Dienstag, 17. September 2019

Borussia Dortmund "Gott sei Dank schießt Geld nicht immer Tore"

Borussia Dortmund nach dem Sieg gegen Verfolger Hannover 96 am 2. April: "Unser größtes Plus ist die unglaubliche Anhänglichkeit und Zuneigung unserer Fans"
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Borussia Dortmund nach dem Sieg gegen Verfolger Hannover 96 am 2. April: "Unser größtes Plus ist die unglaubliche Anhänglichkeit und Zuneigung unserer Fans"

Wie kann man einen Topclub erfolgreich führen? Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, erklärt im Interview, worauf der Dortmunder Erfolg beruht, was der BVB mit FC Bayern und Werder Bremen gemein hat - und warum er auch in der Champions League nicht auf große Einkaufstour gehen will.

mm: Sie sind Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund und gleichzeitig auch Unternehmer. Inwieweit unterscheidet sich ein Profifußballverein von einem "normalen" Unternehmen?

Watzke: Es muss hier wie dort eine klare Führungs- und Organisationsstruktur geben mit klaren Hierarchien und Entscheidungswegen. Eine solche Struktur gibt es freilich nicht bei allen Vereinen.

mm: Aber bei Borussia Dortmund?

Watzke: Bei uns ist ganz klar geregelt: Für den sportlichen Bereich sind Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc zuständig. Daneben gibt es den Finanz-Geschäftsführer Thomas Treß. Und ich habe in meiner Funktion die Gesamtverantwortung für das Wirtschaftliche und auch das Sportliche, denn der Sport ist letztlich unser Kerngeschäft und nichts anderes.

mm: Sie reden also bei sportlichen Dingen mit und rein?

Watzke: Die Mannschaftsaufstellung macht nur einer: der Trainer. Aber alle anderen sportlichen Entscheidungen treffen wir zu dritt: Klopp, Zorc und ich.

mm: Auch Spielerkäufe und -verkäufe? Wir früh sind Sie in die Transferüberlegungen miteinbezogen?

Watzke: Ich bin im Prinzip jeden Tag mit Michael Zorc in Kontakt. Außerdem treffen wir uns wöchentlich einmal mit dem Trainer zum Jour fix. Deshalb weiß ich natürlich, was unsere sportliche Abteilung glaubt, welche Spieler interessant sind.

mm: Sie würden in dieser Expertenrunde aber nicht sagen, wir brauchen unbedingt einen linken Verteidiger zum Beispiel?

Watzke: Wenn ich der Meinung bin, wir brauchen unbedingt einen, würde ich das sagen. Wenn Jürgen und Michael das völlig anders sehen und das überzeugend rüberbringen, wäre ich aber der letzte, der sagt, wir holen den Spieler trotzdem. Aber grundsätzlich gilt: Transferpolitik ist das Hoheitsgebiet des Clubs und erst in zweiter Linie des Trainers. Denn es kann ja durchaus der Fall sein, dass ein Trainer im nächsten Jahr den Club verlässt, obwohl ihm zuvor seine Wünsche nach Neuverpflichtungen erfüllt wurden. Deshalb muss der Verein eine Philosophie entwickeln, die letztendlich Trainer-unabhängig ist.

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