Auftragsflut für A320neo Airbus stellt Boeing in den Schatten

Der neue Mittelstreckenflieger A320neo von Airbus entwickelt sich zum echten Kassenschlager. Den jüngsten Großauftrag der indischen Airline GoAir toppte auf der Flugschau in Le Bourget die malaysische Billiglinie AirAsia, die 200 Maschinen auf einen Schlag bestellte. Boeing kann da nur neidisch zuschauen.   
Erfolgsmodell A320neo: Nie zuvor verkaufte Airbus so viele Flugzeuge auf einen Schlag

Erfolgsmodell A320neo: Nie zuvor verkaufte Airbus so viele Flugzeuge auf einen Schlag

Foto: Airbus Press Office/ dpa

Paris - Mit dem Erfolg seines neuen Mittelstreckenjets A320neo hat der Flugzeugbauer Airbus seinen US-Konkurrenten Boeing auf dem Pariser Luftfahrtsalon weit hinter sich gelassen. Die spritsparende Neuauflage des Kassenschlagers A320 bescherte den Europäern einen Auftragsrekord: Der asiatische Billigflieger AirAsia hat bei der EADS-Tochter 200 Exemplare des Fliegers bestellt. Laut Preisliste hat der Auftrag einen Wert von 18 Milliarden Dollar. "Gemessen an der Zahl der bestellten Maschinen ist das die beste Messe, die es je für einen Flugzeugbauer gegeben hat", sagte Airbus-Chef Tom Enders am Donnerstag auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris.

Insgesamt sammelte die EADS-Tochter Airbus bis Donnerstagmittag Bestellungen und Vorverträge für insgesamt 730 Flugzeuge mit einem Listenpreis-Wert von 72,2 Milliarden US-Dollar (50,2 Milliarden Euro) ein. Konkurrent Boeing aus den USA musste sich mit einem Bruchteil davon begnügen.

Die Aktie der Airbus-Mutter EADS  reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Bis zum frühen Nachmittag legte das Papier an der Pariser Börse um 1,19 Prozent auf 22,11 Euro zu und setzte sich damit an die Spitze des französischen Leitindex CAC 40 . Bereits seit Beginn der Messe am Montag hatte die Aktie kontinuierlich an Wert gewonnen.

Aufträge auch für A380

Auch das Airbus-Flaggschiff A380 erfuhr auf der Messe neuen Zuspruch. Airbus-Verkaufschef John Leahy vermeldete Neuaufträge für zwölf Exemplare des größten Passagierfliegers der Welt. Zwei davon orderte die japanische Fluggesellschaft Skymark, zehn weitere ungenannte Kunden. Laut Preisliste haben die zwölf Maschinen einen Wert von 4,5 Milliarden Dollar. Allerdings sind beim Flugzeugkauf Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Mit mehr als 600 Bestellungen entfiel der Löwenanteil der Messeaufträge auf die A320neo. Damit liegen jetzt insgesamt 1029 Aufträge für die Neuauflage des Kassenschlagers A320 vor, die erst im Dezember vorgestellt worden war. Bereits vor der AirAsia-Order hatte die indische Fluggesellschaft GoAir 150 A320 bestellt.

Der Flugzeugbauer macht sich bereits Gedanken, wie er die Auftragsflut bewältigen soll. Airbus hat bereits den Bau neuer Produktionslinien angeschoben. Nach den bisherigen Plänen sollen ab Herbst 2012 damit monatlich 42 Maschinen der A320-Familie die Werkshallen verlassen - derzeit sind es 36. "Wir erwägen, die Produktion noch stärker auszuweiten als geplant", sagte Enders. Die starke Nachfrage nach dem Flugzeugtyp hängt auch mit dem hohen Ölpreis zusammen: Die "neo" soll 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als die herkömmliche A320. Damit dürften die Betriebskosten für die Fluggesellschaften deutlich sinken.

Airbus-Konkurrent Boeing aus den USA musste sich auf der Messe mit Neuaufträgen über 114 Flugzeuge für 17 Milliarden Dollar begnügen. Weitere in Le Bourget verkündete Aufträge hatten die Amerikaner bereits vor der Messe verbucht und gaben auf der Messe lediglich die Namen der Kunden bekannt. Für das Konkurrenzmodell zum Airbus A320neo, die Boeing 737, gingen lediglich 77 Bestellungen ein. Die Amerikaner wollen erst bis Jahresende entscheiden, wie sie auf die Herausforderung durch den neuen Airbus-Jet reagieren wollen. Zur Debatte stehen eine modernisierte Version mit neuen Triebwerken wie bei Airbus oder ein komplett neu entwickeltes Flugzeug.

cr/afp/dpa-afx
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