Mittwoch, 27. Mai 2020

Griechische Schuldenkrise Warum Herr Tassakos jetzt in Athen investiert

Wiederaufbau nötig: Wirtschaftsexperten fordern einen Marshall-Plan für Griechenland, erste Unternehmer investieren
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Wiederaufbau nötig: Wirtschaftsexperten fordern einen Marshall-Plan für Griechenland, erste Unternehmer investieren

Ein Marshall-Plan kann auch im Kleinen beginnen - davon ist der deutsch-griechische Unternehmer Lambis Tassakos überzeugt. Der Chef eines Stuttgarter Autozulieferers baut sein Geschäft in Hellas kräftig aus. Die Gelegenheit sei optimal, andere Firmen sollten sich ein Beispiel nehmen.

Hamburg - Bei all dem Optimismus, den Lambis Tassakos ausstrahlt - auch er hat den rauen Wind für Besucher aus Deutschland in Griechenland schon gespürt. "Die Zinsbanditen kommen", habe ein Taxifahrer nur geraunt, als der Chef des kleinen Stuttgarter Autozulieferers Inos mit einer Delegation aus der Bundesrepublik jüngst in Athen unterwegs war. Viele Griechen zürnen den Deutschen, weil das EU-Rettungspaket für den Staatshaushalt mit drastischen Sparauflagen verbunden ist.

Doch das schreckt den Griechen Tassakos von seinem großen Vorhaben nicht ab. Deutsches Geld soll die Privatwirtschaft im hochverschuldeten Hellas wieder in Schwung bringen - das ist die Vision des 51-Jährigen. Die Voraussetzungen seien gut für einen Marshall-Plan für Athen unter deutscher Führung.

Gerade hat Tassakos gezeigt, wie er das meint. Die Belegschaft seiner Athener Tochterfirma hat er mitten in der Schuldenkrise um die Hälfte auf 37 Mitarbeiter vergrößert. Die zwölf neuen Mitarbeiter entwickeln fortan Konzepte für den intelligenten Einsatz von Robotern in der weltweiten Automobilproduktion.

"Wir bringen den Robotern das Sehen bei", sagt Tassakos. Den Roboterbauer Kuka Börsen-Chart zeigen zählt er zu seinen Kunden, ebenso die Hersteller Daimler Börsen-Chart zeigen und General Motors Börsen-Chart zeigen.

Spitzentechnologie aus Griechenland - eine verwegene Idee?

Spitzentechnologie, konzipiert in Griechenland - dieser Ausweg aus der dramatischen Schuldenkrise mutet angesichts der wachsenden Probleme an Europas südöstlichem Rand verwegen an. Am Mittwoch haben wieder Tausende gestreikt und sind gegen die Sparmaßnahmen auf die Straße gegangen. Konjunktur und Konsum geraten unter Druck, die Arbeitslosigkeit steigt, die Banken hängen am seidenen Faden und vergeben kaum noch Kredite. Die industrielle Basis ist spätestens seit der EU-Osterweiterung erodiert.

Kein Wunder, dass der Standort Griechenland bei vielen Unternehmen zuletzt Fluchtreflexe ausgelöst hat. Aldi zieht sich zurück. Auch mehrere von manager magazin befragte Konzerne halten in Hellas bestenfalls die Füße still.

Die derzeit zu Schnäppchenpreisen angebotenen Staatsbeteiligungen locken kaum jemanden aus der Deckung. "Das haben wir überhaupt nicht auf dem Schirm", heißt es bei einem Logistikunternehmen. Die Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen hat ihr Engagement beim örtlichen Anbieter OTE nur zähneknirschend ausgebaut, weil der griechische Staat eine entsprechende Option gezogen hatte.

"Die Schnäppchen sind da", hält Unternehmer Tassakos dagegen. "Die Frage ist nur, ob man sich traut."

Argument Nummer eins für ein Investment ist aus Sicht des Griechen das Heer an ordentlich ausgebildeten Hochschulabsolventen, die vielfach ins Beuteschema deutscher Firmen passen. Die suchen bekanntlich händeringend nach Fachkräften, vor allem Ingenieure sind gefragt.

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