Sonntag, 21. April 2019

Wachstumskapital Europas Geldadel greift nach Afrika

Ostafrika: Unerschlossener Landreichtum

Afrika ist der letzte unverteilte Markt. Jetzt soll der deutsche Chef der African Development Corporation den schwarzen Kontinent auch für Europas schwerreiche Familiendynastien erschließen - auch dort, wo politische Stabilität fern ist.

Kigali - Dirk Harbecke könnte es allein mit der Strecke Kigali-Berlin zum Vielflieger bringen. Manchmal reist er die Strecke zweimal im Monat ab, pendelt zwischen seinem Büro in der Hauptstadt des ostafrikanischen Staates Ruanda und der Wohnung, die er und seine Frau in Deutschlands Hauptstadt bewohnen.

Das Meilenkontingent eines Globalbürgers wäre auch mit Harbeckes innerafrikanischen Flügen aufgefüllt. Der Senior Manager der African Development Company (ADC) bewegt sich zwischen Ländern hin und her, deren genaue geographische Lage andere auf der Weltkarte nachschauen müssten: Äquatorial-Guinea, Simbabwe, Sambia, Ghana, Südafrika, Botswana, Kenia, Nigeria.

Für Harbecke ist Deutschland nach wie vor Heimat, doch Afrika ist sein Spielplatz, wo er Unternehmertum und Abenteuer vereinen kann. Wenn er über Chancen und Risiken des dortigen Marktes redet, dann versteht man, warum der 39-jährige vor vier Jahren seinen Job bei einer Unternehmensberatung, für die er in Berlin tätig war, aufgab und lieber in Afrika Neuland ergründen wollte.

ADC entstand 2008 als Finanzdienstleistungsunternehmen mit einer Spezialisierung auf Banken und Versicherungen in Sub-Sahara-Afrika. Mutterhaus ist die Frankfurter Altira, ein Unternehmen der Angermayer, Brumm und Lange Gruppe. Dort hatte man bereits Erfahrungen mit Investitionen in Indien gesammelt und zudem den afrikanischen Markt lange beobachtet. Als Pilotland und zugleich als Sitz der ADC wurde Ruanda erwählt.

Investments in Finanzdienstleister

Das ostafrikanische Land strebt danach, Service-Hub für Technologie und Kommunikation in Ostafrika zu werden, und obwohl der dortige Präsident Paul Kagame nicht unumstritten ist, gilt er als Garant für Stabilität. Zunächst beteiligte sich ADC an einer führenden ruandischen Bank, hat diese Anteile aber inzwischen wieder verkauft. "Wir transferieren auch Know-how und Netzwerke. Uns ist es wichtig, den jeweiligen Banken und Unternehmen auf die Beine zu helfen und uns dann wieder zurückzuziehen", so Harbecke. Augenblicklich befinden sich im Portfolio des Finanzdienstleisters zwei Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen, einer aus Ruanda, einer aus Südafrika, sowie Banken aus Simbabwe, Äquatorial-Guinea und Botswana. 2010 ging ADC an die Börse und stieg im Januar 2011 in Kenia mit Anteilen am drittgrößten Versicherungsanbieter ins Versicherungswesen ein.

Als Harbecke nach Ruanda ging, wusste er nur, was jeder weiß: dass 1994 dort ein Genozid statt fand. Und nebenan der Ostkongo mit seinen Kriegen und Massenvergewaltigungen liegt. Tatsachen, die er nicht ignoriert, aber doch klein hält. Apologetentum ist ihm so fremd wie Gutmenschengehabe. "Es gibt verschiedene Arten, den Kontinent wahrzunehmen. Für uns sind entscheidend das Entwicklungspotential und die Investitionschancen."

Harbeckes Begeisterung für Afrika entwächst nicht allein aus den Gewinnmargen. "Unternehmertum mit Spaßfaktor", nennt er die Möglichkeiten dort. "Es wird viel über Risiko geredet, selten über die Vorteile, die da sind: Kurze Entscheidungswege, ein hoher wirtschaftlicher und politischer Impetus und innovative und fantasievolle Wege zum Ziel."

Der Ausweitung des Aktionsradius geht bei ADC intensive Marktforschung voraus. Nicht zufällig engagiert sich ADC in Ländern mit großen Rohstoffvorräten und einem hohen Wachstum. Simbabwe hat Gold, Diamanten und unermesslichen Landreichtum, Botswana ebenfalls Diamanten, Äquatorial-Guinea und das neuerdings ins Visier von Harbecke geratene Ghana haben riesige Ölvorkommen. Für Ghana hat die Weltbank zudem für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von fast 10 Prozent vorhergesagt.

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