Konzernumbau RWE will Stromnetz verkaufen

RWE will nach Medieninformationen in den kommenden Tagen die Mehrheit an seinem Stromnetz verkaufen. Das soll dem Konzern fast eine Milliarde Euro einbringen. Damit vollzöge RWE nach, was die Konkurrenz unter dem Druck der Regulierer bereits vorgemcht hat.
Stromleitungen in Mecklenburg-Vorpommern: Netzausbau hat Vorrang

Stromleitungen in Mecklenburg-Vorpommern: Netzausbau hat Vorrang

Foto: Jens Büttner/ dpa

Essen- Tage der Entscheidung bei RWE in Essen: Nicht nur die Antwort des Konzerns auf den Regierungswillen zur Energiewende muss gefunden werden. RWE-Chef Jürgen Grossmann beugt sich nun offenbar auch dem Druck der Regulierer auf dem deutschen Strommarkt, die den Konzernen die Trennung von ihrem Hochspannungsleitungsnetz auferlegen wollten.

Bereits in den nächsten Tagen wolle der Konzern sich von der Mehrheit seiner Netzsparte Amprion trennen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Finanzkreise. Bis Ende Juni sollen demnach 75 Prozent der Amprion-Anteile den Besitzer wechseln. Damit wolle RWE fast eine Milliarde Euro einnehmen.

Dass der Konzern ohnehin sparen muss und sich von zahlreichen Beteiligungen trennen will und dadurch mehrere Milliarden einnehmen will, hatte er bereits im Februar verkündet. Allerdings hatte das Unternehmen zu den geplanten Verkäufen keine Details genannt.

Die Tochter Amprion ist ein Netzbetreiber. Sie betreibt ein 11.000 Kilometer langes Hochspannungsnetz, das mehr als 25 Millionen Kunden in West- und Süddeutschland mit Strom versorgt. Die Commerzbank-Tochter Commerz Real werde im Auftrag von RWE in Kürze den Verkauf an bis zu acht Investoren aus der Finanzbranche besiegeln, berichtete die Zeitung. Dazu gehöre auch der Allianz-Konzern. Die Käufer würden zusammen drei Viertel der RWE-Tochter übernehmen. RWE, die Commerzbank und die Allianz lehnten einen Kommentar ab.

Großmann plant offenbar Treffen mit Gazprom-Chef

RWE selbst werde eine Sperrminorität von 25 Prozent behalten und sich die technische Führung des Netzbetriebs sichern, berichtete die Zeitung weiter. Die Netzbetreiber in Deutschland werden bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Denn zu den dringlichsten Plänen der Regierung zählt der Netzausbau. Viele Trassen gelten als instabil.

Laut dem Bericht prüft die RWE-Führung internationale Partnerschaften und sucht auch den Kontakt zum russischen Rohstoffkonzern Gazprom. RWE-Chef Jürgen Großmann werde in Kürze zu bislang geheim gehaltenen Gesprächen mit Gazprom-Chef Alexej Miller zusammentreffen, hieß es unter Berufung auf das Umfeld Millers. Das Treffen solle in Russland stattfinden. Auch ein RWE-Manager habe ein Treffen bestätigt, berichtete die Zeitung und zitiert ihn mit den Worten: "Es geht um die laufenden Geschäftsbeziehungen zwischen unseren Häusern." Gazprom-Chef Miller hat bereits vor Jahren immer wieder - bisher allerdings vergeblich - versucht, im bedeutenden Umfang in Deutschland Fuß zu fassen.

Neben seinen Umbauplänen macht RWE aber zugleich auch Front gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Als erster deutscher Kernkraftwerksbetreiber will der Konzern noch am Mittwoch Widerspruch gegen die Brennelementesteuer einlegen. Das sagte eine Unternehmenssprecherin und bestätigte damit einen Bericht der "Rheinischen Post".

Auch Konkurrent Eon hat für Juli eine Klage gegen die Steuer angekündigt. Die Konzerne sehen die Abgabe als rechtswidrig an. Sie war von der Bundesregierung im Zuge der AKW-Laufzeitverlängerung eingeführt worden, soll aber auch nach der Energiewende beibehalten werden. Mit der Steuer will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von den vier AKW-Betreibern E.on, RWE, EnBW und Vattenfall insgesamt jährlich rund 1,3 Milliarden Euro kassieren.

mmq/kst/dpa-afx/rtr/dapd
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