Blurb-Chefin Gittins "Wir gelten als cooler Geheimtipp"

Blurb ermöglicht es online, Bücher in Eigenregie zu veröffentlichen. In den USA ist der Dienst einer der erfolgreichsten, jetzt gibt es ihn auch in Deutschland. manager magazin sprach mit CEO Eileen Gittins über einen möglichen Börsengang - und über Fitness-Päpste als Kunden.
Von Astrid Maier
"Investoren sollen sich melden": Blurb benötigt frisches Geld

"Investoren sollen sich melden": Blurb benötigt frisches Geld

mm: Nun haben in Deutschland die Menschen dank Blurb eine Möglichkeit mehr, Bücher in Eigenregie zu publizieren. Ob online oder offline in Auftrag gegeben, Bücher im Eigenverlag gibt es doch schon genug - wo bleibt da die attraktive Wachstumsstory?

Gittins: Ich weiß, nur Menschen, die es bei einem anständigen Verlag nicht hinbekommen, bringen ihre Bücher selbst heraus. Eine ziemlich uncoole Angelegenheit also. Diese Einstellung war bis vor kurzem auch in den USA weit verbreitet. Das hat sich aber gerändert. Vielmehr noch: Wir gelten inzwischen selbst bei Prominenten und Politikern als cool, als Geheimtipp.

mm: Wie meinen Sie das genau?

Gittins: Nehmen Sie zum Beispiel David Kirsch. Das ist ein Fitness-Papst in den USA, der schon Heidi Klum in Form gebracht hat. Er hat früher seine Bücher bei regulären Verlagen publiziert - und sich über die bis zu zwei Jahre währenden Abstimmungsprozesse bis zur Veröffentlichung geärgert. Mit uns konnte er ein Buch in nur zwei Monaten herausbringen und er verdient bis zu fünf Euro pro Stück. Das ist deutlich mehr als im klassischen Verlagsgeschäft üblich. Er hat jetzt die ganze Kontrolle, und er verdient das ganze Geld. Sein erstes Exemplar bei Blurb verkaufte sich 30.000 Mal, das zweite ebenso. Aus solchen Gründen fragen sich die Menschen in den USA inzwischen, warum sie noch zu einem altmodischen Verlag gehen sollen. Und das wird auch in Deutschland so geschehen.

mm: Aber mit Prominenten allein verdienen sie nicht Ihr Geld, oder?

Gittins: Nein, unsere Kunden setzten sich zur Hälfte aus Endverbrauchern zusammen, die etwa ihr persönliches Kochbuch zusammenstellen wollen. Die andere Hälfte sind professionelle Nutzer wie Grafiker oder Fotografen. Und wir gewinnen immer mehr Unternehmen als Kunden hinzu, zum Beispiel Restaurants, für die es sich bei einer Auflage von etwa 300 Stück nicht lohnt, zu einem traditionellen Verlag zu gehen, um ein Buch mit ihren besten Rezepten zu erstellen. Erst neulich habe ich erfahren, dass das Trickfilm-Studio Pixar einer unserer enthusiastischsten Kunden ist.

mm: Wie denn das?

Gittins: Pixar stellt gerne zu seinen Filmen handsignierte Bücher zusammen für alle Mitarbeiter, die an dem Streifen mitgewirkt haben. Die Bücher werden nach der studiointernen Premiere an alle Mitwirkenden verteilt. Das hat Pixar für die Filme "WallE" oder "Toy Story" etwa so gemacht. Und wir waren so auch die ersten, die außerhalb der Filmstudios Photos aus dem Film Avatar gesehen haben.

"Europäische Investoren sollen sich bei uns melden"

mm: Das klingt ja alles sehr glamourös. Aber verdienen Sie unterm Strich überhaupt Geld bei so viel hochwertigen Fotopublikationen in Ihrem Angebot?

Gittins: Wir sind seit 2008 profitabel und wir haben die Profitabilität in nur zweieinhalb Jahren nach Firmengründung erreicht. Ich kann keine näheren Angaben dazu machen, da wir noch nicht börsennotiert sind, nur so viel: Unsere Margen sind sehr viel höher als bei traditionellen Verlagen üblich, da wir schlanker aufgestellt sind. Und sie werden sogar immer üppiger, seit der Anteil an E-Books, also an digitalen Büchern, etwa fürs iPad, steigt.

mm: Noch nicht börsennotiert - heißt das, der Gang aufs Parkett steht kurz bevor?

Gittins: In diesem Jahr sicher nicht. Um an die Börse zu gehen, muss man verlässliche Prognosen treffen können, sonst wird man bitter abgestraft, wenn es daneben geht. So weit sind wir nicht, wir wachsen noch zu unkontrolliert. Aber nächstes Jahr könnten wir soweit sein.

mm: Wozu brauchen Sie überhaupt frisches Kapital?

Gittins: Wir benötigen jetzt schon 25 Millionen Dollar für die Kriegskasse und sind gerade dabei, das Geld bei amerikanischen Venturefonds einzusammeln. Europäische Investoren sind uns natürlich genauso willkommen, nur haben wir hier noch keine Interessenten getroffen. Bitte schreiben Sie das auf: Europäische Investoren sollen sich bei uns melden! Wir könnten deren Expertise für unsere Expansion in Europa gut gebrauchen.

mm: Sie brauchen also Geld für die Expansion?

Gittins: Drei Dinge haben wir uns vorgenommen: Weitere Märkte im Ausland zu erobern, etwa innerhalb Europas, aber auch Brasilien, Japan und Südkorea. Zudem müssen wir unser technologisches Knowhow für die Digitalisierung unserer Produkte ausbauen. Und schließlich wollen wir mehr Marketing betreiben, erstmals auch Print- oder TV-Kampagnen starten. Ich kann mir vorstellen, dass Werbespots auf Spartenkanälen wie Reise- oder Kochsendern sehr gut für unser Geschäft sein können.

mm: Sie könnten Ihr Unternehmen auch gleich einem großen Internet-Konzern feilbieten.

Gittins: Das kommt tatsächlich auch in Frage. Es ist nicht so, dass wir schon Banken mit dem Verkauf beauftragt hätten. Aber wir hören uns Angebote an, es hat schon einige gegeben. Aber im Moment arbeiten wir eher auf einen Börsengang hin.

mm: Lässt sich Ihr derzeitiges Umsatzwachstum von jährlich 30 Prozent langfristig überhaupt aufrechterhalten?

Gittins: Wir bauen zunehmend soziale und digitale Elemente in unser Angebot ein. Facebook ist heute das weltweit größte Foto-Archiv der Welt. Darauf müssen wir reagieren. Und was genau ist heutzutage überhaupt ein Buch? Dieses Konzept ändert sich mit der fortschreitenden Digitalisierung vor unseren Augen. Wird ein Buch Audio- und Video-Elemente enthalten? Und wie integrieren wir diese derart, dass sie in die Geschichte des Buches passen? Es ist also noch viel mehr drin für uns.

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