Freitag, 28. Februar 2020

Betrugsverdacht gegen Reeder Fahnder durchsuchen Beluga-Gebäude

Beluga-Firmensitz (am Tag der Razzia): Reeder unter schwerem Betrugsverdacht

Erneute Razzia im Zuge der Beluga-Insolvenz: Ermittler haben das Firmengebäude der Bremer Reederei gefilzt. Ex-Chef Niels Stolberg steht unter schwerem Betrugsverdacht - mehrere seiner Privatimmobilien waren bereits Ziel von Durchsuchungen.

Bremen - Fahnder haben jetzt auch das Firmengebäude der in Schieflage geratenen Bremer Reederei Beluga durchsucht. "Wir sind heute da gewesen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob die Beamten Unterlagen beschlagnahmt haben, konnte er nicht sagen. Die Anklagebehörde ermittelt gegen den entmachteten Reedereichef Niels Stolberg unter anderem wegen schweren Betrugs.

Der US-Finanzinvestor Oaktree, der zurzeit die Geschäfte führt, hatte den Firmengründer und weitere führende Mitarbeiter angezeigt. Sie sollen Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Kapitalgeber getäuscht haben. Fahnder hatten in den vergangenen Wochen bereits Stolbergs Bremer Wohnung und dessen Anwesen auf der Nordseeinsel Spiekeroog durchsucht. Nach Angaben eines Beluga-Sprechers hatten die Ermittler ihr Kommen am Mittwochmorgen per E-Mail angekündigt. Daraufhin habe er die Mitarbeiter der Reederei informiert.

Acht Tochterfirmen der Schwergutreederei, die einst Weltmarktführer war, mussten inzwischen einen Insolvenzantrag stellen. Vergangene Woche hatten zahlreiche Schiffsfonds ihre an Beluga vermieteten Frachter abgezogen. Das Kerngeschäft - die Beluga Chartering GmbH und deren Dachgesellschaft Beluga Shipping GmbH - mussten daraufhin Zahlungsunfähigkeit anmelden. Am Dienstag und Mittwoch folgten dann sechs weitere Unternehmensteile. Betroffen davon sind etwa 470 der knapp 600 Mitarbeiter.

Eine besondere Brisanz hat die drohende Pleite der Firma für sieben Besatzungsmitglieder der "Beluga Nomination". Sie werden seit mehreren Wochen von Piraten festgehalten. Das Schiff liege zurzeit im Hafen von Haradhere in Somalia, sagte ein Beluga-Sprecher. "Wir haben regelmäßig Kontakt zum Schiff." Die Reederei verhandle weiterhin mit den Seeräubern, eine endgültige Lösegeldforderung gebe es bislang aber nicht. Sobald diese vorliegt, müsse der Insolvenzverwalter über die Zahlung entscheiden. Nach Angaben des Beluga-Sprechers gibt es jedoch "Sondermöglichkeiten" in solchen Fällen.

Die Piraten hatten die "Beluga Nomination" Ende Januar im Indischen Ozean gekapert. Zwei Besatzungsmitglieder wurden nach einem missglückten Befreiungsversuch hingerichtet. Ein Mann ertrank, als er von Bord sprang.

fdi/dpa-afx

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