Samstag, 25. Januar 2020

Tödlicher Brand 16 Jahre Haft für ThyssenKrupp-Manager

ThyssenKrupp-Stahlarbeiter in Duisburg: In einem italienischen Werk des deutschen Konzerns starben vor drei Jahren in einem Flammeninferno sieben Arbeiter

Sieben Arbeiter starben vor drei Jahren bei einem verheerenden Brand in einem italienischen ThyssenKrupp-Werk. Ein Geschworenengericht in Turin verurteilte den deutschen Spitzenmanager des Unternehmens jetzt wegen vorsätzlichen Totschlags zu 16 Jahren Haft. Thyssen-Krupp kündigte Berufung an.

Turin - Drei Jahre nach einem verheerenden Brand in einem italienischen ThyssenKrupp-Werk mit sieben Toten ist ein deutscher Spitzenmanager des Konzerns zu 16 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in Turin sprach Harald E. am späten Freitagabend des Totschlags mit bedingtem Vorsatz in erster Instanz schuldig. Das Turiner Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Fünf weitere Manager des Unternehmens wurden wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen bis zu dreizehneinhalb Jahren verurteilt. Nach dem Tod der Arbeiter wurden in Italien Rufe nach besseren Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz laut.

ThyssenKrupp bezeichnete das Urteil als "unverständlich und nicht nachvollziehbar". "Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen", sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag. ThyssenKrupp hatte nach dem Brand erklärt, es gebe keinen Beleg dafür, dass Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen bei dem Feuer eine Rolle gespielt hätten.

Die Anklage dagegen sprach von einer "bewussten Fahrlässigkeit", denn das Unternehmen hätte in den Brandschutz investieren müssen, dies aber nicht getan und damit auch die Gefahr eines Feuers hingenommen. Der Edelstahlproduzent muss eine Million Euro Strafe zahlen und sechs Monate auf Subventionen und auf Werbung verzichten, so das Gericht.

Der Prozess wurde in Italien als historisch gefeiert, da erstmals im Zusammenhang mit einem Unfall am Arbeitsplatz Mordanklage erhoben wurde - die nun auch zu einem Schuldspruch geführt hat. Angehörige der Opfer, einige trugen T-Shirts mit deren Konterfei, applaudierten, nachdem das Urteil verlesen worden war. Andere weinten, umarmten sich oder dankten dem führenden Staatsanwalt, Raffaele Guariniello. "Ich denke, dieses Urteil kann viel für die Sicherheit am Arbeitsplatz bedeuten", sagte Guariniello. Es sei "bahnbrechend".

Die sieben Arbeiter waren damals bei lebendigem Leib in einer "ungewöhnlichen Flammenwelle verbrannt", wie es der einzige überlebende Augenzeuge des Infernos im Dezember 2007 beschrieb. Arbeitsminister Maurizio Sacconi sagte, das Urteil schaffe einen "relevanten Präzedenzfall" Giorgio Airaudo von der italienischen Metallgewerkschaft FIOM begrüßte den Schuldspruch: "Wenn Arbeiter am Arbeitsplatz verletzt oder getötet werden, ist das nie ein Zufall, sondern immer jemandes Verantwortung."

Rei/afp/apd/dpa/reuters

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung