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Standesbewusst: Diese Elite-Berufsgewerkschaften sorgen für Wirbel

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa

Bahnverkehr GDL bestreikt Privatbahnen für 47 Stunden

Seit dem frühen Morgen streiken die Lokführer der großen Konkurrenten der Deutschen Bahn. Von den Arbeitgebern kommen derweil neue Angebote. GDL-Chef Claus Weselsky weist sie schroff zurück.

Frankfurt am Main - Die Lokführergewerkschaft GDL erhöht den Druck auf die großen Konkurrenten der Deutschen Bahn. 47 Stunden lang sollen bei den sechs Unternehmen die Züge stillstehen, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mitteilte.

Der Arbeitskampf begann am Donnerstag um 3 Uhr und wird bis Samstag um 2 Uhr morgens dauern. Davon betroffen sind die Verkehrsgesellschaften Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn.

Eine GDL-Sprecherin sagte, die Streiks seien "gut angelaufen". Zugleich kritisierte sie, dass die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH mit Aussperrungen bis zum Montag reagiert habe.

Die GDL fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für die 26.000 Lokführer in Deutschland auf dem Niveau des Branchenführers Deutsche Bahn. Mit der Deutschen Bahn AG verhandelt die Gewerkschaft derzeit darüber, daher gibt es nur bei den Bahn-Konkurrenten Streiks.

Schon am Montag hatte die GDL die Bahn-Konkurrenten bestreikt, um ein neues Angebot zu erzwingen. GDL-Chef Claus Weselsky erklärte nun, auch zwischenzeitliche Offerten enthielte "jede Menge Vorbehalte, aber keinerlei Substanz." Diese "Halsstarrigkeit" könne keiner mehr verstehen, sagte Weselsky. "Die Arbeitgeber wollen den Tarifkonflikt tatsächlich auf dem Rücken der Kunden aussitzen."

Erste Privatbahn schert aus

Als erster großer Bahn-Konkurrent hat das private Verkehrsunternehmen Keolis, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, die Lokführer-Gewerkschaft GDL zu Gesprächen eingeladen und dabei deutliche Kompromissfähigkeit signalisiert, sagte Keolis-Personalchef Markus Lehmann. Er bestätigte damit einen Vorabbericht der "Financial Times Deutschland".

Allerdings betreffe das Einlenken lediglich den eigenen Haustarifvertrag mit der GDL. Auf die Forderungen der Gewerkschaft nach einem bundesweiten Tarifvertrag für alle 26.000 Lokführer in Deutschland habe sich das Unternehmen in seinem Schreiben nicht bezogen, sagte Lehmann.

Grund für die Bereitschaft zu Zugeständnissen sei die große Streikbereitschaft der Lokführer, erklärte Lehmann. Die Arbeitsniederlegungen der Lokführer hätten das Unternehmen allein am vergangenen Montag rund 110.000 Euro gekostet. Der Streik habe zudem gezeigt, dass die GDL - und nicht die Konkurrenzgewerkschaft EVG - eine deutliche Mehrheit der Lokführer vertrete.

Die "Financial Times Deutschland" hatte aus einer Mitarbeiter-E-Mail von Keolis-Chef Hans Leister zitiert. Demnach schrieb Leister, er werde "der GDL nunmehr sofort konkrete Verhandlungen anbieten, unabhängig vom Verhalten anderer Bahnen". Keolis sei bereit, die wesentlichen Forderungen der GDL zu erfüllen. Demnach könnte sein Unternehmen einen Tarifvertrag auf Niveau des Marktführers Deutsche Bahn (DB) abschließen.

Die GDL würde damit ihrem Ziel näher kommen, die Berufsgruppe nicht nur bei der DB, sondern auch bei deren wichtigsten Wettbewerbern im Nahverkehr allein zu vertreten. Keolis bietet vor allem Nahverkehrsverbindungen in Nordrhein-Westfalen an. Die Mitbewerber des Unternehmens, die fünf Privatbahnen Veolia, Arriva, Abellio, Benex und die Hessische Landesbahn, haben sich bislang nicht bereiterklärt, die Verhandlungen mit der Gewerkschaft wieder aufzunehmen.

nis/dpa/dapd
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