Murdoch-Imperium Britische Zeitungsgruppe soll verkauft werden

Rupert Murdoch versucht zu retten, was zu retten ist. Offenbar will er sich von seiner britischen Zeitungsgruppe News International trennen, hat allerdings Probleme einen Kaufinteressenten zu finden. Unterdessen befasst sich das britische Parlament mit der Übernahme des Senders BSkyB durch den Medienmogul.
Rupert Murdoch: Schlechte Stimmung seitens der britischen Regierung gegen den Chef der News Corp.

Rupert Murdoch: Schlechte Stimmung seitens der britischen Regierung gegen den Chef der News Corp.

Foto: LEON NEAL/ AFP

New York/London - Das durch die Abhöraffäre um das britische Boulevardblatt "News of the World" ins Wanken geratene Medienimperium von Rupert Murdoch könnte sich einem Zeitungsbericht zufolge von allen seinen Zeitungen in Großbritannien trennen. Der Konzern sondiere das Interesse von möglichen Käufern für seine britische Zeitungsgruppe News International, berichtete das "Wall Street Journal" auf seiner Internetseite. Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds für Printmedien habe sich bislang aber kein Kaufinteressent gemeldet.

"In den kommenden sechs Monaten" könnte ein neuer Versuch gestartet werden, schrieb das "Wall Street Journal", das ebenfalls zum Murdoch-Konzern gehört, unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Neben der inzwischen eingestellten "News of the World" gibt News International die Zeitungen "The Sun", "The Times of London" und "The Sunday Times" heraus.

Journalisten der "News of the World" sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten angezapft haben. Die Affäre ist einer der größten Medienskandale in der Geschichte Großbritanniens und beschäftigt das Land bereits seit einigen Jahren. Nach dem Bekanntwerden neuer Details stellte Murdoch die Boulevardzeitung ein, am Sonntag erschien die letzte Ausgabe.

Opposition fordert, von der BSkyB-Übernahme Abstand zu nehmen

Der Skandal gefährdet auch Murdochs geplante Übernahme der britischen Pay-TV-Gruppe BSkyB, die derzeit von den Kartellbehörden geprüft wird. Das Parlament in London sollte sich am heutigen Mittwoch mit einem Antrag der oppositionellen Labour-Partei befassen, der den Medienmogul auffordert, von der Übernahme Abstand zu nehmen.

Auch die Koalitionsregierung von Premierminister David Cameron stellt sich hinter den Antrag. Dieser macht geltend, dass ein Angebot zur Übernahme der vollen Kontrolle von BSkyB nicht im nationalen Interesse sei. Der Antrag besitzt zwar keine Gesetzeskraft, wäre mit der Unterstützung der drei größten Parteien aber ein deutlicher Ausdruck der Stimmung gegen das Medienimperium des Rupert Murdoch.

Cameron ist wegen seiner engen Verbindungen zum Murdoch-Konzern im Zusammenhang mit der Abhöraffäre selbst in der Kritik geraten. Der Premier wollte vor den Abgeordneten Stellung nehmen. Dem TV-Sender Sky News zufolge plant Cameron, die Untersuchung zum Fall "News of the World" zu einer allgemeinen Überprüfung des Verhältnisses zwischen Politikern und Medien in Großbritannien auszuweiten.

sk/afp/dapd