Historischer Auftrag Siemens baut den Zukunfts-ICE

Die Deutsche Bahn steht offenbar kurz davor, Siemens den größten Zugauftrag in der Bahn-Geschichte zu erteilen. Bis zu 300 High-Tech-Züge soll Siemens anscheinend als Nachfolger der veralteten IC- und ICE-1-Flotte der Deutschen Bahn liefern. Der Auftrag bricht offenbar die Fünf-Milliarden-Euro-Schwelle.
ICE-Züge im Hauptbahnhof München: Nachfolger des ICE-1 kommt von Siemens

ICE-Züge im Hauptbahnhof München: Nachfolger des ICE-1 kommt von Siemens

Foto: Stephan Jansen/ dpa

Berlin - Für Gründonnerstag ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zu einer Sondersitzung geladen, um das Geschäft abzusegnen, wurde in Bahn-Kreisen bestätigt. Der Auftrag der Bahn an Siemens soll nach bisherigen Informationen klar die Fünf-Milliarden-Euro-Schwelle überschreiten.

Der Poker mit Siemens hatte sich über ein Jahr hingezogen. Beide Unternehmen dementierten die Angaben nicht: Ein Bahnsprecher sagte: "Wir befinden uns mit Siemens in der finalen Endphase der Gespräche." Eine Siemens-Sprecherin betonte: "Wir sind auf gutem Wege." Siemens-Aktien halbierten nach der Nachricht ihre Verluste an der Börse.

Insgesamt geht es beim Kauf um bis zu 300 Nachfolge-Züge für IC und ältere ICE mit dem Projektnamen ICx, wobei die Order den Angaben zufolge wohl in einzelnen Tranchen umgesetzt werden soll. Erste Züge können wegen der langen Vorlaufphase und Produktionszeit für die neu konzipierten Züge aber wohl nicht vor 2015 auf den Gleisen stehen.

Nach dem Hitze-Kollaps von Klimaanlagen und Achsproblemen ist die Bahn dringend auf neue Züge angewiesen. Auch die Politik forderte den Staatskonzern angesichts der Winterpannen wiederholt zu mehr Investitionen auf. Die Bahn war schon vor den technischen Problemen mit ihren Zügen am Rande der Kapazität, vor allem weil im Vorfeld des geplanten Börsengangs kaum neues Material angeschafft wurde.

Die Verhandlungen mit Siemens zogen sich aber auch hin, da die Bahn auf umfangreiche Garantien drang, um größtmögliche Sicherheit vor weiteren Pannen bei den neuen Zügen zu haben. Das Unternehmen hatte so Anfang des Jahres auch angekündigt, Doppelstock-Regionalzugwagen im Fernverkehr ab 2013 einzusetzen. Diese sollen zunächst vor allem die veralteten IC-Züge ersetzen.

Geplant war bislang, dass die ersten 130 neuen Siemens-ICx-Züge den IC ersetzen. In einer zweiten Stufe sollten mit weiteren 76 Zügen die ICE-1 aus dem Verkehr gezogen werden. Dann sollen die ICE-2 folgen. Der ICx soll damit die Plattform für den gesamten Bahn-Hochgeschwindigkeitsverkehr nach 2020 bilden.

Anders als bei früheren ICE-Aufträgen bestellt die Bahn diesmal nicht bei einem Konsortium. Der kanadische Bombardier-Konzern soll allerdings ein wichtiger Zulieferer bei den ICx-Zügen sein.

kst/rtr
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