. Die Ratingagentur S&P hat den Ausblick für Murdochs Verlag bereits gesenkt.
Medienmogul Murdoch: Ein Nachfolger für die Spitze von News Corp. steht offenbar bereit. Medienberichten zufolge soll der Vorstand für das operative Geschäft, Chase Carey, neuer Vorstandsvorsitzender werden

Medienmogul Murdoch: Ein Nachfolger für die Spitze von News Corp. steht offenbar bereit. Medienberichten zufolge soll der Vorstand für das operative Geschäft, Chase Carey, neuer Vorstandsvorsitzender werden

Foto: OLIVIA HARRIS/ Reuters

London/Washington - Medienmogul Rupert Murdoch und sein Sohn James haben sich in der Abhör- und Korruptionsaffäre vor einem britischen Parlamentsausschuss entschuldigt. "Das ist der Tag der größten Demut in meinem Leben", sagte Rupert Murdoch am Dienstag zu Beginn der Befragung. Mit versteinertem Gesicht antwortete er auf Fragen der Abgeordneten zunächst mit knappen Aussagen - teilweise nur mit "Ja" oder "Nein". James Murdoch begann seine Stellungnahme ebenfalls mit einer Entschuldigung.

Das Erscheinen des 80-jährigen Medienzars wurde als Sensation gewertet. Nach Angaben des Senders BBC war es das erste Mal in rund 40 Jahren, seit Murdoch Anteile an britischen Medien besitzt, dass er sich vor Parlamentariern verantworten musste. Der Australier mit US-Pass galt in Großbritannien bisher als nahezu unantastbar.

Von Murdochs Verhalten vor dem britischen Parlament hängt offenbar auch seine Zukunft bei News Corp.  ab. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, der Aufsichtsrat habe einen Plan für die Nachfolge Murdochs bei dem von ihm gegründeten Unternehmen erarbeitet, nach dem der Vorstand für das operative Geschäft, Chase Carey, neuer Vorstandsvorsitzender werden solle.

Der Aufsichtsrat dementierte dies jedoch umgehend. Murdoch habe die volle Unterstützung des Aufsichtsrats und es gebe keine Pläne, ihn wegen des Abhörskandals in Großbritannien zu ersetzen, sagte Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkins.

Der Manager räumte zwar ein, dass es bereits seit längerem eine grundsätzliche Nachfolgeregelung für die Konzernspitze von News Corp. gebe. Der Abhörskandal um die mittlerweile eingestellte Boulevardzeitung "News of the World" habe an den Plänen jedoch nichts geändert. "Ich kann Ihnen versichern, dass es auf Aufsichtsratsebene keine Diskussionen über einen Wechsel im Zusammenhang mit dem aktuellen Skandal gegeben hat. Der Aufsichtsrat unterstützt das Topmanagement vollkommen", sagte Perkins. "Der Aufsichtsrat und der Vorstand sind von sehr schlechten Menschen aus den unteren Ebenen der Organisation in die Irre geführt worden."

Ehemaliger "News-of-the-World"-Reporter tot aufgefunden

Murdochs Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks, die am Sonntag vorübergehend festgenommen worden war, sind vom britischen Parlament ebenfalls vorgeladen worden. In einer weiteren Anhörung müssen die zurückgetretenen Scotland-Yard-Chefs Paul Stephenson und John Yates Rede und Antwort stehen, denen Korruption vorgeworfen wird.

Die "News of the World" war im Zuge immer neuer Enthüllungen um das Abhören von Handy-Mailboxen tausender Menschen, darunter Verbrechensopfer und Prominente, vor einer Woche eingestellt worden. Murdoch schaltete am Wochenende große Anzeigen in der Presse, in denen er sich für den Skandal entschuldigte.

Am Montag wurde ein ehemaliger Reporter der "News of the World" tot in seiner Wohnung gefunden. Bei dem Toten handele sich um Sean Hoare, der den früheren Regierungssprecher Andy Coulson belastet hatte und damit den Skandal aufgedeckt hatte, teilte die Polizei mit. Ein Verdacht auf eine Gewalttat bestehe jedoch nicht.

S&P senkt Ausblick für News Corp.

Ebenso wächst der Druck auf Premierminister David Cameron. Oppositionsführer Ed Miliband sagte, Cameron sei in seinen Entscheidungen "gelähmt". Auch Stephenson forderte Cameron indirekt zum Rücktritt auf. Cameron hatte lange an seinem ehemaligen Regierungssprecher Coulson festgehalten, der schon 2007 wegen der Affäre als Chefredakteur der "News of the World" zurückgetreten war. Ferner wird Cameron eine ungesunde Nähe zu Murdoch-Managern wie Rebekah Brooks nachgesagt. In nur 15 Monaten Amtszeit hat es 26 Treffen des Regierungschefs mit der Murdoch-Führung gegeben.

Inzwischen hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von News Corp auf "negativ" herabgestuft. Seit einer Prüfung in der vergangenen Woche seien die Ermittlungen in Großbritannien ausgeweitet worden, hieß es zur Begründung. Zudem verwies die Ratingagentur auf den "Verlust des guten Rufs" des Konzerns, eine "Schwächung" der Führungsebene nach mehreren Rücktritten und den Verzicht auf die geplante Übernahme des britischen Bezahlsenders BSkyB.

Der Konzern gerät auch im Internet vermehrt unter Druck. Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN ist die Webseite der britischen Boulevardzeitung "The Sun" kurzzeitig gehackt worden. Besucher der Webseite seien zu einer gefälschten Meldung über einen angeblichen Selbstmord Murdochs weitergeleitet worden. Die Hackergruppe Lulz Security bekannte sich nach dem CNN-Bericht vom Montag via Kurznachrichtendienst Twitter zu dem Angriff. Die Gruppe kündigte weitere Cyberattacken in den kommenden Tagen an. Lulz Security hatte sich bereits auf Webseiten von Unternehmen wie Sony und auch des US-Senats eingehackt.

mg/dpa/dapd
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