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Tornado in Missouri: Schneise der Verwüstung

Foto: Larry W. Smith/ dpa

Klimawandel Deutsche Versicherer erwarten Milliardenschäden

Tornados in den USA, Brände in Russland: Auch in Deutschland werden sich die Menschen auf heftigere Wetterextreme einstellen müssen. Sturm, Hochwasser und Hagel werden Milliardenschäden anrichten, so eine Klimastudie. Die an der Studie beteiligte Assekuranz weist den Verdacht von Panikmache und Prämientreiberei von sich.

Hamburg/Berlin - Versinkende Südseeatolle, Torfbrände in Russland, gewaltige Tornados, die aktuell eine Spur der Verwüstung in den USA hinterlassen - die Zeichen des globalen Klimawandels nehmen viele Deutsche vor allem an den TV-Bildschirmen wahr. Noch.

Denn auch auch hierzulande werden im Zuge des Klimawandels Wetterextreme wie Sturm, Hitzewellen, Hagel und Überschwemmungen immer öfter und immer heftiger auftreten. Im Einzelfall könnten sie Schäden in Milliardenhöhe anrichten, wie eine Studie der deutschen Versicherungswirtschaft in Zusammenarbeit mit führenden deutschen Klimaforschern ergeben hat.

Einzelne große Fluten zum Beispiel, die Deutschland bislang im Schnitt alle 50 Jahre erlebt, könnten in Zukunft alle 25 Jahre wiederkehren und Schäden von 1,5 Milliarden Euro und mehr anrichten, sagte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Dienstag in Berlin. "Die Wettermaschine schaltet einen Gang höher", sagte auch Peter Höppe, Klimaexperte des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, während der im Internet übertragenen Pressekonferenz.

Die durch Stürme angerichteten Schäden werden in den kommenden 30 Jahren im Schnitt um 25 Prozent steigen und ab dem Jahr 2040 sogar um gut 60 Prozent, haben Modellrechnungen der Klimaforscher ergeben. Einzelne besonders schadenträchtige Sturmereignisse, wie sie Deutschland alle 50 Jahre erlebt, könnten künftig alle zehn Jahre eintreten.

Milliardenschäden durch Stürme: "Kyrill" kostete 2,4 Milliarden Euro

Die Versicherungswirtschaft rechnet nach Aussagen ihres Verbandspräsidenten Rolf-Peter Hoenen in solchen Fällen mit Schadenszahlungen von sieben bis acht Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die bislang teuerste Sturmkatastrophe war der Sturm "Kyrill" im Jahr 2007, der die Assekuranz seinerzeit 2,4 Milliarden Euro kostete.

Die gute Nachricht der dreijährigen Forschungsarbeit, an der neben den Klimaforschern des PIK, die Freie Universität Berlin und die Uni Köln mitwirkten: Der Bedarf der Menschen an Versicherungsschutz werde zwar zunehmen, aber Deutschland bleibe gegen Naturgewalten versicherbar. "Es steht nicht zu befürchten, dass womöglich ganze Gemeinden entlang von Oder, Elbe oder Main keinen Versicherungsschutz mehr bekommen werden", erklärte GDV-Präsident Hoenen.

Dass sich Bürger, Kommunen und Unternehmen angesichts der zu erwartenden höheren Schäden auf steigende Versicherungsprämien einstellen müssen, liegt auf der Hand. Prognosen über einen möglichen Prämienanstieg wagte der GDV aber nicht. Präsident Hoenen wies zugleich den Verdacht zurück, die Studie solle den Vorwand für künftig kräftig steigende Versicherungsbeiträge liefern.

"Dramatische Veränderungen vor unserer Haustür"

"Ziel dieser Untersuchung ist es nicht, unseren Kunden Prämienerhöhungen schmackhaft zu machen", sagte Hoenen. Vielmehr ginge es darum, in der Gesellschaft ein wachsendes Bewusstsein für die Gefahren zu wecken, die vom Klimawandel auch in Deutschland ausgingen. "Wir müssen mit dramatischen Veränderungen vor unserer Haustür und mit einem dramatisch steigenden Schadensaufwand rechnen, wenn wir nichts tun."

Schadenverhütung sei ein vorrangiges Ziel der Versicherungswirtschaft in Deutschland. Deshalb leite die Assekuranz aus den Studienergebnissen auch zahlreiche Forderungen an Bund, Länder, Gemeinden und Privathaushalte ab.

Den Bund zum Beispiel fordert der GDV auf, mehr Geld zur Erforschung von Extremwetterereignissen zur Verfügung zu stellen. Bundesländer sollten Risikogebiete stärker in die ihre Flächennutzungsplanung einbeziehen. Es sei auch nicht vertretbar, wenn Gemeinden in überschwemmungsgefährdeten Gebieten fortgesetzt Bauland ausweisen würden. Entwässerungssysteme müssten künftig stärker auf Starkregenereignisse ausgelegt sein. Architekten sollten in sturmgefährdeten Regionen die Dachkonstruktionen an die sich verändernden Verhältnisse anpassen.

Das alles sei machbar und helfe Schäden zu verringern, zeigte sich Hoenen überzeugt. "Und seien Sie versichert, fallen die Schäden geringer aus als prognostiziert, werden die Prämien sinken. Dafür sorgt schon der Markt."

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