Call-Center-Betreiber Walter Services Finanzinvestor reißt Ruder an sich

Die bisherigen Gesellschafter von Walter Services, einem der größten deutschen Call-Center-Betreiber, verlieren nach Informationen des manager magazins die Kontrolle über das Unternehmen. Der amerikanische Finanzinvestor H.I.G. reißt mit einem Debt-Equity-Swap das Ruder des hoch verschuldeten Unternehmens an sich.
Von Kristian Klooß
Walter Services in Magdeburg: Unternehmen verliert Abwehrkampf

Walter Services in Magdeburg: Unternehmen verliert Abwehrkampf

Hamburg - Die Gesellschafter von Deutschlands größtem bisher unabhängigen Call-Center-Betreiber Walter Services haben den Abwehrkampf gegen die unfreiwillige Übernahme durch den Finanzinvestor H.I.G. verloren. Das hat die Onlineausgabe des manager magazins aus Verhandlungskreisen erfahren. Das Unternehmen möchte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Der unfreiwillige Eigentümerwechsel kommt zustande, weil die Gläubiger des hochverschuldeten Unternehmens, ein Konsortium um die Finanzinvestoren H.I.G. Capital und Anchorage, für einen Teil ihrer ausstehenden Kredite mit Anteilen an Walter Services entschädigt werden. Finanzexperten bezeichnen die Übernahme von Walter Services durch H.I.G. Capital und Anchorage deshalb als Debt-Equity-Swap; mit solchen Tauschgeschäften werden Schulden in Unternehmensbeteiligungen umgewandelt.

Die Investoren hatten erst vor wenigen Wochen die Schulden in Höhe von rund 150 Millionen bis 170 Millionen Euro von den Banken von Walter Services, darunter die IKB und die LBBW, mit Abschlägen übernommen.

Deutsche Telekom indirekt betroffen

Bislang gehört die Walter Services Holding GmbH den beiden Finanzinvestoren Odewald & Cie. und Capiton sowie dem Management um Geschäftsführer Ralf Kogeler, einst Strategiechef und Vorstand des Bereichs elektronische Medien der Axel Springer AG und Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. Im Zuge des Debt-Equity-Swaps, bei dem Schulden in Eigenkapital umgewandelt werden, übernehmen H.I.G. und Anchorage nun das Ruder.

Walter Services beschäftigt nach eigenen Angaben rund 8000 Mitarbeiter an 21 Standorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen und Ungarn. Der Umsatz lag laut Angaben des Unternehmens im Jahr 2009 bei rund 204 Millionen Euro. Zeitungsberichten zufolge lagen allerdings sowohl Beschäftigung als auch Umsatz im Jahr 2010 unter diesen Werten.

Die finanzielle Schieflage von Walter Services hatte zuletzt auch die Deutsche Telekom alarmiert. Die Bonner hatten 2006 und 2007 insgesamt sieben Call-Center mit rund 1000 Mitarbeitern an das Ettlinger Unternehmen verkauft. Im Deal inbegriffen war eine Garantie der Telekom, mindestens fünf Jahre lang größere Aufträge an den Call-Center-Betreiber zu vergeben, um die Arbeitsplätze der ehemaligen Kollegen zu sichern.