Dienstag, 19. November 2019

Telekom und Co. Das Beteiligungsmonopoly der Dax-Konzerne

Strategische Beteiligung: Bis zu 8 Prozent des größten amerikanischen Telekomkonzerns AT&T (im Bild CEO Randall Stephenson, r.) wird künftig der Deutschen Telekom (im Bild Vorstandschef René Obermann) gehören. Ein guter Deal?
AP/ Newscast
Strategische Beteiligung: Bis zu 8 Prozent des größten amerikanischen Telekomkonzerns AT&T (im Bild CEO Randall Stephenson, r.) wird künftig der Deutschen Telekom (im Bild Vorstandschef René Obermann) gehören. Ein guter Deal?

Die Deutsche Telekom bekommt bald eine von AT&T, die BASF will ihre an K+S loswerden, Volkswagen die eigene an MAN erhöhen. Dax-Konzerne beteiligen sich regelmäßig an anderen Unternehmen und stoßen ihre Anteile oft schnell wieder ab. Experten erklären, worauf es dabei ankommt.

Hamburg - Telekom-Chef René Obermann wird auf der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Telekom wohl noch einmal verschont bleiben. Verschont vor den Forderungen jener Aktionäre, die sich lieber eine Ausschüttung der Einnahmen aus dem jüngst verkündeten Verkauf der amerikanischen Tochter T-Mobile USA gewünscht hätten - statt einer achtprozentigen Beteiligung der Deutschen am US-Telefonkonzern AT&T .

Sofern die Kartellbehörden dem Deal zustimmen, ist die Entscheidung für das 8-Prozent-Paket gefallen. Frühestens nach einem Jahr - diese Haltefrist haben AT&T und die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen vereinbart - dürfen die Deutschen ihre Beteiligung abstoßen.

Doch daran scheint die Konzernführung derzeit keinen Gedanken zu verschwenden. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Telekom das als kurzfristiges Investment sieht", sagt Commerzbank-Analystin Heike Pauls. "Ganz im Gegenteil wird sogar über eine Aufstockung der Beteiligung gesprochen, um so möglicherweise die Steuerquote zu optimieren."

Schon aus rein finanziellen Gesichtspunkten hält Pauls die AT&T-Beteiligung der Telekom für ein gutes Geschäft. "Allein das Dividendeneinkommen ist sehr sicher und attraktiv", sagt sie. Zuletzt lag die Dividendenrendite der US-Amerikaner bei 5,2 Prozent.

Doch reicht es für einen Dax-Konzern, wenn er sich auf das Kassieren von Dividenden aus Beteiligungen beschränkt?

Finanzbeteiligungen sind nicht für die Ewigkeit

Die Antwort ist nach Einschätzung der meisten Experten eindeutig. "Wenn es um eine reine Finanzbeteiligung geht, kann ein Konzern diese nicht ewig halten", sagt Daniel Stelter, Senior Partner bei BCG. Grundvoraussetzung sei, dass die Finanzbeteiligung einen besseren Return und Wertzuwachs als alternative Anlagen erbringe. "Dazu muss die Konzernführung das Geschäft besser verstehen als andere und die Entwicklung sehr intensiv beobachten", sagt Stelter. Abgesehen davon sei nicht alles, was als Finanzbeteiligung geführt werde, auch wirklich nur finanziell motiviert. "Oftmals geht es auch um die Absicherung einer Strategie oder einer Kooperation."

Bezüglich solcher Kriterien hält Commerzbank-Analystin Pauls den AT & T-Deal der Deutschen Telekom für ein lukratives Investment. "Das Datenwachstum in den USA ist höher als in anderen Märkten", sagt sie. Das Problem der Telekom in Nordamerika sei nicht ein unattraktiver Markt gewesen, sondern ein zu kleiner Marktanteil in diesem Markt. Den strategischen Wert der Beteiligung dokumentiert nach Ansicht der Expertin auch der künftige Sitz der Telekom im AT&T-Board.

Eine Ansicht, die auch Ulrich Trabert, Analyst beim Bankhaus Metzler, teilt. Eine solche finanzielle und personelle Verflechtung unterstütze die Zusammenarbeit von AT & T und Telekom zum Beispiel in der Positionierung gegen Internettefonieanbieter wie Google Börsen-Chart zeigen und Skype oder im Hinblick auf Forschung und Entwicklung. "Wenn man sich überlegt, wo das iPhone entwickelt wurde, dann erkennt man die mögliche Bedeutung der US-Beteiligung", sagt Trabert.

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