Thomas Bauer Ein großer Mittelständler spricht für die Baubranche

Im Juni soll Thomas Bauer neuer Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie werden. Ein großer Mittelständler soll die aufgewühlte Baubranche führen. Es ist zu erwarten, dass er sich als neuer Cheflobbyist der deutschen Bauindustrie in Berlin nicht auf Branchenthemen beschränken wird.
Von Cornelia Knust
Thomas Bauer: "Ich bin kein Typ, der einfach nur den Mund hält"

Thomas Bauer: "Ich bin kein Typ, der einfach nur den Mund hält"

München - Manche mögen ihn als überengagiert empfinden, den Tiefbaukönig aus Schrobenhausen bei Ingolstadt im schönen Oberbayern. Er dagegen liebt die Rolle des einsamen Streiters für das Recht und das Richtige. Gerne lässt er durchblicken, dass er mit seiner unbequemen Art schon einiges bewegt hat.

Am 9. Juni 2011 soll Thomas Bauer, 55, neuer Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie werden. Bisher war er dort schon Präsidiumsmitglied, hat auch jahrelang Tarifverhandlungen geführt. Dass die durch Rezession und Übernahmekämpfe aufgewühlte Branche einen soliden Mittelständler an ihre Spitze wählen will, der schon viele tiefe Krisen überlebt hat - fast wirkt es wie ein Zeichen der Rückbesinnung auf alte Stärken. Außerdem gilt Bauer als in der Politik bestens verdrahtet.

Es ist zu erwarten, dass er sich als neuer Cheflobbyist der deutschen Bauindustrie in Berlin nicht auf Branchenthemen beschränken wird. Am Mittwoch vergangener Woche verkündete in Berlin Herbert Bodner (als scheidender Chef von Bilfinger Berger) seinen Rückzug von der Verbandsspitze. Am selben Tag sagte Bauer auf dem Unternehmertag der Bayerischen Bauindustrie in München: "Verbände müssen auch über das reden, was unser Leben als Unternehmer oder als Bürger ganz allgemein beeinflusst".

Der Beinahe-Wirtschaftsminister

Wer eine Meinung braucht zur Zukunft der Atomkraft, zum Treiben der amerikanischen Börsenaufsicht oder zur Frauenquote - Bauer liefert sie: Erwartbar konservativ bis ins Mark, aber auch erstaunlich freiheitlich und pragmatisch formuliert, zumal für ein ländlich geprägtes CSU-Mitglied der frühen Stunde.

"Ich bin ein Mensch, der gerne Sachen macht, die schwierig und reizvoll sind", sagte Bauer, als er im Februar 2009 ein Wochenende lang als neuer Bundeswirtschaftsminister gehandelt wurde. Parteichef Horst Seehofer fand Bauer als langjährigen Schatzmeister der CSU geeignet für das Amt, das Michael Glos zurückließ. Bundeskanzlerin Angela Merkel aber zog damals Karl-Theodor zu Guttenberg vor.

Nun geht Bauer immerhin als Verbandspräsident den Schritt in die Hauptstadt Berlin - ohne von all den anderen Ämtern zu lassen: Präsident der Bayerischen Bauindustrie, Vizepräsident der Bayerischen Arbeitgeberverbände, Kreisrat in Neuburg-Schrobenhausen, Honorarprofessor in München. Nebenher leitet er auch noch in siebter Generation eine nicht gerade kleine Baufirma. Per Börsengang löste er sie vor fünf Jahren aus der Klammer der Familie. Mit ihren 9000 Mitarbeitern steuert er sie mutig durch die für ihn noch nicht beendete Wirtschaftskrise.

Die Familie im Hintergrund

Bis zur fünften Generation war die Firma Bauer ein Handwerksbetrieb gewesen, erst Kupferschmiede dann Brunnenbauer. Ein Vater hatte das Geschäft immer an einen Sohn weitergegeben. Dann kam das Wirtschaftswunder. Aus der Firma wurde ein internationaler Konzern für Spezialtiefbau und aus der Familie eine Dynastie. Das hatte der Senior Karlheinz Bauer ins Werk gesetzt, der "Ingenieur", wie sie ihn in Schrobenhausen noch heute respektvoll nennen.

Thomas Bauer, zweitältester Sohn, Betriebswirt, musste schon 1986 mit nur 31 Jahren ganz plötzlich die Führung übernehmen, weil der Vater vorübergehend ausfiel. Schon damals sei ihm klar gewesen: "Wenn die Firma groß wird, muss die Familie eine andere Rolle spielen". Er wandelte in eine Kapitalgesellschaft um, nahm 1996 die Deutsche Beteiligungsgesellschaft in den Kreis der Aktionäre auf und ging 2006 mit 52 Prozent Streubesitz an die Börse. Der Ausgabekurs von 16,75 Euro stieg bis 2008 auf stolze 70 Euro, stürzte dann auf unter 20 ab und fängt sich gerade bei 36. Das reicht noch nicht für den M-Dax, dem man einst angehörte.

