Börsenkampf NYSE schreckt Nasdaq mit Milliardenstrafe

Die NYSE Euronext hebt die Hürden für eine feindliche Übernahme weiter an. Der Wettbewerber Nasdaq müsse eine milliardenhohe Strafzahlung akzeptieren, falls die Gespräche über eine Fusion scheiterten. Derweil werben NYSE und Deutsche Börse bei Investoren weiter für ihren Zusammenschluss.
New Yorker Börse: Die NYSE Euronext will auf jeden Fall mit der Deutschen Börse fusionieren, doch noch gibt sich der Wettbewerber, die Technologiebörse Nasdaq, nicht geschlagen

New Yorker Börse: Die NYSE Euronext will auf jeden Fall mit der Deutschen Börse fusionieren, doch noch gibt sich der Wettbewerber, die Technologiebörse Nasdaq, nicht geschlagen

Foto: DON EMMERT/ AFP

New York - Die New Yorker Börse NYSE Euronext stellt Bedingungen für Gespräche mit dem Bieter Nasdaq OMX. Die Nasdaq müsse garantieren, dass sie zu hohen Strafzahlungen bereit sei, falls Wettbewerbsbehörden eine Fusion nicht genehmigten, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Für den Fall, dass ein vereinbartes Zusammengehen platze, wolle der US-Börsenbetreiber Vertragsstrafen in Höhe von zwei Milliarden Dollar verlangen. Die Nasdaq selbst soll mehrere hundert Millionen Dollar einkalkuliert haben, sagten zwei andere mit der Angelegenheit vertraute Personen. NYSE und Deutsche Börse  haben sich auf eine deutliche niedrigere sogenannte "Breakup Fee" von 250 Millionen Euro geeinigt, wenn die Fusion platzt.

Die Nasdaq und die Rohstoffbörse ICE hatten Anfang April mit einer Gegenofferte in Höhe von 11,3 Milliarden Dollar für den Betreiber der Wall Street die Deutsche Börse übertrumpft. Allerdings wies die NYSE Euronext das Übernahmeangebot zurück und hält an den Fusionsplänen mit der Deutschen Börse fest. NYSE-Chef Duncan Niederauer, der CEO der transatlantischen Superbörse werden soll, begründete die Abfuhr damit, dass das Gebot "strategisch unpassend" und schwer realisierbar sei.

Konkurrent Nasdaq will Kartellbedenken ausräumen

Im Kampf um die New Yorker Börse ist Nasdaq OMX scheinbar auch zu Zugeständnissen bereit, um kartellrechtliche Bedenken gegen einen Zusammenschlusses mit der NYSE ausräumen und die Deutsche Börse in letzter Minute doch noch ausstechen.

Die Nasdaq habe vor Investoren ihre Bereitschaft geäußert, bei einem Zusammenschluss die zur NYSE gehörende American Stock Exchange (Amex) zu verkaufen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Auch wenn beide Fusionsvarianten kartellrechtliche Hürden zu überwinden haben, sind diese Investoren zufolge für die Nasdaq höher.

Bei einem Zusammenschluss von NYSE und Nasdaq entstünde quasi ein Monopol in den USA. Der Verkauf der Amex, an der Kleinwerte gehandelt werden und die seit 2008 zur NYSE gehört, würde das Problem nicht lösen, sagte eine der NYSE nahestehende Person.

NYSE und Deutsche Börse rühren die Werbetrommel

Unterdessen rühren Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Niederauer derzeit in den USA die Werbetrommel für ihre Fusionspläne. Dabei wollen die beiden Manager Kreisen zufolge mit der Aussicht auf Gewinnausschüttungen den Aktionären ihre transatlantische Fusion schmackhaft machen.

Die NYSE erwäge die Zahlung einer Sonderdividende bei Abschluss der milliardenschweren Transaktion, heißt es. NYSE und Deutsche Börse dächten zudem darüber nach, gemeinsam eine Dividende auszuschütten oder Aktien zurückzukaufen, sobald der Zusammenschluss zur weltgrößten Börse unter Dach und Fach sei. Ein Aufstocken des Gebots, das gerade von der Finanzaufsicht Bafin geprüft wird, steht für die Deutsche Börse Kreisen zufolge nicht zur Debatte.

rei/reuters
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