EBS-Skandal "Unsere Firma hat sich nichts zuschulden kommen lassen"

Die European Business School ist in die Schlagzeilen geraten, ihr wichtigster Geldgeber wurde mit hineingezogen. Christian Rast, Chef des betroffenen Unternehmens Brain Net, nimmt erstmals Stellung und spricht im Interview über Fehleinschätzungen - und welche Konsequenzen er jetzt zieht.
Von Karsten Stumm
European Business School: Private Hochschule in den Schlagzeilen

European Business School: Private Hochschule in den Schlagzeilen

Foto: dapd

mm: Herr Rast, Ihr Unternehmen findet sich im Zusammenhang mit dem EBS-Skandals wieder, der sich zum handfesten Problem für private Hochschulen in Deutschland entwickeln kann. Plötzlich ist die Rede von Vorteilsnahme und Schattenwirtschaft bei der European Business School (EBS), und Brain Net wird damit in Verbindung gebracht. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Rast: Der Prozess des Konsequenzenziehens läuft gerade intensiv. Professor Jahns …

mm: … der ehemalige, mittlerweile zurückgetretene EBS-Präsident, …

Rast: … genau, hat keine Funktionen mehr bei unsererm Unternehmen Brain Net.

mm: Werden Sie dann auch Ihre geschäftlichen Verbindungen zur EBS abbrechen? Das dürfte für diese private Hochschule ein schwerer Schlag werden, denn Sie zählten zu den Hauptfinanziers der EBS.

Rast: Wir waren sicherlich ein engagierter Kooperationspartner der European Business School. Das hätte jedermann auch leicht sehen können, wenn er wollte. Denn unser Firmenlogo beispielsweise stand gut lesbar auf einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien der EBS - neben dem Signet der EBS selber. Ob und wie wir die Zusammenarbeit fortsetzen, ist noch nicht entschieden.

mm: Haben Sie die Hiobsbotschaft der neuen EBS-Leitung um Professor Rolf Cremer schon überbracht?

Rast: Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der EBS-Leitung. Denn wir sind natürlich auch weiterhin daran interessiert, Zugang zu international orientierten Studenten zu haben, die vielleicht einmal bei uns arbeiten könnten. Wir loten aus, ob, und wenn ja, wie es in Zukunft eine Zusammenarbeit zwischen Brain Net und der EBS geben kann.

mm: Zuletzt sah die Zusammenarbeit so aus, dass ein Geschäftsführer der EBS auch noch in Personalunion Verwaltungsratsvorsitzender in Ihrem Unternehmen war. Genau über diese Doppelstruktur, die das angeblich unkontrollierte Abzeichnen von Rechnungen untereinander ermöglicht haben soll, ist Ex-EBS-Chef Jahns gestolpert. Solch eine personelle Verquickung wollen Sie aber nicht wieder aufleben lassen, oder?

Rast: Nein, das sicher nicht. Dies war auch nie das Ziel der Zusammenarbeit mit der EBS. Wenn es in Zukunft eine Zusammenarbeit zwischen EBS und Brain Net geben kann, dann wird so eine Konstruktion ausgeschlossen sein. Allerdings ist es nicht so, dass die vergangene Beziehung zwischen Brain Net und der EBS intransparent gewesen wäre. Im Gegenteil. Wir hatten alle Vorschriften der Aufsichtsgremien umgesetzt, uns sehr bewusst an allen Regularien für das Betreiben von Business Schools in der Bundesrepublik orientiert.

mm: Herr Rast, formal mögen Sie damit recht haben. Nicht einmal die Staatsanwaltschaft, die in den EBS-Skandal ermittelnd eingegriffen hat, erhebt ja solche Vorwürfe. Doch der Rückzug auf die juristische Ebene hat den eingetretenen Debattenschaden weder verhindern noch - bisher zumindest - eindämmen können.

Rast: Wir haben in dem Bewusstsein gelebt, das die Einhaltung der getroffenen, Regelungen und Vorschriften in Ordnung ist. Und auch in der Erwartung, keine Probleme zu bekommen, wenn die betroffenen Gremien entsprechend diesen Regularien für Business Schools stets informiert sind. Das haben wir ja immer getan. Wir haben die geforderte Transparenz tatsächlich gewährleistet.

"Brain Net verzeichnet ein gesundes Wachstum"

mm: Uns wundert, warum Sie diese Art der Verbindung zur EBS nicht noch einmal kritisch auf den Prüfstand gestellt haben, als die EBS sich von einer privaten Hochschule zu einer Universität verändern wollte - um damit ein quasi-staatliches Siegel zu erhalten. Damit wurde doch eine andere gesellschaftliche, wenn auch nicht gesellschafts-rechtliche Ebene, angestrebt.

Rast: Die EBS ist auch mit staatlichen Zuschüssen immer noch eine private Institution. Allerdings haben wir in der Zwischenzeit gelernt, dass private Institutionen, sobald Sie öffentlich gefördert werden, sich zu Objekten mit hohem öffentlichen Interesse wandeln können - und dann auch anders zu behandeln sind. Nicht nach den Buchstaben der Gesetze, sondern in der Art der Kommunikation.

mm: Ist es nicht auch eigentümlich, dass eine private Hochschule, die ihren Studenten die Corporate Governance als Schulfach verordnet, also die angemessene Unternehmensführung, ausgerechnet damit im Ansehen nach außen Probleme bekommt - und dann auch noch durch die Verbindung zu einer Beratungsfirma für Unternehmen?

Rast: Deshalb streben wir im Falle, dass wir mit der EBS weiterhin kooperieren werden, eben noch mehr Offenheit nach außen an. Und zwar so, dass auch jeder Anschein gewollter Intransparenz vermieden wird. Das ist die Lektion, die wir gelernt haben.

mm: Ist das Image von Brain Net, von Ihrem Unternehmen, jetzt schon beschädigt?

Rast: Unser Unternehmen hat sich ja nichts zu Schulden kommen lassen. Dass wir ein schlechtes Image hätten, hat uns deshalb noch nie jemand signalisiert.

mm: Sie spüren auch keine neue Reserviertheit guter Kunden?

Rast: Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Brain Net verzeichnet auch in diesem Jahr wieder ein gesundes Wachstum.

mm: Die EBS scheint dagegen betroffen zu sein. Personalberater sagen mittlerweile offen, dass EBS-Absolventen im Moment nicht problemlos in Jobs zu vermitteln seien.

Rast: Wenn man sieht, wie viel Zeit und Engagement diese jungen Menschen in ihre Ausbildung investieren, ist das eine Entwicklung, die Betroffenheit auslöst und insofern ist zu hoffen, - wenn es denn so ist - dass es sich nur um eine kurzfristige Reaktion handelt. Alle Beteiligten der Debatte müssen sich aber fragen, ob die Art der Auseinandersetzung mit diesem Thema ausreichend verantwortungsvoll ist.

mm: Könnte im Laufe der EBS-/Brain-Net-Debatte der Punkt erreicht werden, an dem Unternehmensberatungen in Deutschland nicht mehr das Risiko eingehen wollen, mit privaten Hochschulen zusammenzuarbeiten?

Rast: Solche Kreise darf die Debatte nicht ziehen. Unter den besten 25 Business Schools weltweit findet sich doch keine einzige deutsche. Erst langsam tut sich hierzulande etwas. Aber wie wollen wir den Rückstand aufholen, wenn eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Finanzierungsquelle solcher privaten Hochschulen versiegen sollte? Nämlich die transparente Zusammenarbeit mit Unternehmen.

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