Thomas Bauer hält einen größeren, aber nicht überwiegenden Teil innerhalb des Familien-Pakets. Ein bis Ende 2015 laufender Poolvertrag regelt das Innenverhältnis der Familienaktionäre. Der Vater und eine Schwester sind Mitglieder des Aufsichtsrats, den Vorsitz aber hat der General a.D. Klaus Reinhardt.

Zum Unternehmer berufen

Zwei fertig studierte Söhne gibt es, einer Betriebswirt, einer Ingenieur, die, wenn sie dereinst wollen, die Nachfolge antreten können. Aber Bauer schränkt ein: "Die Chance, die eigenen Anteile in die nächste Generation zu vererben, steht bei 60 Prozent". Für die Kinder bleibe das Risiko, dass sie mehr Erbschaftsteuer zahlen müssten, als das Unternehmen wert sei - einfach, weil das Baugeschäft ein so zyklisches sei.

Thomas Bauer fühlt sich zum Unternehmer berufen, das sagt er ohne Umschweife. Furchtlos trat er 2008 der Wirtschaftskrise entgegen. So hat er in der Sparte Maschinenbau, die eigene Bohrgeräte fertigt, die Kapazität mal eben halbiert. Mit Kurzarbeit hielt er die Mannschaft, so gut es ging, zusammen. Das neue Werk in einer Nachbargemeinde Schrobenhausens war kurz vor der Krise fertig geworden und harrt immer noch einer guten Auslastung. Doch Bauer steht zu der Investition und erklärt selbstbewusst: "Wir bringen das gut hin".

Seit 2009 stagniert der Umsatz bei knapp 1,3 Milliarden Euro. Mehr als 25 bis 40 Millionen Euro Nettogewinn, so die letzte Erwartung, waren auch 2010 wohl nicht drin. Da war man zuvor schon mal dreistellig.

Kampf um Anerkennung

Als Thomas Bauer im Unternehmen begann, war auch Krise am Bau. Aber nicht nur deshalb hatte er es zunächst schwer: "Deutschland war damals sehr links. Als Unternehmersohn wurde man nicht gerade freudestrahlend empfangen", sagt er. Aus vielen Ferienjobs kannte er das Bauer-Imperium zwar gut, hatte schon Auslandserfahrung in den USA gesammelt, verfügte als Betriebswirt über die richtige Vorbildung ("Der Firma fehlte damals der Kaufmann"). Doch er musste sich erstmal an den großen Persönlichkeiten in der Vorgeneration messen lassen.

Als junger Mensch störe einen das wahnsinnig, wenn die eigene Leistung von der Gesellschaft einfach nicht anerkannt werde, wenn man als Vertreter der nächsten Generation über Jahrzehnte nicht zur Kenntnis genommen werde. "Man muss seinen Kindern nicht nur die Führung überlassen, sondern auch die Ehre", hat Bauer gelernt und will versuchen, es mit seinen Söhnen so zu machen.

"Nicht jeder ist ein Unternehmer, nicht jeder wird glücklich damit", sagt Bauer und denkt dabei auch an seine Geschwister, die es teils nicht leicht gehabt hätten, ihren Weg zu finden - in Freiheit, gegen all die drängenden Erwartungen des Umfelds. Auf Verwandtschaft trifft man dennoch überall im Unternehmen. Ein Bruder, Sebastian Bauer, ist in der Geschäftsführung der Maschinenbautochter. Der Schwager leitet die Gesellschaft für Spezialtiefbau. Ein weiterer Bruder arbeitet in der EDV. Thomas Bauers Ehefrau leitet die Werbeabteilung.

Bohren in 5000 Meter Tiefe

Bauer bohrt Löcher, tiefe Löcher und gilt weltweit als einer der Marktführer auf diesem Gebiet. Wird in München ein neuer Tunnel gebaut, wie gerade am Mittleren Ring, rücken die schlanken Türme von Bauer an. Bohr- oder Rammpfahlwände und Schlitzwände entstehen, die im dahinter liegenden Gestein rückverankert werden. So gründet man auch Hochhäuser in Vietnam oder Brücken und Autobahnen in Hongkong.

Das Unternehmen ist einerseits Bauunternehmen (Bauer Spezialtiefbau), andererseits Maschinenbauer (Bauer Maschinen), denn die benötigten Bohrer und Anker, Rammen und Rüttler fertigt das Unternehmen selbst. Seit der Wiedervereinigung gehört zudem die Schachtbau Nordhausen GmbH zum Konzern, die im Untertagebau tätig ist. Auf ihrer Erfahrung fußend, gründete Bauer 2007 als weiteres Standbein die "Bauer Resources", die sich auf die Suche und Förderung von Wasser, Energie und Bodenschätzen spezialisiert sowie auf Altlastensanierung und Wasserbehandlung.

Ob Brunnen in Amman oder Schilf-Kläranlagen in Oman - Bauer baut. Die neueste Eigenentwicklung, die TBA 300, soll bis zu 5000 Meter tief bohren können. Ein Erstkunde für das spinnenartige Großgerät wird noch gesucht.

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