Feindliche Übernahme Nasdaq wendet sich direkt an NYSE-Aktionäre

Die US-Börsenbetreiber Nasdaq und ICE gehen mit ihrem Übernahmeangebot für die NYSE Euronext nun direkt auf die Aktionäre zu. Nachdem die NYSE ihre Offerte zweimal ausgeschlagen hat und weiter an der Fusion mit der Deutschen Börse festhält, droht das Duo mit einer feindlichen Übernahme.
Nasdaq-Chef Robert Greifeld: "Dieser Schritt soll den Verwaltungsrat der NYSE Euronext von der Ernsthaftigkeit der Pläne überzeugen"

Nasdaq-Chef Robert Greifeld: "Dieser Schritt soll den Verwaltungsrat der NYSE Euronext von der Ernsthaftigkeit der Pläne überzeugen"

Foto: REUTERS

New York - Die US-Technologiebörse Nasdaq OMX und die mit ihr verbündete US-Rohstoffbörse Intercontinentalexchange (ICE) wollen 11,1 Milliarden Dollar (7,4 Milliarden Euro) in bar und Aktien für die NYSE bieten. Sie seien bereit, pro NYSE-Aktie 14,24 Dollar in bar, 0,4069 Aktien der Nasdaq und 0,1436 ICE-Aktien zu zahlen, teilte das Bieterduo mit. Nehmen die Anteilseigner an, platzt die Fusion mit den Frankfurtern.

Dieser Schritt solle den Verwaltungsrat der NYSE Euronext  von der Ernsthaftigkeit der Pläne überzeugen, erklärte Nasdaq-Chef Robert Greifeld. Bislang hatte der Verwaltungsrat die Offerten ausgeschlagen und erklärt, an der geplanten Fusion mit der Deutschen Börse  festhalten zu wollen. Die Nyse erklärte, man nehme zur Kenntnis, dass Nasdaq  und ICE genau die Konditionen für eine Übernahme bieten würden, die die Nyse bereits abgelehnt habe.

Eigentlich wollen die Deutsche Börse und die NYSE den weltgrößten Börsenbetreiber schmieden. Darauf hatten sie sich nach monatelangen Verhandlungen Anfang des Jahres geeinigt. Das Gegenangebot von Nasdaq und ICE hatte NYSE-Verwaltungsratschef Jan-Michiel Hessels noch jüngst als "illusorisch" bezeichnet: "Wir glauben nicht, dass sie die nötigen Genehmigungen bekommen." Wettbewerbshüter und Finanzaufsicht müssen zustimmen - und eine Kombination aus NYSE und Nasdaq würde die Börsenlandschaft in den USA umwälzen.

Nasdaq hofft auf die unzufriedenen Aktionäre

Bei der Fusion mit der Deutschen Börse bekämen die NYSE-Aktionäre 40 Prozent am neuen Gesamtunternehmen. Auf der NYSE-Hauptversammlung vor wenigen Tagen hatten einige Anteilseigner gemurrt, sie seien unter Wert verkauft worden, und auf einen höheren Anteil gedrungen. Auf diese unzufriedenen Aktionäre setzen Nasdaq und ICE.

Nasdaq-Chef Bob Greifeld sprach von einer "positiven Resonanz", die er von den NYSE-Aktionären bekommen habe. Dem NYSE-Verwaltungsrat bot er Gespräche an, wenngleich sich die Stimmung zwischen den beiden Lagern durch das feindliche Übernahmeangebot nicht verbessert haben dürfte. Im Mai wollen Nasdaq und ICE die Einzelheiten ihrer Offerte offenlegen. Schon jetzt stieg die NYSE-Aktie um 1 Prozent.

Deutsche Börse und NYSE versuchen, ihren Aktionären die Fusion mit der Aussicht auf höhere Einsparungen und damit höhere Gewinne schmackhaft zu machen. Nach bisherigen Plänen sollen die NYSE-Anteilseigner auf einem extra anberaumten Aktionärstreffen am 7. Juli über den Zusammenschluss befinden.

mg/rtr/dpa-afx
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