Deutsche Börse/Nyse Synergieeffekte wachsen auf wundersame Weise

Das Einsparpotenzial bei einem Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext liegt nach Angaben der New Yorker um mehrere Millionen Euro höher als bisher angenommen. Doch an den neuen Zahlen entzündet sich sogleich Kritik.
Begehrter Handelsplatz: Um die New York Stock Exchange buhlen Deutsche Börse und Konkurrent Nasdaq

Begehrter Handelsplatz: Um die New York Stock Exchange buhlen Deutsche Börse und Konkurrent Nasdaq

Foto: AFP

New York - Der New Yorker Börsenbetreiber Nyse Euronext erwartet deutlich größere Kostenersparnisse durch eine Fusion mit der Deutschen Börse. Die Einsparungen dürften mit eher 400 Millionen Euro etwa ein Drittel höher ausfallen als ursprünglich geschätzt, sagte ein Nyse-Sprecher am Wochenende. Er bestätigte damit Aussagen von Nyse-Chef Duncan Niederauer in der "Financial Times".

Insgesamt dürften die Synergie-Effekte etwa 725 Millionen Dollar betragen. Damit lägen sie nun näher an den geschätzten 740 Millionen Dollar des rivalisierenden Angebots von Nasdaq OMX und IntercontinentalExchange (ICE).

Auch die größten Kunden von Nyse Euronext  und Deutscher Börse  würden nach Einschätzung des Nyse-Chefs von dem angestrebten Zusammenschluss der Börsenbetreiber profitieren: Sie dürften demnach durch die geplante Zusammenlegung der europäischen Derivateplattformen mindestens drei Milliarden Dollar einsparen. Nyse und Deutsche Börse wollen sich zum weltgrößten Handelsplatz für Aktien und Derivate zusammenschließen.

Nasdaq  und ICE empfahlen den Nyse-Aktionären am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme, "höchst misstrauisch" zu sein, was die versprochenen zusätzlichen Einsparungen angehe. Die nun gefundenen zusätzlichen Synergiepotenziale schienen nicht auf ein genaueres Nachrechnen, sondern auf einen unerklärten Strategiewechsel zurückzuführen sein, hieß es.

Kritik von konkurrierenden Bietern

Die Nyse müsse die neugefundenen Kosteneinsparungen genau beschreiben, um die revidierten Schätzungen glaubwürdig zu machen. Nasdaq und ICE monierten zudem, dass der den Nyse-Anteilseignern gebotene Preis nicht aufgestockt wurde. Die Deutsche Börse bietet rund zehn Milliarden Dollar für die Nyse, die US-Börsenbetreiber dagegen etwa elf Milliarden Dollar.

Die Nyse hat sich für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse ausgesprochen und Nasdaq und ICE vergangene Woche bereits zum zweiten Mal abblitzen lassen. Die Nyse argumentiert, eine Fusion zu einer US-Superbörse könnte am Widerstand der Kartellbehörden scheitern. Diesen Einwand hatten die US-Rivalen mit dem Versprechen zu entkräften versucht, sie würden dann für eine fällige Strafgebühr aufkommen.

Doch dürfte ein inneramerikanischer Zusammenschluss aufgrund zahlreicher Überschneidungen auch weit mehr Arbeitsplätze kosten als eine transatlantische Vereinigung. Dies macht vor allem US-Politikern Sorgen. Der einflussreiche New Yorker Senator Charles Schumer forderte daher von Nasdaq und ICE Zahlen zu möglichen Stellenstreichungen für den Fall einer Fusion mit der Nyse.

Er habe einen entsprechenden Brief an die Führungsspitzen der Börsenbetreiber geschickt, sagte der Demokrat. Nyse-Mitarbeiter hätten ihm unter vier Augen gesagt, dass eine Fusion von Nasdaq und Nyse 1000 bis 1100 Arbeitsplätze in den USA kosten würde, rund 800 davon im Großraum New York.

Schumer hatte sich bereits Anfang des Monats besorgt über mögliche Auswirkungen einer Fusion der amerikanischen Börsenbetreiber auf die Arbeitsplätze gezeigt. Die Nyse-Aktionäre sollen am 28. April zu ihrer jährlichen Abstimmung über das Führungsgremium des Börsenbetreibers zusammenkommen.

Analysten zufolge könnte das Votum bereits Aufschluss darüber geben, wie die Anteilseigner die Entscheidung des Direktoriums für das niedrigere Gebot der Deutschen Börse beurteilen. Die Abstimmung über eine Fusion mit der Deutschen Börse soll dem Nyse-Sprecher zufolge am 7. Juli erfolgen.

nis/rtr
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