Fusion mit der Deutschen Börse NYSE erteilt Nasdaq eine Abfuhr

Die Deutsche Börse bleibt bevorzugter Fusionspartner der New Yorker Börse. Die NYSE Euronext hat das gemeinsame Gebot von Nasdaq und ICE abgelehnt, obwohl die beiden US-Unternehmen eine höhere Summe bieten als die Deutschen. Nasdaq und ICE kritisieren die Entscheidung.
NYSE Euronext: Neben der New Yorker Wall Street gehören die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Paris und Lissabon zu dem Unternehmen

NYSE Euronext: Neben der New Yorker Wall Street gehören die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Paris und Lissabon zu dem Unternehmen

Foto: JIN LEE/ AP

New York - Die NYSE Euronext wies die um gut eine Milliarde Dollar höhere Übernahmeofferte der heimischen Rivalen Nasdaq OMX und Intercontinental Exchange (ICE) als strategisch unpassend und schwer realisierbar zurück.

Ein Zusammenschluss mit der Frankfurter Börsengesellschaft hingegen schaffe langfristig für die Aktionäre deutlichen Mehrwert und habe deutlich größere Umsetzungschancen, befand das NYSE-Direktorium einstimmig. Die Verschmelzung der beiden würde das weltgrößte Unternehmen der Branche schaffen.

NYSE-Chef Duncan Niederauer wäre bei einer Fusion mit der Deutschen Börse außerdem der operative Chef des neuen Unternehmens. Gelingt die Fusion mit den Deutschen, hat er viel zu gewinnen - im Gegensatz zu anderen am Fusionspoker beteiligten Akteuren.

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Das Tandem aus Nasdaq und ICE zeigte sich enttäuscht von der NYSE-Entscheidung. Indem sich das NYSE-Management Gesprächen mit den beiden verweigere, ignoriere es seine Verpflichtungen gegenüber den eigenen Aktionären, kritisierte ICE-Chef Jeffrey Sprecher.

"Wir werden uns weiter mit Investoren, Kunden und Regulatoren treffen, um deutlich zu machen, dass unser Vorschlag in vielerlei Hinsicht überlegen ist", ergänzte er. Offen blieb zunächst, ob Nasdaq und ICE ihr Angebot aufbessern wollen und ob sie das NYSE-Management umgehen und sich direkt an die Aktionäre wenden wollen.

NYSE befürchtet Aufspaltung und kartellrechtliche Probleme

Nach Auffassung des NYSE-Managements würde die 11,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme durch die US-Technologiebörse Nasdaq sowie die Rohstoffbörse ICE letztlich zu einer unvertretbaren Aufspaltung führen. Denn das Derivategeschäft der zur NYSE Euronext  gehörenden Londoner Liffe dürfte im Fall eines Zuschlags an die ICE gehen. Eine mit der Haltung des NYSE-Direktoriums vertraute Person sagte, dieses befürchte zudem eine zu hohe Schuldenbelastung. Womöglich hätten Nasdaq und ICE auch die Finanzierung des Deals durch ihre Banken noch nicht gesichert. Ein weiterer Schwachpunkt sei die Gefahr zahlreicher Stellenstreichungen in New York.

Als weiteres Hemmnis gelten kartellrechtliche Probleme. So könnten die US-Wettbewerbshüter sich daran stoßen, dass die beiden größten US-Börsenbetreiber nach einem Zusammengehen faktisch Monopolstellungen in bestimmten Bereichen hätten, verlautete aus Kreisen.

Doch Kartellbedenken würde auch die rund 10,2 Milliarden Dollar schwere Übernahme der NYSE durch die Deutsche Börse  wecken. Denn aus dieser Fusion entstünde ein neuer Riese mit voraussichtlich großer Dominanz im europäischen Derivate- und Abwicklungsgeschäft.

Fusion mit NYSE liegt im Zeitplan

Die Deutsche Börse erklärte im Anschluss an die Mitteilung der NYSE, dass sie bereits bei der Integrationsplanung mit der NYSE Euronext große Fortschritte erzielt habe. "Damit liegen Deutsche Börse und NYSE Euronext weiterhin voll im Zeitplan, um die Transaktion bis Ende 2011 abzuschließen", teilte das Unternehmen mit.

Die Deutsche Börse will den mit der NYSE Euronext geplanten Börsengiganten auf weitere europäische Handelsplätze ausdehnen. Der fusionierte Konzern sei beliebig erweiterbar, sagte Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni der in Zürich erscheinenden Zeitung "NZZ am Sonntag". "Man könnte also auch Spanien oder die Schweiz dazunehmen."

Zur NYSE Euronext gehören neben der Wall Street in New York bereits die Börsen Amsterdam, Brüssel, Paris und Lissabon. Das Gegengebot von Nasdaq und ICE für die Nyse schürte zuletzt Spekulationen auf eine höhere Offerte der Deutschen für den US-Konzern.

mg/rtr
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