Abhörskandal Scotland-Yard-Chef tritt zurück

Die britische Abhör- und Bestechungsaffäre um den Medienmogul Rupert Murdoch zieht immer größere Kreise. Nachdem Murdochs Topmanagerin Rebekah Brooks zurückgetreten ist und vorübergehend festgenommen wurde, hat nun auch Londons Polizeichef seinen Hut genommen.
Polizeichef Stephenson: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Polizeichef Stephenson: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Foto: STEPHEN HIRD/ REUTERS

London - Der Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" weitet sich immer mehr aus. Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson trat am Sonntagabend wegen der Vorwürfe der Verstrickung seiner Behörde in die Affäre von seinem Amt zurück.

Stephenson, Chef der Metropolitan Police, wie Scotland Yard offiziell heißt, begründete seinen Rücktritt in einer live vom Fernsehen übertragenen Stellungnahme mit den "Spekulationen und Anschuldigungen" über Verbindungen von seiner Behörde zur Zeitungsgruppe News International, die dem Verleger und Medienmogul Rupert Murdoch gehört. Er habe sich aber nichts vorzuwerfen, betonte Stephenson.

Der Polizeibehörde wird vorgeworfen, trotz erster Vorwürfe gegen "News of the World" im Jahr 2005 den Abhörskandal nicht aufgedeckt zu haben. Stephenson selbst wird mit dem vor wenigen Tagen festgenommenen ehemaligen "News of the World"-Vizechefredakteur Neil Wallis in Verbindung gebracht. Der Polizeichef soll Berichten zufolge Anfang des Jahres fünf Wochen in einem Luxushotel verbracht haben, als dessen PR-Berater Wallis arbeitete. Scotland Yard hatte zudem zugegeben, dass Wallis nach seinem Wechsel in die PR-Branche eine Zeitlang als Berater für die Polizei gearbeitet hatte.

Premierminister David Cameron bedauerte den Rücktritt Stephensons. Dies sei ein "trauriger Moment für ihn". Cameron selbst steht wegen seiner einst engen Kontakte zu Murdoch-Medien in der Kritik. So machte er einen ehemaligen Chefredakteur der "News of the World", Andy Coulson, zu seinem Sprecher. In einer Spitze gegen Cameron sagte Stephenson bei seiner Rücktrittserklärung, anders als Coulson habe Wallis bei der "News of the World" nicht zurücktreten müssen und werde auch nicht mit den ursprünglichen Ermittlungen wegen des Abhörens von Mailboxen in Verbindung gebracht.

Brooks wieder auf freiem Fuß

Am Sonntag nahm die Polizei bereits die frühere Chefredakteurin des Blattes und enge Vertraute von Verleger Rupert Murdoch, Rebekah Brooks, zwischenzeitlich fest. Brooks erschien nach einer Vorladung bei der Polizei und wurde dann festgenommen. Nach zwölfstündiger Befragung wurde sie gegen Mitternacht gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt, wie die Polizei mitteilte. Sie muss Ende Oktober wieder auf einer Polizeistation vorstellig werden. Die 43-Jährige war zurzeit des Abhörskandals für die "News of the World" verantwortlich, bis zu ihrem Rücktritt am Freitag war sie Chefin von Murdochs britischer Zeitungsgruppe News International. Laut Polizei steht Brooks unter Verdacht, für die Bestechung von Polizisten und das Abhören von Mailboxen mitverantwortlich zu sein.

Brooks war die zehnte Verdächtige, die im Zusammenhang mit der Affäre festgenommen wurde. Sie soll eigentlich am Dienstag gemeinsam mit Murdoch und dessen Sohn James vor dem Medienausschuss des Unterhauses zum Abhörskandal Rede und Antwort stehen, nach ihrer vorläufigen Festnahme sagte ihr Sprecher aber, dies stelle ihr Erscheinen in Frage.

Die "News of the World" war im Zuge immer neuer Enthüllungen um das Abhören von Handy-Mailboxen tausender Menschen, darunter Verbrechensopfer und Prominente, vor einer Woche eingestellt worden. Murdoch schaltete am Wochenende große Anzeigen in der Presse, in denen er sich für den Skandal entschuldigte.

Oppositionschef Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem "Observer" am Sonntag, die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden. Murdochs Marktmacht sei "gefährlich", sagte der Labour-Politiker. "Er hat zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien." News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.

An der australischen Börse verloren die Aktien von Murdochs News Corp. am Montag mehr als 5 Prozent an Wert. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie knapp 12 Prozent eingebüßt.

mg/afp
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