Dienstag, 12. November 2019

Beschluss Frenzel bleibt zwei weitere Jahre Tui-Chef

"Überlebenskünstler": Tui-Chef Frenzel

Kaum ein Manager ist so umstritten und steht so lange an der Spitze eines Konzerns wie Tui-Chef Michael Frenzel. Jetzt hat der Aufsichtsrat den Vertrag des 64-Jährigen um zwei Jahre vorzeitig verlängert. Frenzel will und muss nun abschließen, was er vor 17 Jahren begonnen hat. Es geht um sein Lebenswerk.

Hannover - Michael Frenzel (64) gilt als Phänomen - als "Überlebenskünstler" wird er immer wieder beschrieben. Mit taktischem Geschick, Machtinstinkt und auch mit Glück hat der Tui-Chef alle Anfeindungen und Schmähungen überstanden. Und davon gab es viele in den mehr als 17 Jahren, seit Frenzel an der Konzernspitze steht.

Gestern Abend war der Vertrag des 64-Jährigen vom Aufsichtsrat um zwei weitere Jahre bis März 2014 verlängert worden. Kaum ein anderer Manager stand so lange an der Spitze eines deutschen Großkonzerns.

Noch auf der Hauptversammlung im Februar hatten sich viele Aktionäre mit Vehemenz gegen eine Vertragsverlängerung gewandt. Die Tui Börsen-Chart zeigen brauche einen Neuanfang, Frenzel habe Werte vernichtet, ätzten sie nicht zum ersten Mal. Der Aktienkurs dümpelt auf niedrigem Niveau dahin, langjährige Anteilseigner haben Geld verloren und Dividende gibt es seit zwei Jahren auch nicht mehr.

Doch Frenzel kann sich halten - inmitten eines Netzes befreundeter Aktionäre und Aufsichtsräte, die seinen Kurs stützen und mit ihm im Reisegeschäft verdienen wollen. Der russische 20-Prozent-Großaktionär Alexej Mordaschow gehört dazu - er will mit der Tui den russischen Markt erobern. Mordaschow, mit zwei Getreuen unter den Kontrolleuren, gilt als einer der Haupttreiber der Vertragsverlängerung.

Aber auch Carmen Riu dürfte von der Idee schnell überzeugt gewesen sein. Von dem nun anstehenden Ausbau des Reisegeschäfts dürfte auch ihre Hotelkette profitieren, an welcher der Tui-Konzern beteiligt ist. Frenzel hat stets verstanden, Großaktionäre mit Touristik-Interesse zu gewinnen und im Aufsichtsrat zu verankern. Kritiker fragten schon, wer bei Tui eigentlich wen kontrolliere.

Netz befreundeter Aktionäre und Aufsichtsräte

Aber es ist damit auch gelungen, eine Zerschlagung zu verhindern und zweifelhafte Finanzinvestoren zu verscheuchen, die den Konzern vor einigen Jahren ins Visier genommen hatten. Und das ist auch für die Arbeitnehmer ein entscheidender Punkt. Deren Bank im Aufsichtsrat hat der Vertragsverlängerung gestern zugestimmt. Der Konzern sei weiter in einer schwierigen Lage, heißt es aus den Reihen der Gewerkschaft Verdi. Da könne Frenzel mit seiner langjährigen Erfahrung hilfreich sein.

Der Touristikexperte von der Fachhochschule Wernigerode und frühere Tui-Vorstand Karl Born meint, die Belegschaft habe genug von ständigen Strategieschwenks. "Sie wollen, dass Ruhe einkehrt, und bei Frenzel wissen sie, wo sie dran sind." Bei einem neuen Chef sei das dagegen ungewiss.

Frenzel will das Reisegeschäft ausbauen, die Nochbeteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd steht zum Verkauf. Mit dem Erlös sollen Schulden getilgt und im weltweiten Tourismus investiert werden.

In einem ziemlich einmaligen Projekt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte formte Frenzel aus dem industriellen Mischkonzern Preussag mit Kohle, Stahl und Transport einen Tourismuskonzern. Er wurde "Manager des Jahres 2000" des "Manager-Magazins", aber er hat auch viel Schelte einstecken müssen. Die Strategie sei verfehlt, er habe zu billig verkauft und zu teuer eingekauft, lauteten Vorwürfe. Um das Projekt zu Ende zu bringen, hat er jetzt noch fast drei Jahre Zeit - es geht um sein Lebenswerk.

Eva Tasche, dpa

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