Bundesligist 1899 Hoffenheim "Dank an Uli Hoeneß"

Fußball ist weit mehr als nur ein Sport - es ist Leiden und Lust, öffentlich zelebriert. Und er ist ein Geschäft. Darüber sprach manager magazin mit Jochen Alexander Rotthaus, dem Geschäftsführer des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim.
Von Arne Gottschalck
Fußball ist in erster Linie Sport - wie am Torjubel von Peniel Mlapa, TSG 1899 Hoffenheim, unschwer zu erkennen ist. Doch darüber hinaus ist es auch ein Geschäft

Fußball ist in erster Linie Sport - wie am Torjubel von Peniel Mlapa, TSG 1899 Hoffenheim, unschwer zu erkennen ist. Doch darüber hinaus ist es auch ein Geschäft

Foto: dapd

mm: Herr Rotthaus, Sie sind Geschäftsführer eines Bundesligavereins - da prallen doch die Welten der überbordenden Emotionen und des nüchternen Geschäfts aufeinander - oder?

Rotthaus: Auf jeden Fall, das ist ein Spagat, ein Spannungsfeld, in dem man sich dort bewegt. Auf der Emotionsseite - Sie bekommen unglaublich viel Zuspruch nach einem Sieg, soviel Freude. Das lesen Sie in den Mails, aber auch beim Bäcker ist das zu sehen, die Verkäufer strahlen Sie an, wen Sie die Croissants holen. Beim Misserfolg wiederum ist das sehr hart, die Menschen sind da auch deutlich. Dann bekommt man auch bitterböse Briefe. Aber das ist im Profisport nun einmal so.

mm: Zumal Ihre Kunden, die Fans, vermutlich auch um Längen fanatischer sind als die Käufer eines Grills im Baumarkt.

Rotthaus: Ja. Da kann man eine Schraube nachziehen, wenn es nicht funktioniert und das Problem ist gelöst. Im Fußball nicht. Entsprechend hart ist es dann eben im Misserfolg.

mm: Und das "schnöde" Geschäft?

Rotthaus: Es muss alles finanzierbar sein, das ist die Kernfrage. Sicherlich ist ein Ribery ein toller Spieler - man kann froh sein, dass er in der Bundesliga spielt - aber er muss eben auch durch hohe Vermarktungserlöse gegenfinanziert werden. Die Waage zwischen Kommerzialisierung und der Fußball-Romantik muss im Einklang sein.

mm: Das klingt ja fast nach Uli Hoeneß …

Rotthaus: Man muss ihm dankbar sein für seine Wutrede, als er den Fans sagte, sie sollten sich einmal fragen, wer da wen subventioniert, wer wessen Tickets subventioniert. Eben freier Eintritt und gleichzeitig der Wunsch nach Weltklassespielern wird leider nicht funktionieren.

Glaubwürdigkeit auf beiden Seiten, das zählt. Fans und Verein müssen sich auf einander verlassen können. Als wir unser Stadion neu gebaut haben, hatten wir eine 360-Grad-Beteiligung, alle konnten mitreden. Wir haben die gleichen Materialen überall verwendet, im VIP-Bereich wie im Normalbereich. Das wird auch akzeptiert. Brandlöcher in den Sitzen oder sonstige Zeichen des Missfallens, das finden Sie bei uns zum Glück nicht.

Fußball und das Gesicht nach außen

mm: Ein ziemliches Spannungsfeld im Vergleich zu normalen Unternehmen.

Rotthaus: Das ist für mich aber genau das, was es ausmacht. Unsere Neuanträge auf Mitgliedschaft korrelieren zum Beispiel eng mit dem sportlichen Erfolg. Das gibt es wohl nur im Fußball.

mm: Sprechen wir einmal über Geld - in anderen Ligen ist es inzwischen normal, dass sich Investoren einkaufen. Für Sie ein Problem?

Rotthaus: Seit es in der deutschen Liga die 50-plus-1-Regel gibt, ist das in Deutschland kein Thema. Zumindest derzeit nicht.

mm: Zumal Sie ja mit Herrn Hopp einen solventen Mäzen haben.

Rotthaus: Hier geht es nicht um reines Kalkül, sondern um die Förderung und die Hingabe für eine ganze Region. Beispielsweise um die Infrastruktur und um die Kinder- und Jugendförderung, wozu der Sport ja besonders gut geeignet ist. Herr Hopp investiert mit leidenschaftlichem Engagement in vier Sportarten.

mm: Wer vertritt den Verein eigentlich nach außen, Sie oder der Trainer?

Rotthaus: Die Gesichter eines Vereins, das sind vornehmlich die auf der Trainerbank. Wir, die Geschäftsführer, sorgen für optimale Rahmenbedingungen und sind für die strategische Unternehmensführung verantwortlich und steuern sämtliche Prozesse.

mm: Ist Hoffenheim eine Blaupause für andere Vereine, vielleicht sogar für ganz andere Wirtschaftszweige?

Rotthaus: Sicherlich gibt es bei unserem rasanten Aufstieg Elemente, die sich andere Unternehmen zu Nutze machen können. Wir verfolgen unsere Vision und Strategie sehr konsequent und lernen dabei aber auch von anderen Vereinen und Firmen. Heutzutage muss man über den Tellerrand hinausschauen, um seine Innovationskraft hochzuhalten.

mm: Und Ihr Vorbild?

Rotthaus: Es gibt eine Reihe gut geführter Bundesligavereine. Der VfB Stuttgart, bei dem ich als Geschäftsführer gewesen bin, ist zum Beispiel ein sehr gut geführter Verein. Aber wir pflegen zu einer ganzen Reihe von Vereinen enge Kontakte und tauschen uns permanent partnerschaftlich aus.

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